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Perspektiven

Wie Unternehmen Stromkosten senken

Die Stromkosten werden in den nächsten Jahren weiter steigen. Damit rechnen viele Unternehmen. Wir zeigen, was Mittelständler dagegen tun können.

Energieeffizienz

elbst der Papst in Rom braucht Strom“, verkündete 1980 die Band Morgenrot in ihrem Song „Strom“. Und die Lösung für den allgegenwärtigen Strombedarf lieferten die Deutschrocker – ironisch gemeint – auch gleich mit: „Lass uns morgen Kerne spalten …“. Mehr als 35 Jahre danach ist das Thema „Kerne spalten“ zumindest in Deutschland ein Auslaufmodell. Strom wird allerdings auch weiterhin benötigt. Und obwohl der Stromverbrauch in Deutschland nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) aufgrund steigender Energieeffizienz und eher stagnierender Produktion der energieintensiven Industrien seit 2011 insgesamt rückläufig ist, steigen die Preise weiter. Eine Kilowattstunde Industriestrom (Jahresverbrauch 160.000 bis 20 Mio. kWh) etwa kostet laut BDEW aktuell 13,90 Cent exklusive Stromsteuer. 2010 waren dafür noch 10,84 ct/kWh zu veranschlagen. Verantwortlich für den Preisanstieg ist vor allem der zunehmende Anteil der EEG-Umlage an den Gesamtstromkosten. Er stieg im gleichen Zeitraum von 2,21 ct/kWh auf 6,35 ct/kWh. In keinem anderen EU-Land sind die staatlich induzierten Abgaben und Umlagen auf Strom zuletzt so stark gestiegen wie in Deutschland.

 

Herausforderung für Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen

Beleuchtung, IT-Systeme, Klima- und Belüftungsanlagen, Kühlaggregate, Elektro-Gabelstapler, Maschinen: Die Liste möglicher Stromverbraucher in Unternehmen ist beinahe endlos. Und sie wird vor dem Hintergrund der voranschreitenden Digitalisierung kaum kürzer werden – auch wenn diese dabei helfen kann, Energie zu sparen, zum Beispiel durch die intelligente Steuerung von Produktionsabläufen. Mehr als ein Drittel der deutschen Industrieunternehmen etwa erwartet in den nächsten fünf Jahren einen insgesamt steigenden Energieverbrauch. Und die meisten sehen in diesem Zusammenhang Strom als stärksten Treiber ihrer Energiekosten. Das geht aus der „Manufacturing Industry Edition“ des KfW/ZEW CO2 Barometers 2015 hervor, für das überwiegend kleine und mittlere Unternehmen (KMU) befragt wurden.

 

Aber nicht nur die Industrie hat unter steigenden Stromkosten zu leiden: Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) entfallen je nach Struktur 78 bis 84 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf Strom, im Non-Food-Handel sind es 56 bis 68 Prozent. Stromfresser im Handel ist vor allem die Beleuchtung, im LEH zudem die Kühlung, so eine aktuelle Studie des EHI Retail Institutes im Auftrag der Deutschen Energie-Agentur (dena). Im Dienstleistungssektor kann neben der Bürobeleuchtung die IT-Infrastruktur erhebliche Stromkosten verursachen: Das Rechenzentrum eines Büro- oder Verwaltungsgebäudes kann nach Angaben der Energieagentur NRW bis zu 60 Prozent der gesamten Stromkosten des Gebäudes verursachen. Maßgeblich ist dabei nicht nur der Stromverbrauch der Server, sondern insbesondere auch die erforderliche Lüftung und Klimatisierung. Wie viel sich im IT-Bereich durch den Einsatz energieeffizienter „Green-IT“ sparen lässt, zeigt ein Fallbeispiel der Deutschen Energie-Agentur: Durch die Anschaffung besonders stromsparender Computer und die Sensibilisierung der Mitarbeiter für eine energiesparende Nutzung der IT konnten bei der Berliner Polizei jährlich 350.000 Euro Energiekosten eingespart werden.

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Erschienen in Ausgabe 2016-2

Energie sparen mit effizienten Bürogeräten

Unternehmensziele: Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Den Stromverbrauch zu senken, sollte also für Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen ein wichtiges Unternehmensziel darstellen. Und das gilt nicht nur aus Kostengründen: Maßnahmen zur Energieeffizienz und die damit in der Regel einhergehende Reduzierung des CO2-Ausstoßes dienen nicht zuletzt dem Klimaschutz und können so gegebenenfalls auch ein wichtiger Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzepts eines Unternehmens sein. Mehr zum Thema Nachhaltigkeit lesen Sie hier.

 

Welche Stromsparmaßnahmen in einem Unternehmen sinnvoll umgesetzt werden können, hängt natürlich von dessen Größe und den für Investitionen in die Energieeffizienz zur Verfügung stehenden Mitteln ab. Einsparungen lassen sich grundsätzlich in vier Bereichen realisieren: durch die Umstellung auf effizientere Stromverbraucher, den kostengünstigeren Einkauf von Energie, die Eigenproduktion und den Eigenverbrauch von Strom aus erneuerbaren Energien sowie durch die Sensibilisierung der Mitarbeiter für das Thema Energiesparen.

  • Geräte und Anlagen

    Wo im Unternehmen die Energieeffizienz durch den Austausch von Anlagen und Geräten maßgeblich gesteigert werden kann, lässt sich am besten durch die systematische Erfassung und Dokumentation des Energieverbrauchs herausfinden. Die Rede ist hier auch vom Energiecontrolling oder Energiemanagement. Einen Einstieg ins Energiemanagement bietet seit März 2016 co2online mit dem „Energiesparkonto für Unternehmen“ an. Mit der vom Bundesumweltministerium geförderten Software können bereits Kleinstunternehmen sowie KMU mit bis zu 250 Mitarbeitern ihre Energiedaten kostenlos online verwalten und auswerten. Das Energiesparkonto erfüllt die Standards der EN 16247 und genügt damit gegebenenfalls auch als Nachweis für die Stromsteuerentlastung. Für weitergehende Handlungsoptionen wie die Befreiung von der EEG-Umlage oder den Spitzenausgleich ist in der Regel ein zertifiziertes System erforderlich. Mehr Informationen dazu erhalten Sie hier.

  • Einkauf

    Schon 1998 wurde der Strommarkt liberalisiert. Seitdem ist die Wahl des Energieversorgers für Verbraucher frei. Ein durchdachter Energieeinkauf kann helfen, Kosten zu sparen. Dabei sollten Unternehmer nicht auf kurzfristige Boni für Neukunden setzen, sondern langfristig günstige Anbieter auswählen, damit der Stromanbieter nicht jedes Jahr gewechselt werden muss.

     

    Eine Alternative dazu, sich selbst um seine Stromversorgung zu kümmern, kann das Outsourcen von Teilen oder der gesamten Energieversorgung an einen Contracting-Dienstleister sein. Dieses macht sich unter Umständen bereits bei kleineren Unternehmen bezahlt. Der Contractor kann zum Beispiel anstelle des Unternehmens die Planung und Finanzierung sowie den Bau und Betrieb einer Energieversorgungsanlage, etwa eines Blockheizkraftwerks, auf dessen Gelände übernehmen. Mehr Informationen zu den verschiedenen Contracting-Modellen erhalten Sie hier.

  • Eigenstromerzeugung

    Etliche Unternehmen produzieren bereits ihren eigenen Strom. Der Selbstverbrauch des industriellen Sektors aus eigenen Stromerzeugungsanlagen lag nach BDEW-Angaben zuletzt bei 25 Milliarden Kilowattstunden.

     

    Möglichkeiten zur Eigenstromproduktion bieten zum Beispiel die Photovoltaik und die Kraft-Wärme-Kopplung. Ein Vorteil: Stammt der Strom aus einer Erneuerbare-Energien-Anlage oder einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, reduziert sich die EEG-Umlage 2016 auf 35 Prozent und ab 2017 auf 40 Prozent. Die Regelung gilt immer dann, wenn der Strom in unmittelbarer Nähe der Erzeugungsanlage selbst verbraucht wird und kein Netz der allgemeinen Versorgung in Anspruch genommen wird.

  • Mitarbeiter-Verhalten

    Auch das eigene Verhalten und das Verhalten der Mitarbeiter im Umgang mit Stromverbrauchern können zum Energiesparen beitragen. Folgende Maßnahmen werden von der Energieagentur NRW empfohlen:

    - Ausschalten des PC-Monitors bei Arbeitspausen ab 10 Minuten.

    - Verzicht auf stromfressende Bildschirmschoner.

    - Ausschalten des Lichts, wenn man den Arbeitsplatz bzw. das Büro verlässt. Bei modernen Leuchtstofflampen und Energiesparlampen mit elektrischem Vorschaltgerät ist das häufigere Einschalten kein Problem mehr.

    - Installation von Bewegungsmeldern für die Beleuchtung in seltener genutzten Räumen, etwa dem WC.

    - Geräte über Nacht, im Urlaub oder bei Geschäftsreisen durch eine ausschaltbare Steckdosenleiste komplett vom Netz nehmen (gegen stromfressenden Stand-by- oder Schein-Aus-Betrieb).

     

Von anderen lernen
Viele Investitionen in die Energieeffizienz amortisieren sich schon nach relativ kurzer Zeit. Das gilt laut der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online zum Beispiel für den Austausch veralteter Kühlanlagen im Lebensmitteleinzelhandel – auf die Kühlung sind im Einzelhandel etwa 65 Prozent des Stromverbrauchs zurückzuführen. Relativ kostengünstig und in kleineren Betrieben einfach zu bewerkstelligen ist auch die Umstellung von herkömmlichen Beleuchtungsmitteln auf Energiesparlampen oder LEDs. Wie kleinere Handwerks- und Gastronomiebetriebe in diesen und weiteren Bereichen Energieeinsparungen erzielen konnten, stellt co2online auf seiner Website in einer Reihe von Fallbeispielen vor. Referenzprojekte und mit dem Label „Best Practice Energieeffizienz“ ausgezeichnete Unternehmen verschiedener Größenordnungen werden zudem online von der Initiative EnergieEffizienz der Deutschen Energie-Agentur (dena) präsentiert. Projekte zum Stromsparen lassen sich dort über eine Datenbanksuche einfach herausfiltern.

 

Energieeffizienz effizient finanzieren
Die öffentliche Hand unterstützt das Energiesparen im Unternehmen mit einer Reihe von Förderprogrammen. Federführend ist dabei bundesweit die staatliche KfW Bankengruppe. Gefördert werden sowohl Unternehmen als auch Freiberufliche. Einen Überblick über die KfW-Fördermöglichkeiten im Bereich Energie & Umwelt  finden Sie hier. Auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet Fördermöglichkeiten speziell für Unternehmen, zum Beispiel für die Installation von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), aber auch für die Energieberatung. Zudem gibt es eine Vielzahl von regionalen Förderangeboten. Informationen dazu geben unter anderem die örtlichen IHKs.

 

Spezielle Beratungs- und Förderprogramme zum effizienteren Umgang mit Energie umfasst auch der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) der Bundesregierung. Mit dem Pilotprogramm „Förderung von Stromeinsparungen im Rahmen wettbewerblicher Ausschreibungen: STEP up!“ – kurz für „STromEffizienzPotentiale nutzen“ – soll beispielsweise ein neuer, marktwirtschaftlich orientierter Ansatz eingeführt werden, um Investitionen in Maßnahmen zur Stromeinsparung zu tätigen.

 

Selbstständige, Freiberufler und mittelständische Unternehmen können Investitionen in die Energieeffizienz, zum Beispiel durch die Ausstattung mit Green-IT, zudem zu günstigen Konditionen mit dem Postbank Business Kredit finanzieren. Mehr dazu erfahren Sie hier.

  • Linkliste

    Gemeinsam die Energieeffizienz steigern: Mehr als 500 Unternehmen nutzen bereits den aktiven Erfahrungsaustausch in der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke von Bundesregierung und Wirtschaftsverbänden – www.effizienznetzwerke.org

    Viele Tipps rund ums Energiesparen im Unternehmen gibt die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online auf ihrer Website – www.co2online.de

    Die Deutsche Energie-Agentur (dena) vergibt im Rahmen der Initiative Energieeffizienz unter anderem den Energy Efficiency Award für besonders energieeffiziente Unternehmen. Bewerbungsschluss ist der 30. Juni 2016 – http://industrie-energieeffizienz.de

    Die Energieagentur NRW listet in ihrem Bereich „Fokus Unternehmen“ eine Vielzahl von Informationen zum Thema Energieeffizienz im Unternehmen auf. Unter anderem lassen sich in einer interaktiven Grafik Möglichkeiten zum Energiesparen im Unternehmen erkunden – www.energie-im-unternehmen.de

    Die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz unterstützt den deutschen Mittelstand bei der Umsetzung der Energiewende. Sie bietet mit Dialog, Informationen und Qualifizierungen konkrete Hilfestellung an und vermittelt Ansprechpartner direkt vor Ort – www.mittelstand-energiewende.de

  • Bildnachweise

    Istockphoto (amglyvi, Alexey Fursov, Delpixart, g-stockstudio, pialhovik, shirinosov, temis)

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