E-Mobilität: So gelingt der Umstieg

Drohende Dieselfahrverbote können dem Mittelstand einiges Kopfzerbrechen bereiten. Doch nicht allein deshalb lohnt sich die Überlegung, beim eigenen Fuhrpark künftig auf Elektroantrieb zu setzen.

Fuhrpark

Erschienen in Ausgabe 2018-2

m 27. Februar 2018 hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden: Dieselfahrverbote zur Reinhaltung der Luft sind grundsätzlich zulässig. Erste Städte machen davon schon Gebrauch oder planen dies. In Hamburg etwa wurde bereits für ausgewählte Straßen ein Durchfahrtsverbot verhängt. Allerdings sind bei entsprechenden Verboten „gerichtliche Maßgaben insbesondere zur Wahrung der Verhältnismäßigkeit zu beachten“, so die Verwaltungsrichter. Das Hamburger Fahrverbot betrifft bislang nur Fahrzeuge mit älterer Abgasnorm als Euro 6 bzw. VI. Und es gilt „Anlieger frei“; das heißt, dass zum Beispiel Handwerker oder Lieferanten in Fahrzeugen mit älterer Abgasnorm in die Verbotszonen fahren dürfen, wenn sich ihr Kunde dort befindet.

 

Gute Gründe für E-Fahrzeuge

Doch selbst wenn Fahrverbote auch in den 66 deutschen Städten, die laut Umweltbundesamt 2017 Probleme mit Luftverschmutzung durch Dieselfahrzeuge hatten, wohl weiterhin eher die Ausnahme bleiben, spricht einiges dafür, die Fahrzeugflotte Schritt für Schritt auf Hybrid- oder besser noch reine Elektroantriebe umzustellen:

 

  • Verbot hin oder her: E-Mobilität schont in jedem Fall die Umwelt und damit auch die Gesundheit der Mitmenschen, insbesondere wenn die Fahrzeuge mit Ökostrom betankt werden. Zudem sind die Stromer leiser.
  • Wer schon jetzt auf E-Mobilität setzt, macht sich unabhängig von schwankenden Preisen für fossile Kraftstoffe und damit sein Tagesgeschäft besser planbar. Zwar liegen die Kilometerkosten bei Elektrofahrzeugen laut aktuellem Kostenvergleich des ADAC aufgrund des höheren Anschaffungspreises und der zurzeit moderaten Kraftstoffpreise zumeist noch über denen vergleichbarer Diesel oder Benziner. Das könnte sich aber schon bei der nächsten größeren Spritpreiserhöhung ändern.
  • Laut einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule Nürtingen-Geislingen liegen die Wartungskosten eines Elektroautos um durchschnittlich 35 Prozent unter denen eines Verbrenners.
  • Käufer von E-Fahrzeugen profitieren aktuell vom staatlichen Umweltbonus und zusätzlichen Rabatten einiger Hersteller sowie Steuervergünstigungen.
  • Das sichtbare Bekenntnis zur Nachhaltigkeit verbessert die Marktchancen zum Beispiel als Zulieferer großer Konzerne. Mehr dazu lesen Sie hier.
  • Nachhaltigkeit lohnt sich auch in Richtung Endkunden, die ebenfalls immer mehr auf ein entsprechendes Image achten. Konkret: Ein Solarhandwerker darf gerne mit einem E-Transporter vorfahren.

 

Unternehmen als Vorreiter für die E-Mobilität

Prädestiniert für den Einsatz von E-Fahrzeugen sind Unternehmensfuhrparks für den Stadtverkehr: Die noch relativ begrenzte Reichweite der Stromer ist weniger problematisch, wenn ein leergefahrenes Fahrzeug einfach auf dem Firmenparkplatz gegen ein geladenes ausgetauscht und an der betriebseigenen Ladesäule betankt werden kann. Ein Vorreiter in Sachen E-Mobilität ist denn auch die Logistikbranche. Die Deutsche Post DHL etwa treibt das Thema für leichte Nutzfahrzeuge mit dem zu 100 Prozent elektrisch betriebenen Streetscooter voran. 2014 hat sie die von zwei Professoren der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) gegründete Streetscooter GmbH übernommen. „Streetscooter ist ein Fahrzeug, mit dem Unternehmen rechnen können – und nachhaltig wirtschaftliche Werte erreichen“, sagt RWTH-Professor Achim Kampker.  Die Bilanz nach 13,5 Millionen Kilometern Streetscooter-Einsatz: Mehr als 16.000 Tonnen C02-Einsparung pro Jahr – bei einem Ökostromanteil von 100 Prozent. Die kleinste Version des Streetscooters mit 8 Kubikmeter Laderaum gehört in vielen Städten mittlerweile zum Straßenbild. Derzeit testet die Post den gemeinsam mit Ford entwickelten „Streetscooter WORK XL“ mit einem Ladevolumen von 20 Kubikmetern. Bis Ende 2018 wollen beide Unternehmen 2.500 Fahrzeuge dieses Modells produzieren.

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Der vollelektrische Streetscooter gehört in vielen Städten schon zum Straßenbild.

Wirtschaftlichkeit im Blick

Auch wenn die Kosten-Nutzen-Rechnung in jedem Einzelfall noch schwierig ist – das Bundeswirtschaftsministerium kam bereits 2015 zu dem Ergebnis: Elektrofahrzeuge wie Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in gewerblichen Fuhrparks könnten wirtschaftlich betrieben werden.

 

Die Anschaffungspreise variieren naturgemäß je nach Hersteller und Modell. Im Pkw-Segment gibt es Kleinwagen schon für unter 20.000 Euro. Der brandneue e.GO Life des Aachener Start-ups e.GO Mobile ist ab 15.900 Euro zu haben. Und auch die E-Versionen bekannter Modelle mit Verbrennungsmotor holen preislich auf. Der Nissan-Transporter NV200 Kombi kostet laut ADAC-Vergleich als E-Version mit Mietbatterie unter Einberechnung der staatlichen Kaufprämie nur rund 1.700 Euro mehr als der Diesel.

 

Punkten können die Stromer auf jeden Fall bei den laufenden Kosten: Der Streetscooter etwa kommt gegenüber vergleichbaren konventionellen Fahrzeugen auf 60 bis 80 Prozent geringere Kosten für Wartung und Verschleiß. Der E-Golf schnitt Anfang 2018 im ADAC-Vergleich aufgrund gestiegener Spritpreise erstmals über 10.000, 15.000, 20.000 und 30.000 Kilometer jährlicher Fahrleistung besser ab als Benziner und Diesel.

Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb

Ob sich die Gesamtkosten eines Elektrofahrzeugs im Gesamtvergleich zu einem Benziner oder Diesel rechnen und welche Schadstoffeinsparung erreicht werden kann, zeigt ein Kostenrechner für privat und gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge des Öko-Instituts. Was das Aufladen eines Autos an E-Tankstellen kostet, lesen Sie hier.

 

Umstieg mit staatlicher Förderung

Kostenmindernd wirkt sich die Unterstützung des Staates aus. Er fördert Elektromobilität mit Umweltprämien von 4.000 Euro und zehn Jahren Steuerbefreiung für Fahrzeuge, die in der Zeit vom
1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2020 erstmals zugelassen werden bzw. worden sind. Mehr dazu lesen Sie hier.

 

Die Postbank unterstützt Firmenkunden mit dem Nutzfahrzeug-Leasing zu günstigen Konditionen bei der Modernisierung ihrer Fahrzeugflotte.

 

Ladeinfrastruktur wächst

Ein viel diskutiertes Thema in puncto E-Mobilität ist die Reichweite: Rein elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge mit einer Zuladung von bis zu einer Tonne bringen es derzeit mit einer Batterieladung im Schnitt auf 200 Kilometer. Für den Stadtverkehr kann das ausreichen, bei längeren Überlandfahrten wird's schwierig. Ein Knackpunkt ist noch die Ladeinfrastruktur. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft spricht – Stand 30. Juni 2017 – von bundesweit 10.700 Ladepunkten. Die meisten davon stehen in Bayern (siehe Grafik). Doch auch hier tut sich was: Bis 2020 soll das Netz auf mindestens 15.000 Ladesäulen anwachsen. Die Bundesregierung stellt dafür 300 Millionen Euro bereit. Unterstützt werden sowohl private Investoren als auch Städte und Gemeinden.

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Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte je Bundesland – klicken Sie einfach auf das jeweilige Plus-Zeichen.

Die Top-3-Bundesländer

mit öffentlich zugänglichen Ladepunkten

Bayern

2.503

Baden-

Württemberg

1.786

Nordrhein-Westfalen

1.970

Anzahl der Ladepunkte

2.599 bis 1.500

1.499 bis 500

499 bis 200

199 bis 100

99 bis 0

Quelle: BDEW-Erhebung Ladeinfrastruktur, Stand 30. Juni 2017

Wo sich aktuell Ladepunkte befinden, die den technischen Mindestanforderungen der Ladesäulenverordnung entsprechen, zeigt eine interaktive Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur.

 

Wollen Unternehmen mehrere E-Autos einsetzen, bieten sich eigene Ladeeinrichtungen auf dem Firmenparkplatz an. Entsprechende Lösungen bietet zum Beispiel eeMobility an. Das Aufstellen einer Ladesäule auf dem Betriebsgelände wird vom Bund und teilweise auch von den Ländern gefördert.

 

Auch Brummis kommen in Fahrt

Die Wirtschaftlichkeit großer Elektrofahrzeuge muss sich erst noch erweisen. Derzeit sind rund 12.000 strombetriebene Lastwagen auf Deutschlands Straßen unterwegs. Auch Tesla, US-Pionier in Sachen Elektromobilität, hat seinen E-Truck bereits auf der Straße getestet. Vollgepackt mit 30 Tonnen Ladung auf dem Hänger soll es die Zugmaschine in 20 Sekunden von 0 auf 100 km/h schaffen. Bei einer Steigung bis zu fünf Prozent sollen in der Spitze 104 km/h drin sein. Die guten Werte verdankt der „Semi“ nicht zuletzt seinem futuristisch-aerodynamischen Design:

Teslas Elektro-Truck

BMW nutzt seit 2015 vollelektrische 40-Tonner im öffentlichen Straßenverkehr der Stadt München. Aus Garching kommen damit Neufahrzeuge für die Kundenauslieferung in die BMW-Welt, aus Karlsfeld Fahrzeugkomponenten ins BMW-Werk. Nach eigenen Angaben vermeidet der Autobauer mit seinen E-Lkw CO2-Emissionen in Höhe von rund 82 Tonnen pro Jahr – und trägt so nicht zuletzt dazu bei, seine Nachhaltigkeitsziele in die Tat umzusetzen.

  • Bildnachweise

    Aufmacher-Video: Deutsche Post DHL Group; Fotos: Deutsche Post DHL Group

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