Investieren, um zu sparen

Indem sie ihre Energieeffizienz verbessern, können Unternehmen Kosten senken – und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Viele Maßnahmen machen sich schnell bezahlt.

Energieeffizienz

Erschienen in Ausgabe 2019-1

enn es um die Nutzung industrieller Abwärme geht, hat die Aurubis AG die Nase vorn. Schon seit Langem nutzt das Hamburger Werk des international tätigen Multimetallanbieters Abwärme, die bei der Kupferherstellung anfällt, als Prozesswärme für andere Produktionsbereiche. Der Deckungsgrad beträgt hier mittlerweile mehr als 87 Prozent. Doch darauf wollten sich die Effizienzexperten des Konzerns nicht ausruhen. Gemeinsam mit dem Energiedienstleister enercity initiierte Aurubis deshalb vor zwei Jahren das größte Industriewärmeprojekt Deutschlands. Das Ziel: CO2-freie Wärme, die in einem Nebenprozess der Kupferproduktion entsteht, für die interne und externe Nutzung bereitzustellen.

 

Seit dem Spätherbst 2018 beliefert Aurubis den neuen Hamburger Stadtteil Hafencity-Ost über eine 3,7 Kilometer lange Transportleitung mit bis zu 160 Gigawattstunden Wärme, genug für den Wärmebedarf von 8.000 Vier-Personen-Haushalten. Ein Viertel der neu gewonnenen Wärme nutzt Aurubis zudem in eigenen Prozessen und reduziert so seinen Erdgasbedarf um rund 50 Gigawattstunden pro Jahr. Das spart jährlich 1,5 Millionen Euro Energiekosten – die Erlöse für den Wärmeverkauf nicht eingerechnet. Und es reduziert den CO2-Ausstoß um rund 20.000 Tonnen im Jahr. Dies entspricht den Emissionen von rund 10.000 Mittelklasse-Pkw mit einer Laufleistung von 12.000 Kilometern pro Jahr. Dafür wurde das Projekt kürzlich mit dem Energy Efficiency Award in der Kategorie Energiewende 2.0 ausgezeichnet. Der internationale Wettbewerb wird seit 2007 von der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Rahmen der Initiative EnergieEffizienz durchgeführt.

 

Auch Mittelständler können sparen

Doch nicht nur Industriekonzerne wie Aurubis können durch den Einsatz energieeffizienter Technologien Energiekosten sparen und zum Klimaschutz beitragen. Dass es auch eine Nummer kleiner geht, zeigt das Beispiel der 1994 als klassische Möbeltischlerei gegründeten Berliner Artis GmbH. 2012 zogen die rund 30 Mitarbeiter des Unternehmens in ein neues, in Niedrigenergiebauweise komplett aus Holz gebautes Betriebsgebäude. Die rund 2.000 Quadratmeter große Verbindung aus Werkhalle und Büros wird CO2-neutral mit Holz beheizt. Dafür werden überschüssige Holzabfälle aus dem Tischlereibetrieb in einem Festbrennstoffkessel verfeuert. Zudem wird mithilfe eines Rotationswärmetauschers Wärme zurückgewonnen, die in der Lackiererei entsteht. Den Strom für den Betrieb produziert eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach.

 

So wie der Berliner Tischlereibetrieb haben in den vergangenen Jahren viele Mittelständler Maßnahmen ergriffen, um ihre Energieeffizienz zu verbessern. Das zeigt eine Analyse von KfW Research. Vor allem kleine Unternehmen haben demnach ihre diesbezüglichen Aktivitäten gesteigert und insbesondere stärker in energieeffiziente Produktionsanlagen, Geräte und Fahrzeuge investiert.

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So sparen Mittelständler Energie

Durch die Modernisierung ihrer Energieverbraucher können Unternehmen erhebliche Energieeinsparungen erzielen. Wie groß das Potenzial einzelner Maßnahmen ist, hat die Deutsche Energie-Agentur ausgerechnet.

Grafische Darstellung des Energiesparpotenzials in einem Unternehmen

Quelle: Deutsche Energie-Agentur

Die EnergieAgentur.NRW bietet mittelständischen Unternehmen mit ihrem Kurz.Energiecheck-Rechner eine einfache Möglichkeit zu überprüfen, wo sie in Sachen Energieverbrauch stehen. Wie Unternehmen Einsparmöglichkeiten erkennen und Energiekosten senken können, zeigt das vom Bundesumweltministerium geförderte Energiesparkonto für Unternehmen.

So sparen Mittelständler Energie

  • Informationstechnologie

    Orientierung bei der Auswahl energiesparender Geräte gibt das Umweltzeichen Energy Star. Umfangreiche Informationen zur Beschaffung energieeffizienter Bürogeräte bietet der Beschaffungsleitfaden der Initiative EnergieEffizienz. Doch auch ohne eine komplette Hardware-Erneuerung lässt sich effektiv Energie sparen: 10 nützliche IT-Energiespartipps hat die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online auf ihrer Internetseite zusammengetragen.

  • Wärme

    Um die Energiekosten der Gebäudeheizung zu senken, bieten sich zwei Wege: die Optimierung der bestehenden Heizungsanlage oder der komplette Austausch. Kurzfristig umzusetzende Spartipps für die bestehende Gebäudeheizung gibt zum Beispiel der Schweizer Energiedienstleister ewz in einem Leitfaden für KMUs. Den Austausch der Heizungsanlage planen Unternehmen am besten mit einem zertifizierten Energieberater. Neben einem effizienten Brennwertkessel in Verbindung mit zum Beispiel Solarthermie kann auch ein Mini-Blockheizkraftwerk (BHKW) eine Alternative sein. Mit dem BHKW-Rechner der Energie.Agentur.NRW können Unternehmen prüfen, ob der Einsatz solcher Kraftwerke für sie sinnvoll ist.

     

    Abwärme aus Produktionsprozessen und Gebäuden für die Heizungsunterstützung zu nutzen, ist ebenfalls eine lohnende Energiesparmaßnahme. Die Wärmerückgewinnung aus Gebäudeluft bietet der dena zufolge eine Heizkostenersparnis von bis zu 30 Prozent. Über den Abwärmerechner des Bayerischen Landesamts für Umwelt lässt sich das Potenzial unterschiedlicher Abwärme-Nutzungsarten für individuelle Anforderungen ermitteln. Einen umfassenden Praxisleitfaden zur Abwärmenutzung in Unternehmen hat die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz erarbeitet.

  • Beleuchtung

    Die Einsparmöglichkeiten bei der Beleuchtung werden allgemein unterschätzt. Dabei lässt sich dieser Energiekostenanteil durch ausgeklügelte Berechnungen und Umbaumaßnahmen um bis zu 70 Prozent senken – beispielsweise durch die Verwendung von Bewegungsmeldern, Zeitschaltuhren oder elektronischen Vorschaltgeräten (EVG). Auch der Austausch von Glühlampen gegen LED-Lampen oder Eco-Halogenlampen lohnt sich. Der Innenbeleuchtungslotse der dena bringt Licht ins Dunkel der verschiedenen Möglichkeiten.

  • Druckluft

    Druckluft ist eine der teuersten Energieformen, da sie auf den verschiedensten Wegen Energie verlieren kann. Bis zu 50 Prozent Energieersparnis kann dadurch erreicht werden, die ohnehin entstehende Wärme an den Kompressoren sinnvoll zu nutzen: in der Regel für Heizung oder Warmwasser. Die Minimierung von Luftlecks oder eine hochwertige Kompressorsteuerung sind Maßnahmen, die sich immer lohnen. Je nach Betrieb und Zustand ist es oft auch sinnvoll, Zeitschaltuhren anzubringen, Druckverluste zu reduzieren oder minderwertige Technik auszutauschen. Wie bei Pumpen und Lüftungsanlagen gilt es auch im Druckluftbereich, den Systemdruck an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Optimierungspotenziale an Druckluftstationen lassen sich zum Beispiel mit den verschiedenen Onlinerechnern des Kompressorenherstellers Kaeser ermitteln.

  • Pumpen & Motoren

    Zur Optimierung des Stromverbrauchs eines elektrisch angetriebenen Systems sollte stets eine Gesamtbetrachtung von Umrichter, Motor, Getriebe und Antriebsmaschine erfolgen. Zu den Optimierungsmaßnahmen für Pumpensysteme zählt zum Beispiel eine Anpassung der Förderhöhe und -menge sowie der Pumpenleistung an den tatsächlichen Bedarf. Das Portal co2online bietet auf seiner Webseite einen interaktiven Pumpencheck. Der Life-Cycle-Cost-Rechner auf der Webseite des Herstellers Herborner Pumpentechnik berechnet die Lebenszykluskosten von Pumpenaggregaten. Wer tief in die Erfolgsbilanz bei Pumpensystemen einsteigen möchte, kann dies mit den Ergebnissen der Kampagne „Energieeffiziente Systeme in Industrie und Gewerbe“ der Initiative EnergieEffizienz.

Auf Energieberatung setzen

Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung von Energiesparmaßnahmen geben spezialisierte Energieberater. Die Bundesregierung stellt für die Energieberatung in Unternehmen Fördermittel in Höhe von bis zu 6.000 Euro bereit. Der Förderantrag kann online beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden. BAFA-zertifizierte Energieberater finden sich in der Energieberatersuche des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e.V. Alternativ zur BAFA-Förderung können Mittelständler geförderte Energieberatungen von Kommunen und Bundesländern nutzen, soweit das Unternehmen mindestens 10 Prozent der Beratungsausgaben selbst trägt. Die Beratungen erfolgen durch bundesweite Energieagenturen, welche in der Verbandsmitglieder-Liste des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) zu finden sind.

 

Maßnahmen finanzieren – mit und ohne Förderung

Finanzielle Unterstützung vom Staat gibt es nicht nur für die Energieberatung, sondern auch für die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen. Erster Ansprechpartner ist hier neben dem Energieberater die Hausbank. Über sie können die Förderkredite des größten Förderinstituts Deutschlands, der staatlichen KfW-Bank, beantragt werden. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Förderangeboten von Bund und Ländern sowie der EU. Zu finden sind diese in der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

 

Tipp: Seit Januar 2019 vereinfacht ein neues BMWi-Programm die Förderung von Energieeffizienz und erneuerbarer Wärme in Unternehmen.

 

Nicht immer sind die staatlichen Förderprogramme zur Finanzierung die erste Wahl, denn häufig sind sie an hohe Auflagen geknüpft, die möglicherweise zu einem höheren Investitionsbedarf führen als geplant. Eine Alternative kann dann der Investitionskredit der Hausbank oder auch Leasing sein.

Postbank

Die Postbank unterstützt ihre Geschäfts- und Firmenkunden bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen mit maßgeschneiderten Finanzierungsangeboten, wie dem Postbank Business Kredit und dem Postbank Investitionskredit. Hinzu kommen die Leasingangebote der Postbank Leasing GmbH. Sprechen Sie uns gerne an.

Milliardenmarkt Energieeffizienz

Interessant ist das Thema Energieeffzienz übrigens nicht nur, um Energiekosten zu sparen und das Klima zu schützen. Es bietet auch einen gewaltigen Markt: Laut Statistischem Bundesamt erwirtschafteten Unternehmen in Deutschland mit dem Klimaschutz 2016 bereits satte 46 Milliarden Euro. Davon entfielen 15 Milliarden Euro auf die Herstellung von Windkraftanlagen, doch auch energieeffiziente Maschinen und Produkte zur Gebäudedämmung waren Umsatzbringer. Profitiert haben dürfte davon nicht zuletzt der deutsche Mittelstand.

  • Bildnachweise

    Aufmacherfotos: iStockphoto (baona, Denisfilm, Django, jkitan, Kinwun)

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