Erschienen in Ausgabe 2016-3

Wachstum syndiziert finanzieren

Unternehmerische Freiheit aus einem Guss

Die familiengeführte Heger-Gruppe betreibt im rheinland-pfälzischen Enkenbach seit 114 Jahren das Gewerbe der Eisengießerei und eröffnete im Jahr 2008 im nahe gelegenen Sembach eine der weltweit wohl innovativsten Gießereien für schwere handgeformte Gussteile. In dem ringförmig angelegten Werk werden riesige Rotornaben für Windkraftanlagen auf besonders effiziente Weise produziert. Die Nachfrage ist groß, das Unternehmen wächst – und damit auch die Anforderungen an eine passende Finanzierung. Mit einer strukturierten, syndizierten Lösung sorgt der Mittelständler nun nachhaltig für neue unternehmerische Freiheit und auch für schlankere Prozesse.

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roße Herausforderungen gehören in der Heger-Gruppe zum Tagesgeschäft. Denn die Gießerei hat sich u.a. auf die Giganten unter den Gussteilen spezialisiert: Ein V16-Motorblock kann da schon mal 13.000 Kilo, eine Rotornabe annähernd 30.000 Kilo wiegen. Für Johannes Heger, der das Familienunternehmen in vierter Generation leitet, ist grundsätzlich erst mal nichts unmöglich. Heger steht für Fortschritt und Innovationen, aber auch für Zuverlässigkeit und Beständigkeit. So ist es dem Diplom-Ingenieur auch gelungen, die traditionsreiche Technik des Gießens erfolgreich mit den hochmodernen Möglichkeiten der digitalisierten Gegenwart zu kombinieren.

 

Innovation in allen Unternehmensteilen

Industrie 4.0 ist längst Alltag in der Pfalz. Die Mitarbeiter tragen bei Produktkontrollen Datenbrillen, Werkstücke werden mit Laserstrahlen vermessen und komplexe Simulationsprogramme – gemeinsam entwickelt mit dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik – ersetzen immer öfter teure Probegüsse. „Wir leben Innovation in allen Unternehmensteilen“, fasst Johannes Heger die Firmenphilosophie zusammen. Und er schließt dabei ausdrücklich auch den Bereich Finanzen ein.

 

Wachstumsphasen nicht mit einzelnen Krediten finanzieren

Denn so, wie die bei Heger produzierten Teile in den vergangenen Jahren immer größer wurden, sind auch die Anforderungen ans finanzielle Management stetig gewachsen. Ein wichtiger Meilenstein war die Eröffnung der „runden Fabrik“ im Jahr 2008. „Mit dieser völlig neu entwickelten Produktionsstätte für Windrad-Rotornaben haben wir einen enormen Wachstumspfad eingeschlagen“, erinnert sich Johannes Heger. Das Investitionsvolumen von gut 25 Millionen Euro habe den Umfang eines gesamten Jahresumsatzes gehabt. Und schon damals sei man „überzeugt davon gewesen, dass wir eine solche Phase unmöglich mit einzelnen Krediten vieler verschiedener Banken bewältigen können“.

Die innovativste Gießerei der Welt

Die Heger-Gruppe hat die Produktion gigantischer Gussteile revolutioniert. Wie, das sehen Sie in diesem Video.

Die Heger-Gruppe: Einblicke in ein innovatives Familienunternehmen

Syndizierte Finanzierung sorgt für unternehmerische Freiheit
Die Lösung war zunächst eine syndizierte Finanzierung allein für die neue Fabrik. Als diese auslief, machte sich Johannes Heger auf die Suche nach einem neuen nachhaltigen Konstrukt für die gesamte Heger-Gruppe. Gefunden hat er dies schließlich mithilfe der Postbank. „Wir haben gemeinsam in sehr kurzer Zeit ein tragfähiges Konzept entwickelt“, beschreibt Fridtjof Meyer, Firmenkundenbetreuer der Postbank am Standort Ludwigshafen, das Vorgehen. Experten der Postbank für strukturierte und syndizierte Finanzierungen wurden hinzugezogen und integrierten die unterschiedlichen Finanzierungskreise des Unternehmens in ein übergreifendes Format. Das Konsortium aus insgesamt fünf Banken wurde dabei komplett neu aufgestellt. „Wir konnten dem Unternehmen nicht nur bessere Konditionen, sondern vor allem mehr unternehmerische Freiheit bieten“, beschreibt Volker Jacobi, Bereichsleiter für strukturierte und syndizierte Finanzierungen in der Postbank, das Ergebnis dieses Projektes, das in seinem Team von Svenja Wrage geleitet wurde.

Ein erfahrener Arrangeur ist wichtig

„Gerade in der frühen, gestaltenden Phase eines solchen Vorhabens ist ein erfahrener Arrangeur sehr wichtig“, beschreibt Johannes Heger seine Erfahrungen. Und er ergänzt: „Wir konnten uns auf unseren unternehmerischen Input konzentrieren und hatten mit der Postbank jemanden an der Seite, der die Finanzierungsidee professionell kommuniziert. Das ist extrem hilfreich gewesen.“

 

Deutliche Vorteile bei den Konditionen

Von der Idee bis zur Vertragsunterzeichnung vergingen in diesem Fall gerade mal sechs Monate. „Das war ein straffer Zeitplan“, erinnert sich Stefan Brinkis, Leiter Finanzen in der Heger-Gruppe. Doch auch aus seiner Sicht kann sich das Ergebnis sehen lassen: „Wir konnten unsere Sicherheiten für alle Banken in einem Pool zusammenfassen, haben auf der Konditionenseite deutlich profitiert und mithilfe einer Strategie der Postbank Niederlassung in Luxemburg ist dieses Niveau langfristig abgesichert.“ Zudem hebt der Finanzchef des Unternehmens einen weiteren positiven Aspekt hervor: „Die Syndizierung sorgt dafür, dass wir auf der Bankenseite nur noch einen Ansprechpartner haben. Das Reporting wird dadurch sehr viel einfacher.“

 

Feste Spielregeln machen alles einfacher

Für Firmenchef Johannes Heger ist wichtig, dass es für sein Unternehmen und alle beteiligten Banken jetzt nur noch ein Vertragswerk gibt. Endlich schaue nicht mehr die eine Bank aufs Rating, die andere auf den Cashflow und die nächste auf das Eigenkapital. „Feste Spielregeln und gleiche Bewertungsgrundsätze für alle machen die Umsetzung neuer Vorhaben leichter“, sagt er. Und davon sind in der innovationsfreudigen Heger-Gruppe mit Sicherheit noch eine Menge zu erwarten …

  • Fakten zur Heger-Gruppe

    Die Heger-Gruppe aus dem Landkreis Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz ist ein Familienunternehmen mit 114-jähriger Tradition in der Herstellung gegossener Maschinenteile. Die Produktion verteilt sich auf die Standorte Enkenbach-Alsenborn (HegerPro, HegerGuss, HegerGGD) und Sembach (HegerFerrit).

Interview

„Die neue Finanzierungsstruktur

passt jetzt zu unseren Wachstumszielen“

 

Johannes Heger,
Geschäftsführer der Heger-Gruppe

  • Interview lesen

    Perspektiven: Herr Heger, für die regenerativen Energien gab es in Deutschland in letzter Zeit einigen Gegenwind. Hat das Auswirkungen auf die Produktion am Standort Sembach?

    Johannes Heger: Nein, wir haben dort auch auf lange Sicht sehr gut zu tun. Windräder werden weltweit nach wie vor stark nachgefragt. Unser Standortvorteil ist, dass die großen Anbieter aus Norddeutschland und Dänemark global gesehen quasi direkt vor unserer Haustür liegen. Hinsichtlich der Produktion der bis zu 30 Tonnen schweren Rotornaben haben wir in den vergangenen Jahren enormes Know-how aufgebaut. Die Qualität unserer Produkte ist hervorragend. Und wir haben die Produktionsprozesse in der runden Fabrik in Sembach auf einzigartige Weise optimiert. Aus dieser Position der Stärke wollen wir auch in Zukunft weiter wachsen.

     

    Perspektiven: Haben Sie die Finanzierung Ihres Unternehmens darum neu strukturiert?

    Johannes Heger: Uns allen hier war klar, dass es nicht gereicht hätte, einfach eine neue Fabrik zu bauen und die Finanzierungsstrukturen unverändert zu belassen. Für unseren Wachstumspfad reichten die alten Instrumente einfach nicht mehr aus. Eine Vielzahl von bilateralen Kreditverträgen mit unterschiedlichen regionalen Banken lässt sich ab einem gewissen Komplexitätsgrad nur noch sehr schwer managen. Heute haben wir für alle Unternehmen der Heger-Gruppe nur noch einen Finanzierungskreis. Und für alle fünf Mitglieder des neuen Bankenkonsortiums nur noch einen Sicherheiten-Pool. Das hat die Komplexität in der Zusammenarbeit mit den Finanzdienstleistern erheblich reduziert. Die neue Finanzierungsstruktur passt jetzt endlich genau zu unseren Wachstumszielen.

     

    Perspektiven: Die neue Finanzierung passt offenbar so genau, dass Sie sie schon verlängert haben …

    Johannes Heger: Das ist richtig. Mir hat sehr gut gefallen, dass wir diese Möglichkeit bereits nach nur einem Jahr Vertragslaufzeit erhalten haben. Das ist aus unserer Sicht ein großer Vertrauensvorschuss gegenüber unserem Unternehmen.

     

    Perspektiven: Das Familienunternehmen Heger gibt es schon seit 114 Jahren. Tradition trifft Hightech – wo sehen Sie da Ihre Entwicklungsperspektiven?

    Johannes Heger: Wir leben und fördern Innovation in allen Unternehmensbereichen. Das macht die vermeintlich so historische Technik des Gießens übrigens insbesondere für junge Leute interessant. Von einem klassischen Produktlieferanten haben wir uns längst zum komplexen Systemdienstleister entwickelt. Wir arbeiten an neuen Materialien, kooperieren bei der Entwicklung eigener Simulationssoftware eng mit dem Fraunhofer-Institut und erfinden – wie am Standort Sembach bewiesen – notfalls auch den Produktionsprozess des Gießens völlig neu. Unter dem Stichwort Industrie 4.0 wird sich in Zukunft sehr viel tun – die Heger-Gruppe ist dafür hervorragend gerüstet.

  • Bildnachweise

    Fotos: Heger Gruppe (4), Johannes Vogt (9)

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