Perspektiven

Erschienen in Ausgabe 2015-4

Zahlungsverkehr

Bargeld effizient managen

Bargeld ist nach wie vor das Zahlungsmittel Nr. 1 in Deutschland. Für Mittelständler ergeben sich daraus große Herausforderungen in Sachen Logistik, Sicherheit und Cashmanagement. Die Postbank hat hierfür eine innovative Lösung entwickelt, die Abläufe sicher und reibungslos gestaltet. Wir stellen sie vor.

ur Bares ist Wahres“ – dieser Spruch ist typisch deutsch. Und er wird es auch noch länger bleiben. Denn das Verhalten beim Bezahlen von Waren und Dienstleistungen verändert sich hierzulande nur sehr langsam. Zwar bezahlen Verbraucherinnen und Verbraucher kleinere und mittlere Beträge immer öfter mit Karte und greifen für Online-Einkäufe auch auf spezielle Internetbezahlverfahren zurück. Zahlungsmittel Nr. 1 ist aber weiterhin Bargeld. Die Verwendung von Münzen und Banknoten am Point of Sale (POS) hat sich 2014 bei 53 Prozent der getätigten Umsätze stabilisiert, heißt es in einer im Frühjahr 2015 veröffentlichten Bundesbank-Studie. Der Abwärtstrend des baren Bezahlens hat sich damit im Vergleich zu den vorangegangenen Untersuchungen der Bundesbank (2008 und 2011) zuletzt deutlich verlangsamt.

 

Rund ein Drittel der im Auftrag der Bundesbank befragten Verbraucher bezahlen am POS ausschließlich bar – und das obwohl sie im Besitz von Bezahlkarten sind und bargeldlos bezahlen könnten. Erstaunlich ist, dass die Anzahl der Barzahlungsverfechter zwischen 2011 und 2014 sogar noch zunahm, und zwar von 28 auf 33 Prozent. Als wichtigster Grund dafür wird die gefühlte bessere Ausgabenkontrolle genannt. Ein Argument, das überraschenderweise auch viele der Kartenzahler für ihre bevorzugte Zahlmethode  anführen.

 

Neue Vorschriften fürs Bargeld-Handling

Für den deutschen Handel und die Kreditinstitute bedeutet dies, dass sie auch in Zukunft kundenorientierte, unkomplizierte Lösungen für das Bezahlen mit Bargeld bereithalten müssen. Dazu gehören zum einen elektronische Kassensysteme, die die Mitarbeiter am POS beim Handling des Geldes unterstützen. Welche neuen gesetzlichen Vorschriften diese künftig erfüllen müssen, lesen Sie hier.

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  • Neue Regeln für elektronische Kassensysteme

    In einer Verwaltungsvorschrift vom 25. November 2010 hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) die gesetzliche Aufbewahrungspflicht für sämtliche von der Registrierkasse zu erfassenden Geschäftsvorfälle deutlich verschärft. Die vom BMF eingeräumte Übergangsfrist für den Weiterbetrieb von Registrierkassen, die technisch nicht zur Erfüllung der Anforderungen geeignet sind, läuft zum 31. Dezember 2016 aus. Der Handelsverband Deutschland (HDE) empfiehlt Einzelhändlern, sich im Laufe des Jahres 2016 mit ihrem Steuerberater und dem Kassenlieferanten oder IT-Dienstleister in Verbindung zu setzen, um die Gesetzeskonformität ihres Kassensystems abzuklären.

     

    Ein Kernpunkt der neuen Anforderung ist die Vorschrift zur elektronischen Speicherung aller Kassendaten für mindestens zehn Jahre. Die Daten müssen während der Dauer der Aufbewahrungspflicht jederzeit verfügbar, unverzüglich lesbar und maschinell auswertbar sein. Bei einem unvollständigen oder nicht zeitnah ermöglichten elektronischen Zugriff auf die Daten droht neben einer Gewinnzuschätzung ein Verzögerungsgeld von 2.500 bis 250.000 Euro.

Außerdem können neue, innovative Technologien dazu beitragen, die mit dem Bargeld-Handling verbundenen personalintensiven Tätigkeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Das sorgt nicht nur für mehr Sicherheit, sondern spart auch Geld. Laut Untersuchungen des Unternehmens Wincor Nixdorf gibt der Handel in Deutschland jährlich 7,7 Milliarden Euro für das Handling von Bargeld aus.

 

Neu von der Postbank: „Bargeldlösung komfort“

Bei der Postbank selbst wurde eine Möglichkeit geschaffen, den Bargeldkreislauf zu optimieren. Die sogenannte Cash-Recycling-Technologie, die sowohl in der Kassenzone der Filiale als auch im Backoffice der Unternehmen Anwendung findet, sorgt für einen weitgehend geschlossenen Bargeldkreislauf. Dieses eigens erprobte Rundum-Angebot bietet die Postbank nun künftig auch ihren Geschäfts- und Firmenkunden unter dem Namen „Bargeldlösung komfort“ an. Worum es dabei genau geht, erläutert Reiner Ramacher, Bereichsvorstand Deutsche Postbank AG, Geschäfts- und Firmenkunden, im Interview mit dem Perspektiven eMagazin.

Interview
Reiner Ramacher, Bereichsvorstand Deutsche Postbank AG, Geschäfts- und Firmenkunden

„Wir lassen unsere Geschäfts- und Firmenkunden von

den Vorteilen und Erfahrungen unseres großen Filialnetzes profitieren.“

 

Reiner Ramacher,
Bereichsvorstand Deutsche Postbank AG, Geschäfts- und Firmenkunden

  • Interview lesen

    Perspektiven: Herr Ramacher, die Postbank setzt mit der neuen „Bargeldlösung komfort“ konsequent auf noch mehr Service rund ums Bargeldmanagement. Ist das in Zeiten zunehmend bargeldloser Bezahlverfahren überhaupt noch zeitgemäß?

     

    Reiner Ramacher: Im Alltag unserer Geschäfts- und Firmenkunden spielt Bargeld nach wie vor eine enorm wichtige Rolle. Die Bundesbürger haben im Schnitt 103 Euro Bares im Portemonnaie – und dieses Geld wird natürlich auch ausgegeben. Kleinere Beträge werden zumeist bar bezahlt. Und vom ausreichenden Wechselgeld in der Kasse über die sichere Entsorgung der eingenommenen Beträge bis hin zur zeitnahen Wertstellung auf dem Konto stehen Unternehmen hier vor großen Herausforderungen.

     

    Perspektiven: Was ist das Besondere an Ihrem neuen Angebot?

     

    Reiner Ramacher: Ein wirklich einzigartiger Vorteil für unsere Kunden ergibt sich aus der Besonderheit, dass die Postbank selbst einer der größten Filialisten Deutschlands ist. Wir sind flächendeckend mit aktuell 1.100 Postbank Finanzcentern präsent und können so den Bedarf an Bargeldlogistik unserer Kunden erfüllen.

     

    Perspektiven: Wo genau zeigt sich der Komfort dieser neuen Bargeldlösung?

     

    Reiner Ramacher: Wer sich für unser neues Angebot entscheidet, muss künftig für die Bargeldversorgung und

    -entsorgung nicht mehr in die Filiale kommen. Hin- und Rückfahrten, die Zeit beanspruchen, entfallen, was zudem für mehr Sicherheit sorgt, denn das Überfallrisiko wird nahezu komplett ausgeschlossen.

     

    Perspektiven: In den Räumlichkeiten Ihrer Geschäfts- oder Firmenkunden wird für die „Bargeldlösung komfort“ ein sogenannter Cash-Recycler installiert. Wie funktioniert dieser?

     

    Reiner Ramacher: Abgestimmt auf die individuellen Anforderungen des Unternehmens gibt es unterschiedliche Varianten. Die große Lösung, die zum Beispiel von unserem Pilotkunden „Mr. Wash“ eingesetzt wird, unterstützt die Mitarbeiter auf vielfältige Weise. Kassenbestände werden vor Ort eingeworfen und sicher verwahrt; sobald das Geld im Cash-Recycler ist, liegt die Verantwortung dafür bei der Postbank. Geldscheine werden automatisch auf Echtheit überprüft, verbucht und auf dem Konto des Unternehmens gutgeschrieben. Das Münzgeld wird gezählt, registriert und verbleibt in der Verantwortung des Kunden. Wechselgeld – Scheine sowie Münzen – kann vom Gerät zudem einfach wieder ausgegeben werden. Die Entsorgung der verbleibenden Einnahmen erfolgt automatisch durch einen Dienstleister der Postbank.

     

    Perspektiven: Ein Wort zu den Kosten …

     

    Reiner Ramacher: Aufgrund unserer besonderen bundesweit flächendeckenden logistischen Ausgangslage können wir unseren Geschäfts- und Firmenkunden sehr gute Angebote machen. Der Business-Case rechnet sich für die teilnehmenden Unternehmen in der Regel von Anfang an. Unsere Zahlungsverkehrsexperten können interessante maßgeschneiderte Pakete inklusive passender Finanzierungslösungen schnüren.

Pilotiert wurde diese innovative Lösung für das Bargeldmanagement unter anderem an einem neuen Standort des Tankstellen- und Waschstraßenbetreibers „Mr. Wash“ in Hannover (siehe Foto-Slider unten). Technisches Kernstück ist der Cash-Recycler, eine Art intelligenter Tresor. Das Gerät zählt und speichert die vom Kassierer eingeworfenen Münzen und Banknoten automatisch. Sobald das Geld im Automaten verschwunden ist, geht es in die Verantwortung der Postbank über. Die Gutschrift der Einnahmen erfolgt zeitnah auf dem Kundenkonto. Auch um die Steuerung der Wertlogistik und die Versicherung kümmert sich die Postbank automatisch. Zudem stellt der Cash-Recycler auch das Rückgeld zur Verfügung – und zwar so weit wie möglich aus den Einzahlungen. Die Anlieferungsintervalle für Bargeld können also reduziert werden und damit auch die dafür anfallenden Kosten.

 

Falschgeld erkennen, Überfallrisiken senken

„Für unseren Kunden bedeutet der Einsatz von ,Bargeldlösung komfort‘ eine risikofreie Möglichkeit des Bargeld-Handlings“, sagt Andreas Goschke, Vertriebsdirektor Zahlungsverkehr und Liquiditätsmanagement der Postbank für Geschäfts- und Firmenkunden. Dank des Cash-Recyclings kann zum Beispiel „Mr. Wash“ seine Standorte künftig deutlich freundlicher und offener gestalten. Denn die bislang mit dickem Panzerglas abgeschirmten Kassenbereiche sind nun überflüssig. „Mit dem Produkt haben wir den Nerv des Kunden getroffen“, bilanziert Andreas Goschke.

So funktioniert das Cash-Recycling bei Mr. Wash

Das Angebot „Bargeldlösung komfort“ gibt es übrigens auch in einer kleineren Version, dann allerdings ohne die Möglichkeit der Wechselgeldentnahme. Erfolgreich eingesetzt wird diese Variante zum Beispiel von der Getränkemarktkette „Trink & Spare“. Auch dort konnte man auf diese Weise die Aufwände rund um die Bargeldlogistik erheblich minimieren und das Überfallrisiko bei der Bargeldentsorgung durch die Mitarbeiter senken. Wie die „Bargeldlösung komfort“ bei „Trink & Spare“ zum Einsatz kommt, erläutert Arne Schmidt, Kaufmännischer Leiter der Trink & Spare Getränkefachmarkt GmbH im folgenden Video.

So funktioniert die „Bargeldlösung komfort” bei „Trink & Spare”
  • Linkliste

    Mehr Informationen zu den steuerlichen Anforderungen an Registrierkassen finden Sie hier.

    Eine einfache Möglichkeit zur Finanzierung möglicherweise erforderlicher neuer Kassensysteme finden Sie hier.

  • Bildnachweise

    Aufmacher-Video: Getty Images / Pjotr Podermanski; Video „Trink & Spare“: meavision; Fotos im Slider: Postbank / Thorsten Scherz (12)

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