Stand: Dezember 2017

Ausblick 2018

Weniger Bürokratie – zum Teil

Das neue Jahr bringt für Selbstständige und Unternehmer wieder zahlreiche steuerliche und gesetzliche Änderungen. Darunter Entlastungen, etwa durch die Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter, aber auch Belastungen, zum Beispiel durch neue Dokumentationspflichten im Rahmen der Betriebsrenten-Reform und der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

ereits 2017 hat das Zweite Bürokratieentlastungsgesetz (BEG II) insbesondere kleinere Betriebe spürbar von Bürokratie entlastet, etwa durch die verkürzte Aufbewahrungspflicht von Lieferscheinen oder die Anhebung des Schwellenwertes für umsatzsteuerliche Kleinbetragsrechnungen von ehemals 150 auf 250 Euro. Diese erfreuliche Entwicklung setzt sich 2018 fort. Eine der wichtigsten Verbesserungen: Geringwertige Wirtschaftsgüter können nun bis zu einem Wert von 800 Euro sofort abgeschrieben werden. Seit der Euro-Einführung lag dieser Wert bei 410 Euro. „Wir haben uns seit vielen Jahren für eine Anhebung der Grenze eingesetzt. Die Erhöhung des Schwellenwertes auf 1.000 Euro wäre zwar besser und zeitgemäßer gewesen – aber die 800 Euro sind in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert Martin Clemens, Leiter des Referats Steuern und Finanzen bei der IHK München und Oberbayern, die Neuerung. Damit entfalle für deutlich mehr Güter der Eintrag im Anlagenregister und die Ermittlung der Nutzungsdauer, über die sich die Finanzbehörden oft uneins sind.

 

Die Bürokratieentlastung kommt zur rechten Zeit. Denn insbesondere die EU-Datenschutz-Grundverordnung stellt 2018 fast alle Unternehmen vor große neue Herausforderungen. Dasselbe gilt für die an sich positive Reform der Betriebsrenten, die jedoch den beteiligten Unternehmen zum Teil umfangreiche Dokumentationspflichten abverlangt. Worum es dabei geht und was sich 2018 für Selbstständige und Unternehmer noch ändert, haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt.

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  • Stempel mit Aufdruck des Mindestlohns

    Lohn & Soziales

    • Mindestlohn

      Auch mit den letzten Ausnahmen ist hier nun Schluss: Ab dem 1. Januar 2018 müssen alle Beschäftigten mindestens den derzeit gültigen gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde erhalten. Bis zum 31. Dezember 2017 durften in einigen Branchen übergangsweise abweichende tarifvertragliche Regelungen dem Mindestlohn vorgehen. Das betraf zum Beispiel die Fleischwirtschaft. Im Laufe des Jahres 2018 wird die Mindestlohn-Kommission turnusgemäß beraten, wie hoch der Mindestlohn ab 2019 sein soll. Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden 2018 in mehreren Branchen steigen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

    • Digitale Lohnschnittstelle

      Mit dem Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens vom 18. Juli 2016 hat der Gesetzgeber die Einführung eines einheitlichen Standarddatensatzes als Schnittstelle zum elektronischen Lohnkonto, die Digitale LohnSchnittstelle (DLS), verbindlich festgeschrieben. Diese muss ab dem 1. Januar 2018 für alle entsprechenden aufzuzeichnenden Daten angewendet werden. Mehr dazu erfahren Sie hier.

    • Mutterschutz

      Zum 1. Januar 2018 tritt das neu gefasste Mutterschutzgesetz vollends in Kraft. Neu ist unter anderem eine flexiblere Regelung der Arbeitszeiten: Schwangere Arbeitnehmerinnen dürfen zukünftig auch in der Zeit von 20 bis 22 Uhr arbeiten sowie an Sonn- und Feiertagen – wenn sie ausdrücklich zustimmen und gesundheitlich nichts dagegenspricht. Dazu muss der Arbeitgeber eine behördliche Genehmigung anfordern.

      Arbeitgeber sind außerdem dazu aufgerufen, Möglichkeiten zu schaffen, damit Schwangere so lange wie möglich ihrer Beschäftigung nachgehen können, etwa durch eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes. Beschäftigungsverbote sollen fortan nur noch als letzte Maßnahme in Betracht kommen. Weitere Informationen zum Gesetz zur Neuregelung des Mutterschutzrechts finden Sie hier.

  • Münzstapel

    Rente & Vorsorge

    • Betriebsrentenstärkungsgesetz

      Zum 1. Januar 2018 tritt das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft, nach der ehemaligen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles auch „Nahles-Rente“ genannt. Es soll dabei helfen, die betriebliche Altersvorsorge besonders in kleinen und mittleren Unternehmen stärker zu verbreiten und Beschäftigte mit einem geringen Einkommen besser vor einer möglichen Altersarmut zu schützen.

      Die wichtigsten Punkte für Arbeitgeber:

       

      • Die für Arbeitgeber wichtigste Änderung: Sie müssen bzw. dürfen künftig keine Garantien mehr über die spätere Höhe der vereinbarten Betriebsrente abgeben, sondern allein eine Beitragszusage (Prinzip „pay and forget“). Hintergrund: Weil die Lebenserwartung steigt und die Zinsen seit Jahren niedrig sind, haben die bisherigen Garantien bei einzelnen Unternehmen zu hohen finanziellen Belastungen geführt.

      • Die tatsächliche Ausgestaltung der Nahles-Rente soll künftig in einem Sozialpartnermodell zwischen den Tarifvertragsparteien ausgehandelt werden. Das Angebot einer Betriebsrente per Tarifvertrag soll dabei auch Unternehmen möglich sein, die selbst nicht tariflich gebunden sind. Sie haben die Möglichkeit, sich dem jeweiligen Tarifmodell und der Versorgungskasse ihrer Branche anzuschließen.

      • Weitere wichtige Änderungen betreffen die Entgeltumwandlung: Die für Arbeitgeber steuerfreien Höchstbeträge bei der Entgeltumwandlung werden ab dem 1. Januar 2018 von bisher 4 auf 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung angehoben. Der Arbeitgeber ist künftig zu einem Zuschuss zur Betriebsrente von bis zu 15 Prozent verpflichtet, wenn ein Beschäftigter diese über eine Entgeltumwandlung anspart. Dies gilt allerdings für Neuverträge erst ab 2019 und für bestehende Verträge ab 2022.

      • Das Gesetz sieht außerdem vor, dass Unternehmen künftig als direkte Förderung 30 Prozent von der Lohnsteuer des Arbeitnehmers einbehalten dürfen, wenn sie Beschäftigten, die monatlich nicht mehr als 2.200 Euro verdienen, eine betriebliche Altersvorsorge anbieten. Dafür müssen diese Beiträge zwischen 240 und 480 Euro jährlich zahlen.

      • Der Gesetzgeber verlangt von Unternehmen die komplette Dokumentation ihrer Altersvorsorgevereinbarungen: Ab Beginn der Rentenzahlungen (!) müssen entsprechende Unterlagen 30 Jahre lang verfügbar gehalten werden.
    • EU-Mobilitäts-Richtlinie

      Zum 1. Januar 2018 tritt die EU-Mobilitäts-Richtlinie im Betriebsrentengesetz in Kraft. Mit den geplanten Änderungen soll etwa ein Arbeitgeberwechsel innerhalb der EU hinsichtlich der betrieblichen Altersvorsorge für Arbeitnehmer flexibler werden. So werden unter anderem die arbeitsrechtlichen Unverfallbarkeitsfristen für Versorgungsanwartschaften von bisher fünf auf drei Jahre gesenkt – und auch das Mindestalter wird vom 25. auf das 21. Lebensjahr gesenkt. Das bedeutet, das ein ausscheidender Beschäftigter künftig seine Anwartschaft behält, wenn das Versorgungsversprechen bei seinem Ausscheiden drei Jahre bestanden hat und der Mitarbeiter mindestens 21 Jahre alt ist.

    • Erwerbsminderung-Leistungsverbesserungsgesetz

      Mit dem Jahr 2018 beginnt die Erhöhung der Zurechnungszeit bei Erwerbsminderungsrenten. Mit dem Gesetz sollen Beschäftigte, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilweise oder gar nicht mehr arbeiten können, bessergestellt werden. Bei der Berechnung der Erwerbsminderungsrente wird bislang ein fiktiver Renteneintritt zum 62. Lebensjahr als Berechnungsgrundlage angesetzt. Von 2018 bis 2024 soll diese Zurechnungszeit schrittweise um drei Jahre verlängert werden – also von 62 auf 65 Jahre. Sobald das Gesetz wirkt, wird sich laut der Bundesregierung der durchschnittliche Zahlbetrag der Erwerbsminderungsrente seit 2013 um 143 Euro pro Person erhöhen. Mehr Infos finden Sie hier.

    • Ost-West-Rentenangleichung

      Ab 2018 wird der Rentenwert Ost an den im Westen geltenden Rentenwert in sieben Schritten angeglichen. Ziel ist eine bundesweit einheitliche Berechnung der Rente ab dem Jahr 2025. Laut Deutscher Rentenversicherung liegt der aktuelle Rentenwert bei 31,03 Euro im Westen und bei 29,69 Euro im Osten. Ab dem 1. Juli 2018 wird der Rentenwert Ost im ersten Schritt auf 95,8 Prozent des Westniveaus gehoben – und in den darauffolgenden sechs Jahren jeweils um
      0,7 Prozent erhöht. Zum 1. Juli 2024 beträgt der Rentenwert Ost dann 100 Prozent.

  • Steuererklärung

    Steuern

    • Geringwertige Wirtschaftsgüter

      Ab dem 1. Januar 2018 gelten neue Grenzen für geringwertige Wirtschaftsgüter. Bisher konnten Anschaffungen wie beispielsweise Büromaterialien nur bis zu einem Wert von 410 Euro direkt abgeschrieben werden. Diese Grenze wird auf 800 Euro angehoben. Die Änderungen entlasten Unternehmen konkret von Bürokratie, da nun für viele Wirtschaftsgüter Aufzeichnungspflichten für die Abschreibung entfallen. Die Grenze für Kleinbetragsrechnungen ist bereits im Jahr 2017 rückwirkend von 150 auf 250 Euro erhöht worden.

    • Investmentsteuerreform

      Wichtig für alle Anleger: Ab dem 1. Januar 2018 gilt ein neues Besteuerungssystem für Investmentfonds. Künftig werden inländische Dividenden und Immobilienerträge bereits auf Fondsebene mit einer Körperschaftsteuer von 15 Prozent belastet. Bisher wurden diese Erträge dem Anleger unmittelbar steuerlich zugerechnet.

       

      Als Ausgleich für die Besteuerung der Fondserträge bleibt ein gewisser Prozentsatz der Ausschüttungen und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen künftig für Anleger steuerfrei („Teilfreistellung“). Die Höhe des steuerfreien Anteils richtet sich nach der Art des Fonds und dem Anlegerkreis. Er beträgt für Privatanleger bei:

      • Mischfonds (mindestens 25 Prozent Aktien) 15 Prozent,
      • Aktienfonds (mindestens 51 Prozent Aktien) 30 Prozent,
      • Offenen Immobilienfonds (mindestens 51 Prozent Immobilien/Immobiliengesellschaften) 60 Prozent und bei
      • Offenen Immobilienfonds mit Anlageschwerpunkt im Ausland 80 Prozent.

       

      Der bisherige Bestandsschutz für Fondsanteile, die Privatanleger vor 2009 erworben haben, fällt zum Jahresende weg. Allerdings werden Wertsteigerungen dieser Altanteile nach dem 1. Januar 2018 erst dann steuerpflichtig, wenn ein Freibetrag von 100.000 Euro aufgebraucht ist.

       

      Weitere Informationen finden Sie hier.

  • Justitia-Statue

    Gesetze & Verordnungen

    • Datenschutz-Grundverordnung

      Ab dem 25. Mai 2018 gilt europaweit eine neue Datenschutz-Grundverordnung. Das Dokument ersetzt die EU-Datenschutzrichtlinie aus dem Jahr 1995. Ziel ist es, ein einheitliches und zeitgemäßes Datenschutzniveau in allen EU-Ländern zu schaffen.

      Mehr Informationen dazu lesen Sie hier.

    • Werk- und Bauvertragsrecht

      Zum 1. Januar 2018 tritt ein neues Werkvertragsrecht in Kraft, das insbesondere spezielle Regelungen für den Bauvertrag umfasst. Ziel ist vor allem, die Rechte der Bauherren zu stärken. Aber auch Handwerksfirmen können davon profitieren: Nach geltender Rechtslage ist der Handwerker dazu verpflichtet, mangelhaftes Material wieder auszubauen und durch fehlerfreies zu ersetzen. Auf den Kosten für den Aus- und Wiedereinbau blieben die Handwerksbetriebe bislang sitzen. Künftig sollen sie dafür den Hersteller in Regress nehmen können. Die jeweilige Haftung des Herstellers besteht auch dann, wenn verschiedene Bauprodukte kombiniert verbaut werden. Umfangreiche Informationen zur neuen Rechtslage finden Sie hier.

    • Kassengesetz

      Wichtig für alle Betriebe mit Bargeldgeschäft: Im Rahmen des 2016 beschlossenen Kassengesetzes besteht ab 2018 die Möglichkeit der Kassennachschau. Das bedeutet, dass Steuerbehörden Betriebe ohne Ankündigung während der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeiten unter die Lupe nehmen können. Seit dem 1. Januar 2017 besteht die Pflicht, nur noch solche Registrierkassen einzusetzen, die Einzelumsätze aufzeichnen und für mindestens zehn Jahre unveränderbar abspeichern können. Es besteht aber weiterhin keine Pflicht zur Nutzung einer Registrierkasse; eine sogenannte offene Ladenkasse ist auch künftig erlaubt. Mehr Informationen zur korrekten Kassenführung finden Sie hier.

  • 500-Euro-Scheine

    Sonstiges

    • Lizenzschranken gegen schädliche Steuerpraktiken

      Für immaterielle Wirtschaftsgüter wie Patente, Lizenzen, Konzessionen oder Markenrechte ist ab dem 1. Januar 2018 eine Betriebsausgabenbeschränkung zu berücksichtigen – die sogenannte Lizenzschranke. Damit sollen Gewinnverlagerungen durch Lizenzzahlungen in Staaten mit besonderen Präferenzregelungen (sogenannten Lizenzboxen, Patentboxen oder IP-Boxen) verhindert werden. Das Gesetz sieht vor, die steuerliche Abzugsmöglichkeit für Lizenzaufwendungen eines Unternehmens in Deutschland einzuschränken, wenn damit im Empfängerland Lizenzeinnahmen entstehen, die aufgrund eines als schädlich eingestuften Präferenzregimes nicht oder nur niedrig (unter 25 Prozent) besteuert werden. Als schädlich eingestufte Lizenzboxregelungen müssen bis spätestens 30. Juni 2021 abgeschafft oder an den Nexus-Ansatz angepasst werden. Mehr dazu lesen sie hier.

    • 500-Euro-Schein

      Zum Ende des Jahres 2018 wird die Ausgabe des 500-Euro-Scheins eingestellt. Im Mai 2016 hatte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, die Herstellung der 500-Euro-Banknote dauerhaft einzustellen und sie nicht in die Europa-Serie aufzunehmen. Laut EZB bleibt die Banknote gesetzliches Zahlungsmittel und behält ihren Wert. Scheine können unbefristet bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems umgetauscht werden.

    • Gebühren bei Kartenzahlung und Co.

      Ab dem 13. Januar 2018 dürfen Händler keine gesonderten Gebühren mehr für Kartenzahlungen, Überweisungen und Lastschriften verlangen. Das hat die Bundesregierung im Rahmen der Zweiten Zahlungsrichtlinie beschlossen. Die Regelung gilt europaweit. Zugleich wird die Haftung der Verbraucher für nicht autorisierte Zahlungen von 150 auf 50 Euro herabgesetzt. Die Änderungen sollen den Wettbewerb bei Zahlungsdiensten verbessern und Verbraucher besser schützen.

    • eCall-Notrufsystem

      Autobauer müssen bis zum 31. März 2018 alle neuen Modelle von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen mit dem eCall-Notrufsystem ausstatten. Das bordeigene Notrufsystem nutzt die einheitliche europäische Notrufnummer 112, um Rettungskräfte automatisch zu alarmieren und zum Unfallort zu lotsen.

    • Winterreifen

      Ab 2018 dürfen nur noch Winter- und Ganzjahresreifen mit Schneeflocke, dem sogenannten Alpine-Symbol, verkauft werden. Die bisherige Kennzeichnung mit dem M+S-Symbol ist dann nicht mehr ausreichend. Vor 2018 angeschaffte Reifen dürfen aber noch bis zum 30. September 2024 gefahren werden. Wer im Winter mit ungeeigneten Reifen erwischt wird, muss zudem mit einem höheren Bußgeld von 75 Euro statt bisher 60 Euro rechnen.

    • Steuererklärung

      Und zu guter Letzt noch einen positiven Ausblick auf das Jahr 2019 bzw. 2020: Ab dem Steuerjahr 2018 gilt eine verlängerte Abgabefrist für die Einkommenssteuererklärung. Diese müssen künftig erst bis zum 31. Juli des Folgejahres beim Finanzamt eingehen. Für die Steuererklärung 2018 ist also bis zum 31. Juli 2019 Zeit. Wenn ein Steuerbeauftragter für die Erstellung beauftragt wird, hat dieser künftig bis zum 28./29. Februar des übernächsten Jahres Zeit. Fristende für die Steuerklärung 2018 wäre dann der 28. Februar 2020. Hinweis: Für das Steuerjahr 2017 gelten noch die alten Fristen.

Interview

Dr. Marco Bargel, Chef-Volkswirt, Deutsche Postbank AG

„Es sieht so aus, als könnte die Konjunkturdynamik 2018 sogar noch einmal zunehmen.“

Dr. Marco Bargel,
Chef-Volkswirt, Deutsche Postbank AG

  • Interview lesen

    Perspektiven: Die Stimmung in den mittelständischen Chefetagen war zuletzt ausgesprochen gut. Wird sich das positive Klima 2018 fortsetzen können?

     

    Dr. Marco Bargel: Tatsächlich ist die Stimmung unter deutschen Unternehmern so gut wie noch nie. Hierfür gibt es einen guten Grund: Das deutsche BIP wird 2017 das vierte Jahr in Folge mit rund 2 Prozent wachsen und die Auftragslage der Unternehmen ist allgemein hervorragend. Und es sieht so aus, als könnte die Konjunkturdynamik 2018 sogar noch einmal zunehmen. Denn der Aufschwung steht auf einer breiten Basis. Sowohl der private Konsum wie auch die Investitionen tragen zum Wachstum bei. Gleichzeitig profitieren deutsche Exportunternehmen von einem kräftigen und nachhaltigen Aufschwung bei unseren europäischen Handelspartnern. Solange die günstigen Rahmenbedingungen anhalten – niedrige Zinsen, eine moderate Inflation und ein stabiler Euro –, gibt es keinen Grund, warum sich der kräftige Aufschwung nicht noch für einige Zeit fortsetzen und die gute Stimmung anhalten sollte

     

    Perspektiven: Welche weltweit volkswirtschaftlich bedeutenden Ereignisse sollten Mittelständler 2018 im Blick haben?

     

    Dr. Marco Bargel: Es gibt einige Risiken bzw. Entwicklungen, welche die Unternehmen 2018 im Auge behalten sollten. Da ist zunächst einmal der bevorstehende Brexit. Der Stand der Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU ist mehr als unbefriedigend. Wichtige Fragen, wie die künftigen Beziehungen sich gestalten sollen, sind nicht geklärt. Angesichts der verbleibenden nur noch sehr kurzen Zeit, bevor der Austritt in Kraft tritt, ist die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits hoch. Für deutsche Unternehmen stellt dies ein erhebliches Risiko dar, da die Handelsbeziehungen zu Großbritannien sehr eng sind.

     

    Es gibt weitere Unsicherheiten, vor allem im politischen Bereich. So könnten geopolitische Krisen, unter anderem im Nahen Osten, die globale Konjunkturentwicklung beeinträchtigen. Auch Donald Trump kann mit seiner „America First“-Politik für erheblichen wirtschaftlichen Schaden sorgen, wenn Handelsabkommen gekündigt und Zölle verschärft werden.

     

    Und auch in Deutschland sind die politischen Risiken nach der Bundestagswahl nicht gerade kleiner geworden. Die künftigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland bleiben angesichts der schwierigen Koalitionsbildung sehr unsicher. Kommt es zu einer Großen Koalition und setzt sich die SPD mit ihren Forderungen weitgehend durch, drohen im Bereich der sozialen Sicherung und des Arbeitsmarktes für Unternehmen erhebliche Mehrbelastungen.

     

    Perspektiven: Stichwort europäische Geldpolitik: Wird es hier 2018 zu maßgeblichen Veränderungen kommen?

     

    Dr. Marco Bargel: Die EZB hat bereits 2017 den Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik eingeleitet. Das Volumen der monatlichen Anleiheankäufe der Notenbank wurden ab April von 80 Milliarden Euro auf 60 Milliarden Euro reduziert. Ab Januar 2018 wird der Betrag weiter verringert, auf dann 30 Milliarden Euro. Die Geldpolitik im Euroraum bleibt damit aber immer noch sehr locker. Selbst nach der von uns erwarteten Einstellung des Anleiheankaufprogramms Ende 2018 wird die EZB ihre Marktinterventionen nicht vollständig beenden. Dem Beispiel der US-Notenbank folgend dürfte sie auslaufende, zuvor von ihr erworbene Anleihen zunächst ersetzen.

     

    Hinzu kommt, dass eine erste Leitzinserhöhung im Euroraum erst nach Auslaufen des Ankaufprogramms und damit nicht vor 2019 zu erwarten ist. Signifikant höhere Geld- und Kapitalmarktzinsen sind in einem solchen Umfeld vorerst nicht zu erwarten. Und auch der Euro dürfte bei der weiterhin recht expansiven Geldpolitik nicht allzu stark aufwerten. Die Notenbank riskiert mit ihrer viel zu expansiven Geldpolitik allerdings eine konjunkturelle Überhitzung. Dies könnte die Engpässe am Arbeitsmarkt weiter verschärfen und mittelfristig in einer deutlich höheren Inflation münden.

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Messetermine 2018
Handwerksmesse, Cebit, Anuga – der Messekalender für das Jahr 2018 ist wieder vollgepackt mit echten Highlights. Die wichtigsten Termine haben wir Ihnen in einer kompakten Übersicht zusammengestellt. In dem PDF finden Sie alles gut sortiert auf einen Blick.

Dateigröße: 55 kB

  • Bildnachweise

    Aufmacher: iStockphoto | Bestgreenscreen; Fotos: iStockphoto (Aldart, filmfoto, LIgorko, psphotograph, Spiderplay), Postbank

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