Die perfekte Welle

Deutschland hat ein neues Wahrzeichen: die Elbphilharmonie. Dass das Konzerthaus an der Elbe nicht nur die Herzen von Musikfans in aller Welt höherschlagen lässt, ist auch Mittelständlern aus ganz Deutschland zu verdanken.

Elbphilharmonie

Erschienen in Ausgabe 2017-1

och über der Elbe, mitten im Hamburger Hafen hat „Made in Germany“ seit Kurzem buchstäblich einen neuen guten Klang. Am 11. Januar eröffnete im Westen der Hafencity feierlich die Hamburger Elbphilharmonie – schon jetzt ein Konzerthaus von absolutem Weltrang. Strahlkraft hat das Architekturwunder, das zum Beispiel in der renommierten New York Times in einem Atemzug mit dem berühmten Opernhaus in Sydney und dem ebenso spektakulären Guggenheim-Museum im spanischen Bilbao genannt wird, aber noch aus einem ganz anderen Grund: So ist die Elbphilharmonie endlich mal ein deutsches Großbauprojekt, das fertig gestellt wurde – wenn auch nach drei Mal so langer Bauzeit und zehn Mal so hohen Baukosten wie geplant. Mit Stolz und einer Prise Humor ließen die Bauherren dann auch zur Schlüsselübergabe des 789-Millionen-Euro-Baus Ende Oktober 2016 das Wort „FERTIG“ an der verglasten Fassade des markanten Gebäudes erstrahlen.

 

Ohne den deutschen Mittelstand nicht denkbar
Doch wie viel „Made in Germany“ steckt überhaupt in der „Elphie“ – wie der Bau mit dem an Meereswellen erinnernden Dach inzwischen vor allem von den Hamburgern auch liebevoll genannt wird? Die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron etwa stammen aus der Schweiz und für den glasklaren Klang im Großen Saal zeichnet der japanische Akustiker Yasuhisa Toyota verantwortlich. Als Generalunternehmer fungierte der Konzern Hochtief – der seinen Hauptsitz zwar in Essen hat, sich aber mehrheitlich im Besitz der spanischen Grupo ACS befindet.

 

Das Projekt „Elphie“ ist dennoch eine echte Leistungsschau des deutschen Mittelstands. „Mehrere Hundert Verträge“ mit Nachunternehmern aus dem gesamten Bundesgebiet seien geschlossen worden, teilte Hochtief auf Anfrage mit. Der Grund für die Vielzahl der beteiligten Unternehmen: Aufgrund der hohen Ansprüche der Architekten und Bauherren wurden „sehr viele spezielle Produkte verbaut“, betont ein Hochtief-Sprecher. Und Spezialisierung ist eine der Spezialitäten des deutschen Mittelstands.

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Die Elbphilharmonie – mehr als ein Konzerthaus

Die beiden Konzertsäle stehen bei der Elbphilharmonie natürlich im Zentrum. Allerdings hat das Haus noch mehr zu bieten: Für Gäste von außerhalb Hamburgs ist ein Hotel ins Konzerthaus integriert. Und wer gar nicht mehr weg möchte – und über entsprechendes Kleingeld verfügt –, kann sogar eine Eigentumswohnung mit Blick über Stadt und Hafen in der „Elphie“ erwerben.

Grafischer Aufriss Hamburger Elbphilharmonie

Quelle: Herzog & de Meuron / Elbphilharmonie und Laeiszhalle Service GmbH; Grafik: bloomimages; Bearbeitung: HMC

Ziegel aus Westfalen, Elektrik aus Sachsen-Anhalt

Die Ziegel für die 4.000 Quadratmeter große Elbphilharmonie-Plaza – so heißt die öffentlich zugängliche Aussichtsplattform – kommen zum Beispiel vom münsterländischen Ziegelwerk Schüring. Zwischen 2013 und 2016 produzierte das Unternehmen mit seinen 25 Mitarbeitern rund eine Viertelmillion Ziegel und legte sie auf der Plaza aus. Gebrannt wurden sie ganz nach den speziellen Vorstellungen der Auftraggeber auf traditionelle Weise unter Zugabe von Kohle in einem modernen Tunnelofen. Die Elektroanlage der „Elphie“ stammt ebenfalls von einem Mittelständler, der Schubert GmbH aus Tangerhütte in Sachsen-Anhalt. Mit 210 Mitarbeitern wickelt das Unternehmen Elektroarbeiten für Büro-, Hotel-, Logistik- und Industriebauten in ganz Deutschland ab.

 

Und dafür, dass der Klang im Großen Saal der „Elphie“ die höchsten Ansprüche musikalischer Genießer erfüllt, sorgte nicht nur der Japaner Yasuhisa Toyota: Um den Schall optimal zu streuen, besteht die Decken- und Wandverkleidung des Konzertsaals aus 11.000 massiven Gipsfaserelementen mit rund einer Million muschelförmigen Fräsungen, was ihr den Spitznamen „Weiße Haut“ eingebracht hat. Geliefert und montiert wurde diese von der mittelständischen Peuckert GmbH aus dem bayerischen Mehring.

Impressionen vom Konzerthaus an der Elbe

Musikalisches Herzstück „made in Germany“
„Made in Germany“ ist außerdem das musikalische Herzstück des Großen Saals – die Orgel. Gebaut wurde sie vom Familienunternehmen Orgelbau Klais aus Bonn. Die Familie Klais fertigt und restauriert bereits in vierter Generation Orgeln am Standort Bonn. Die Instrumente sind weltweit gefragt, erklingen beispielsweise in Tokio, Auckland, Singapur, Peking oder New York. Die Orgel für die Elbphilharmonie wurde speziell auf die Architektur und die Akustik des Großen Saals abgestimmt. Das Ergebnis: ein 15 mal 15 Meter großes Instrument mit 4.765 Pfeifen in der Größe von elf Millimetern bis über zehn Metern. Einige von ihnen sind sogar so angebracht, dass Konzertgäste sie berühren können – und speziell beschichtet, damit ihnen die vielen Handabdrücke nichts anhaben können.

 

Wer sich auf den Weg in die Hamburger Hafencity macht, findet dort also nicht nur musikalischen Hochgenuss, sondern auch einen weithin sichtbaren Qualitätsbeweis für „Made in Germany“ und die Schaffenskraft des deutschen Mittelstands. Einen ersten Eindruck davon liefern Ihnen die Videos und Fotos auf dieser Seite.

So kommen Sie in die „Elphie“
Kostenlose Tickets für den Besuch der Plaza am selben Tag erhalten Sie je nach Verfügbarkeit direkt an der Elbphilharmonie. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich online gegen eine Bearbeitungsgebühr von 2 Euro Tickets reservieren.

 

Sämtliche Konzerte in der Elbphilharmonie sind aktuell ausverkauft. Das Programm für die Saison 2017/2018 wird im April bekannt gegeben. Infos dazu sowie dem Ticketkauf finden Sie auf den Internetseiten der Elbphilharmonie.

  • Bildnachweise

    Aufmachervideo: Elbphilharmonie Hamburg

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