Dem Ruhestand entspannt entgegensehen

Der Gedanke an die persönliche Absicherung fürs Alter geht bei Selbstständigen oft im Tagesgeschäft unter. Dabei ist es gerade für sie extrem wichtig, rechtzeitig finanziell für das Alter vorzusorgen.

Vorsorge für Selbstständige

Erschienen in Ausgabe 2019-1

iele selbstständige Unternehmer verstehen es, ihr Unternehmen erfolgreich zu führen und mit Weitblick zu planen. „Wenn es um ihre persönliche Vorsorge geht, verhalten sich allerdings die wenigsten nach dem Lehrbuch“, sagt Manuel Netzer, geschäftsführender Gesellschafter der Kemptener Ihr FinanzPartner GmbH. Als Berater für betriebliche Altersvorsorge beim Interessenverband Arbeitgeber, Selbstständiger und Unternehmer e. V. weiß Netzer, wovon er spricht. „Unternehmer lassen sich gerne zum Thema betriebliche Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter informieren. Fragen zur eigenen Vorsorge stellen sie aber meistens nicht“, lautet eine Erfahrung des Finanzexperten. Dabei sei es gerade auch für Selbstständige wichtig, die eigene Vorsorge möglichst früh in die eigenen Hände zu nehmen.

 

Rund 4,2 Millionen Selbstständige müssen sich hierzulande eigenständig um ihre Altersvorsorge kümmern. Bestimmte Gruppen sind zwar in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, etwa zulassungspflichtige Handwerker, doch ihr gesetzlicher Rentenanspruch reicht, genauso wie bei vielen Angestellten, oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu garantieren. Laut einer aktuellen Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk der Universität Göttingen erwarten rund 60 Prozent der pflichtversicherten Handwerksunternehmer eine gesetzliche Rente von weniger als 600 Euro monatlich.

 

Zwar kümmern sich die meisten Selbstständigen bereits um die private Altersvorsorge, doch oftmals beruhten ihre Entscheidungen auf Mitnahmeeffekten, etwa bei Beratungsgesprächen zum Thema Betriebsversicherungen, beobachtet Netzer. Dabei greift eine reine Produktberatung eindeutig zu kurz, wenn es darum geht, die richtige Lösung für die Altersvorsorge zu finden. Vielmehr bedarf es einer gut geplanten individuellen Strategie, die auf die Art der Selbstständigkeit abgestimmt ist und die verschiedenen Bausteine der Vorsorge berücksichtigt.

 

Die richtige Absicherung in jeder Lebensphase
Wie wichtig eine ganzheitlich ausgerichtete Altersvorsorgestrategie ist, zeigt der Fall eines Unternehmers aus Manuel Netzers Beratungspraxis. „Ein Ergebnis der von uns für den noch relativ jungen Mann durchgeführten Risikoanalyse war, dass er auch für den Fall abgesichert sein sollte, dass er nicht bis zum regulären Rentenalter arbeiten kann“, erläutert Netzer. Als Teil seiner Vorsorgestrategie schloss er deshalb eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Wie sich zeigte, eine weise Entscheidung: Fünf Jahre nach dem Abschluss der Police musste der Mann seinen Beruf aufgrund einer früh aufgetretenen Parkinson-Erkrankung aufgeben. Glück im Unglück: Die Berufsunfähigkeitsversicherung schützte ihn nicht nur akut vor dem finanziellen Absturz, sie ermöglichte es ihm auch, weiterhin für das Alter vorzusorgen. „Selbstständige sollten sich beim Thema Vorsorge immer auch fragen, wie es mit ihrem Unternehmen weitergehen soll, wenn sie mal für längere Zeit ausfallen oder sogar gar nicht mehr arbeiten können“, rät Netzer.

 

Unternehmensverkauf als Altersvorsorge
Insbesondere Unternehmer, die keinen familieninternen Nachfolger haben, sehen häufig den Unternehmensverkauf als Versorgungsmöglichkeit für das Alter. Auch diese Form der Altersvorsorge will frühzeitig vorbereitet und gut geplant sein. Und sie sollte nicht der einzige Vorsorgebaustein sein. Denn ob sich dereinst ein Käufer für das Unternehmen findet und zu welchem Preis, steht oft in den Sternen und hängt von vielen Faktoren ab. „Gerade bei kleineren Unternehmen sind Geschäftsbeziehungen und Entscheidungswege oft stark auf den Inhaber zugeschnitten. Da wird es dann schwierig, einen Käufer zu finden“, sagt Manuel Netzer. Mehr zu diesem Thema lesen Sie in unserer Serie zur Unternehmensnachfolge.

V

„Es bedarf einer gut geplanten individuellen Strategie zur Altersvorsorge.“

Manuel Netzer, geschäftsführender Gesellschafter Ihr FinanzPartner GmbH

Die wichtigsten Formen der Altersvorsorge für Selbstständige im Überblick

  • Gesetzliche Rente

    Auf die gesetzliche Rentenversicherung setzen nur wenige Selbstständige – rund 230.000 zahlten zuletzt freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Der freiwillige Beitrag ist aktuell zwischen 83,70 Euro und 1.246,20 Euro im Monat frei wählbar. Ein Vorteil: Selbstständige können einen zunehmenden Anteil ihrer Beiträge von der Steuer absetzen, 2019 sind es 88 Prozent. Mehr zu den Vorteilen der gesetzlichen Rentenversicherung lesen Sie hier.

  • Rürup-Rente

    Die Basisrente, nach dem Ökonomen Bert Rürup auch Rürup-Rente genannt, ist eine Alternative zur gesetzlichen Rentenversicherung für Selbstständige – sie wird ebenfalls steuerlich begünstigt. Vorteil: Selbstständige können mehr einzahlen. 2019 liegt der steuerbegünstigte Höchstbetrag bei 24.304,80 Euro. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft registrierte im Jahr 2017 insgesamt 2.118.000 Rürup-Verträge. Mehr Informationen zur Rürup-Rente gibt ein Infoblatt vom Bund der Versicherten.

  • Versorgungswerke

    Freiberufler und Selbstständige, die Mitglied einer berufsständischen Kammer sind, müssen in das entsprechende Versorgungswerk eintreten und sich bei diesem pflichtversichern. Das gilt zum Beispiel für Ärzte, Ingenieure und Rechtsanwälte. Laut dem aktuellen Alterssicherungsbericht des Bundesarbeitsministeriums kommen Selbstständige im Ruhestand auf monatliche Nettoeinkünfte in Höhe von durchschnittlich 1.435 Euro. Selbstständige, die Leistungen aus einem Versorgungswerk beziehen, kommen hingegen auf monatliche Nettoeinkünfte in Höhe von durchschnittlich 3.362 Euro. Allerdings müssen in dieser Gruppe auch fast die Hälfte der ehemals Selbstständigen mit weniger als 1.000 Euro netto monatlich auskommen.

Postbank

Mit der Postbank für das Alter vorsorgen

Die Postbank bietet Geschäftsführern und Unternehmensinhabern neben der Rürup-Rente auch die weiteren verschiedenen Formen der privaten Altersvorsorge. Nähere Informationen hierzu finden Sie im Bereich Geschäftskunden auf der Postbank Homepage.

  • Bildnachweise

    Aufmacher: iStockphoto / DragonImages; weiteres Foto: Ihr FinanzPartner GmbH

Weitere Artikel

Panorama

Einsichten und
Aussichten

Neue Betrugsmasche, attraktive Kreditmodelle, Brexit – Nachrichten aus Postbank, Wirtschaft und Finanzen.

Staffelübergabe im Unternehmen

Strategien

Unternehmensnachfolge rechtzeitig planen

Neue Serie: Wie Senior-Unternehmer jetzt den passenden Nachfolger finden. Teil 1: Externe Nachfolge.

Perspektiven