Keine Chance für Langfinger

In der Urlaubszeit sind Betriebe besonders gefährdet, Opfer von Einbrechern zu werden. Gewerbetreibende sollten den Schutz vor Langfingern nicht auf die leichte Schulter nehmen – und ihre Unternehmensräume entsprechend absichern.

Einbruchschutz

Erschienen in Ausgabe 2019-2

ie Täter kamen in einer Sonntagnacht Ende Mai – im Schutz der Dunkelheit, vermutlich zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens. Die Straßen im beschaulichen Bad Wörishofen waren noch leer. Unbemerkt verschafften sie sich über ein Seitenfenster Zutritt zum Verkaufsraum eines Fahrradgeschäfts in der Allgäuer Kurstadt. Beinahe lautlos hebelten sie das große Schaufenster auf und transportierten fette Beute ab: 30 brandneue E-Bikes im Gesamtwert von rund 100.000 Euro. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Memmingen verliefen bis zum Redaktionsschluss dieser Perspektiven-Ausgabe ergebnislos.

 

Ferienzeit – für Einbrecher Hochsaison
So wie dem Bad Wörishofener Fahrradhändler ging es im vergangenen Jahr bundesweit vielen Gewerbetreibenden: Sie wurden Opfer von Einbruchdiebstählen. Laut aktueller Polizeilicher Kriminalstatistik gab es 2018 knapp 100.000 Fälle von gemeldeten Diebstählen aus Dienst-, Büro- und Lagerräumen. Das waren zwar in der Summe weniger als im Vorjahr, doch jeder Einbruch ist für den betroffenen Unternehmer einer zu viel und bringt mitunter sogar existenzbedrohende Konsequenzen mit sich. Saison haben die auf Gewerbebetriebe spezialisierten Langfinger nicht nur in der dunklen Jahreszeit, sondern auch im Sommer, wenn manches Unternehmen aufgrund von Betriebsferien für längere Zeit geschlossen bleibt. Denn dann ist die Gefahr, etwa von einem Mitarbeiter des Reinigungsunternehmens überrascht zu werden, besonders gering.

 

Unternehmen, die über teure Maschinen oder Fahrzeuge verfügen, sind besonders gefährdet. Aber auch kleinere Handwerksbetriebe, Praxen und Ladengeschäfte sind vor Einbrechern auf der Suche nach Bargeld oder Wertgegenständen nicht gefeit. Selbst wenn die Kriminellen nichts wirklich Wertvolles entwenden, entsteht häufig ein hoher Schaden durch die Beschädigung der Einrichtung oder auch den Verlust wichtiger geschäftlicher Daten und Dokumente auf einer geklauten Festplatte.

 

Einbruchschutz – ein Thema auch für kleine Betriebe

Gewerbetreibende sollten sich also – unabhängig von der Größe ihres Betriebs – Gedanken über entsprechende Sicherheitsmaßnahmen machen. Zumal die meisten Versicherungspolicen nur greifen, wenn bestimmte Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Einen ersten Anhaltspunkt dazu liefert in der Regel ein Blick in die Unterlagen der Diebstahlversicherung oder ein Gespräch mit dem Versicherungsberater.

 

Was darüber hinaus Sinn macht, hängt unter anderem von der Art der zu schützenden Firma ab. Orientierung bietet die VdS Schadenverhütung. Diese teilt die unterschiedlichen Gewerbe in Sicherungsklassen ein und empfiehlt dann entsprechende Sicherheitsvorkehrungen.

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Bevorzugte Einfallstore für Einbrecher

Wer seinen Betrieb vor Einbrechern schützen möchte, sollte deren beliebteste Einfallstore kennen – und entsprechend absichern.

Quelle: Polizeiliche Kriminalprävention des Bundes

Mechanischer Einbruchschutz im Vordergrund
Die Polizei rät grundsätzlich, das Augenmerk zunächst auf den mechanischen Einbruchschutz zu legen (siehe auch „5 Tipps vom Experten“). Denn nicht alle Einbrecher sind Profis, viele lassen sich bereits durch einfache Maßnahmen abschrecken. Dazu gehören zum Beispiel einbruchhemmende Tore und Türen ab Widerstandsklasse (RC) 2 mit entsprechendem Schließzylinder. Auch die Fenster sollten wirksamen Schutz gegen Einbrecher bieten. Ein Tipp: Ist hier ein Austausch nicht möglich, lässt sich der Einbruchschutz durch Nachrüstsicherungen verbessern. Ebenfalls nicht vergessen werden sollte die Absicherung von Lichtkuppeln, beispielsweise mit einem Gitter, und der Kellerlichtschächte. Wichtig: Das sicherste Fenster hilft nicht, wenn es auf Kipp steht. Daher sollten Unternehmer ihre Mitarbeiter für das Thema Einbruchschutz sensibilisieren.

5 Tipps vom Experten

„Mechanische Sicherungen sollten Priorität haben“

Harald Schmidt,
Kriminaloberrat und Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes

  1. Erfahrungsgemäß erreicht man durch aufeinander abgestimmte mechanische und elektronische Sicherungstechnik, das richtige Verhalten und personelle sowie organisatorische Maßnahmen einen guten Einbruchschutz. Eine wichtige und nicht zu unterschätzende Rolle spielt aber auch die Aufmerksamkeit beispielsweise der Nachbarn.

  2. Wichtig ist eine individuelle, auf die jeweilige örtliche Situation abgestimmte Beratung. Mit den (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstellen bietet die Polizei bundesweit einen besonderen Beratungsservice: Die Fachberater der Polizei stellen, gegebenenfalls auch vor Ort, Schwachstellen beim Einbruchschutz fest und machen konkrete Sicherungsvorschläge. Bei den Beratungsstellen erhalten Sie auch Verzeichnisse mit Herstellern geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Produkte sowie Adressen von Unternehmen, die mechanische Sicherungen fachgerecht montieren.

  3. Die Versicherung sollte rechtzeitig eingebunden werden, um deren Anforderungen zu berücksichtigen. VdS Schadenverhütung, ein Unternehmen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), stellt als herstellerunabhängiges Institut weiterführende Informationen zur Sicherungstechnik für Geschäfte und Betriebe unter www.vds.de kostenlos zur Verfügung.

  4. Besonders bei weitläufigen beziehungsweise komplexen Objekten ist eine umfassende Gesamtsicherung oft zu aufwendig und schon aus Kostengründen nicht realisierbar. Nur „ein bisschen sichern“ ist in solchen Fällen wenig sinnvoll. Vielmehr ist es ratsam, gezielt Schwerpunkte und Sicherungsbereiche zu bilden. Dies können beispielsweise Gebäude, Gebäudeteile oder einzelne Räume sein.

  5. Wichtig: Der Einsatz von Sicherungstechnik muss angemessen, durchdacht und sinnvoll aufeinander abgestimmt sein. Mechanischen Sicherungen sollte dabei Priorität eingeräumt werden, weil sie als Barriere wirken und dem Einbrecher Zeit abverlangen.

Alarmanlage und Kameras ergänzen den Einbruchschutz
Neben mechanischen Sicherungsmaßnahmen können Alarmanlagen den Einbruchschutz verbessern. Diese senden im Einbruchsfall einen stillen Alarm an eine Meldezentrale oder geben zusätzlich akustische Signale vor Ort. Es gibt unterschiedliche Varianten:

 

  • Außenhautüberwachung: Außentüren, Tore sowie Fenster werden überwacht.
  • Fallenmäßige Überwachung: Bereiche, die Einbrecher vermutlich betreten, werden überwacht – zum Beispiel Flure oder Treppenhäuser.
  • Schwerpunktmäßige Überwachung: Wichtige Räume werden überwacht.
  • Einzelobjektüberwachung: Wertvolle Objekte wie Tresore werden überwacht.

 

Was im Einzelfall Sinn macht, hängt vom jeweiligen Betrieb ab. Unabhängig davon gilt: Eine Alarmanlage muss unbedingt fachgerecht installiert werden. Schließlich soll sie optimale Sicherheit gewährleisten, gleichzeitig muss das Risiko eines Fehlalarms aber möglichst gering sein.

 

Videokameras schrecken potenzielle Täter ab und erleichtern der Polizei im Ernstfall die Fahndung nach den Einbrechern. Bei vielen Modellen ist es möglich, sie mit dem Smartphone zu vernetzen. Bei ungewöhnlichen Aktivitäten sendet die Kamera eine Benachrichtigung, woraufhin entsprechende Schritte eingeleitet werden können.

 

Im Ernstfall: Ruhe bewahren und umsichtig reagieren

Doch was tun, wenn alle Maßnahmen nicht helfen? Zunächst gilt es, im Falle eines Einbruchs, die Ruhe zu bewahren und sofort die Polizei zu verständigen. Bis diese eintrifft, darf der Tatort nicht verändert werden. Im Anschluss an die Arbeit der Beamten vor Ort kann man sich einen Überblick über den entstandenen Schaden verschaffen. Danach müssen die Versicherung kontaktiert und mit ihr die weiteren Schritte bezüglich der Schadensregulierung besprochen werden. Ist der Betrieb einige Zeit lahmgelegt, sollten außerdem Kunden und Lieferanten darüber informiert werden.

 

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  • Bildnachweise

    Aufmachervideo: iStockphoto (alice-photo); Foto: Polizeiliche Kriminalprävention; Grafik: iStockphoto (alexangel21) / Montage: HMC

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