Finanzierung

Das bringt der Digitale Finanzbericht

Vor einem Jahr wurde der Digitale Finanzbericht als bundesweiter Standard für die elektronische Bilanzübertragung eingeführt. Immer mehr Banken machen mit. Unternehmen erleichtert das Verfahren vor allem die Kreditaufnahme.

Erschienen in Ausgabe 2019-1

s war ein Meilenstein für die Digitalisierung der Finanzberichterstattung: Am 5. März 2018 fiel in der Hauptverwaltung Berlin und Brandenburg der Deutschen Bundesbank der Startschuss für den Digitalen Finanzbericht, kurz DiFin. Seitdem nutzt eine zunehmende Zahl von Unternehmen bzw. deren Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern in Deutschland das standardisierte Verfahren zur Einreichung von Jahresabschlüssen in digitaler Form. Seit Anfang 2019 bietet auch die Postbank ihren Geschäfts- und Firmenkunden diesen Service an. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu DiFin.

 

Was ist der Digitale Finanzbericht?

Beim Digitalen Finanzbericht handelt es sich nicht etwa um einen neuen Rechnungslegungsstandard, sondern um einen Übertragungsstandard zur digitalen Übermittlung von Jahresabschlüssen. Der Berichtsumfang bleibt unverändert. Die Teilnahme an dem Verfahren ist freiwillig.

 

Entwickelt wurde der Digitale Finanzbericht unter Leitung der Bundesbank von einem Projektteam aus Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Banken, Sparkassen und IT-Dienstleistern. Sie standardisierten dafür die Inhalte von 7.000 möglichen Datenfeldern einer Bilanz. Statt den Jahresabschluss auszudrucken und per Post zu verschicken, können die entsprechenden Daten nun ohne Medienbruch und sicher in digitaler Form übermittelt werden. Der Datentransfer erfolgt nicht etwa per E-Mail, sondern auf direktem Weg von der Software des Absenders, etwa des Steuerberaters oder Unternehmens, in die des Empfängers, etwa der Bank.

 

Basis für die elektronische Übermittlung ist die maschinenlesbare „Sprache“ XBRL (eXtensible Business Reporting Language). Da bereits so gut wie alle bilanzierenden Unternehmen bzw. deren Steuerberater das XBRL-Format im Rahmen der E-Bilanz zur Datenübertragung an die Finanzämter nutzen, ist in der Regel keine technische Aufrüstung erforderlich. Zur optischen Darstellung wird mit dem DiFin derzeit noch eine PDF-Datei übermittelt. Sie kann neben dem reinen Zahlenbericht ergänzende Informationen wie den Lagebericht und den Anlage- und Verbindlichkeitenspiegel enthalten.

E

„Der digitale Finanzbericht ist schneller und direkter.
Und er stiftet einen Beitrag zum Umweltschutz, weil kein Papier mehr benötigt wird.“

Jens Fabisch-Klammer,

Managing Director/CFO

Bratzler Purchasing & Services GmbH

Mit DiFin Jahresabschlüsse schnell und fehlerfrei übertragen

Der bisherige Prozess zur Übermittlung von Jahresabschlüssen ist aufwändig und aufgrund des Medienbruchs fehleranfällig. Der durchgängig digitale Prozess im Rahmen des Digitalen Finanzberichts erleichtert die Abgabe des Jahresabschlusses.

Grafische Darstellung der Vorteile des digitalen Finanzberichts

Quelle: XBRL Deutschland e.V.

Welchen Nutzen bringt der Digitale Finanzbericht für Unternehmen?

Unternehmen mit Finanzierungsbedarf reichen bislang ihre Jahresabschlüsse über ihre Steuerberater in gedruckter Form zur Bonitätsprüfung bei der Bank ein. Dort werden die Daten wiederum manuell erfasst und für die weitere Verarbeitung in das bankeigene Analysesystem eingelesen. Der Digitale Finanzbericht verringert den administrativen Aufwand erheblich und spart auf diese Weise allen Beteiligten Zeit und Geld. Nach Schätzungen von Experten können allein bei der Finanzanalyse aufseiten der Bank 20 bis 30 Prozent der Bearbeitungszeit eingespart werden. Unternehmen können so deutlich schneller Kreditentscheidungen erhalten. Das digitale Übertragungsverfahren reduziert außerdem die Fehlerwahrscheinlichkeit und schützt die Daten vor unberechtigtem Zugriff.

 

Wie können Unternehmen den DiFin nutzen?

In der Regel treten die Finanzdienstleister mit dem Vorschlag, den Digitalen Finanzbericht zu nutzen, an ihre Kunden heran. Unternehmen oder Steuerberater, die das Verfahren nutzen möchten, können aber auch direkt ihre Bank ansprechen. Eine Liste der bereits am DiFin teilnehmenden Banken finden Sie hier. Bevor Unternehmen an der digitalen Datenübertragung teilnehmen können, müssen sie bei ihrer Bank einmalig eine schriftliche Teilnahme- und Verbindlichkeitserklärung (TVE) abgeben. Diese kann jederzeit widerrufen werden. Firmen, die ihre Daten nicht selbst übermitteln, müssen ihren Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer entsprechend beauftragen. Zudem muss die für den Jahresabschluss verwendete Software den DiFin unterstützen.

Neue Regelungen für kapitalmarktorientierte Unternehmen ab 2020

Kapitalmarktorientierte Unternehmen, die ihre Wertpapiere auf regulierten Märkten innerhalb der EU handeln und nach IFRS bilanzieren, müssen ihre Jahresfinanzberichte ab dem 1. Januar 2020 in einem einheitlichen elektronischen Berichtsformat veröffentlichen. Das „European Single Electronic Format“, kurz ESEF, soll für mehr Transparenz sorgen und Analysten eine bessere Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse ermöglichen. Das dafür zu verwendende Format ist eine Erweiterung von XBRL namens iXBRL („inline eXtensible Business Reporting Language“). Sie ermöglicht eine sowohl von Maschinen als auch von Menschen lesbare Darstellung der Informationen in einem Standardbrowser, etwa dem Internet Explorer. Dadurch wird die Übertragung der Abschlüsse als PDF- oder HTML-Datei auch hier überflüssig.

  • Bildnachweise

    Aufmacher: iStockphoto / kaptnali

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