Wenn das Pfund Achterbahn fährt

Das Ringen um den Brexit hat nicht nur die britische Regierung massiv destabilisiert, auch das Pfund ging auf Achterbahnfahrt – Ausgang ungewiss. International agierende Unternehmen sollten deshalb verstärkt mögliche Währungsrisiken in den Blick nehmen. Das gilt nicht allein für die britische Währung.

Währungsmanagement

Erschienen in Ausgabe 2019-1

s war einer dieser typischen Brexit-Tage: Am 15. November 2018 stellte Premierministerin Theresa May dem britischen Parlament ihren mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag vor. Die Folge: Gleich mehrere Minister und Staatssekretäre der May-Regierung reichten aus Protest gegen das Vertragswerk ihren Rücktritt ein. Die britische Währung ging ob der neuen Unsicherheiten auf Talfahrt und verlor gegenüber dem Euro an nur einem Tag 1,8 Prozent an Wert.

 

Der Kurssturz vom 15. November war nicht der einzige seit dem Brexit-Votum im Juni 2016. Und er dürfte auch nicht der letzte sein. Seit dem Referendum hat das Pfund Sterling gegenüber dem Euro rund 11 Prozent an Wert eingebüßt (Stand: 18. März 2019). Ende August 2017 lag der Kursverlust auch schon mal bei rund 18 Prozent. „Das zeigt, dass die Talsohle möglicherweise noch nicht erreicht ist“, sagt Matthias Ringler, Abteilungsdirektor Zins-, Währungs- und Liquiditätsmanagement bei der Postbank in Luxemburg. Im Falle eines harten Brexits erwartet Ringler sogar Parität, also einen Kurs von 1:1 (ob der Austrittstermin verschoben wird, war bei Redaktionsschluss noch unklar).

 

Trübe Aussichten für Exporteure
Neben den anderen Unwägbarkeiten des Brexits hat jede Kursschwäche des Pfunds gegenüber dem Euro für Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich unangenehme Konsequenzen. Das gilt zum Beispiel für Exporteure, die in Pfund abrechnen. Sie müssen sich in diesem Fall auf geringere Erträge einstellen oder ihre Preiskalkulation anpassen. Doch auch wer seine Ausfuhren in Euro abwickelt, könnte unter einem schwachen Pfund leiden: Im schlimmsten Fall werden den Abnehmern auf der Insel die vom Kontinent importierten Waren zu teuer und das Geschäft bricht ein. 2018 sanken die deutschen Ausfuhren nach Großbritannien gegenüber dem Vorjahr bereits um 4,0 Prozent. Laut einer Mitte Februar veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages bewertet nur noch jedes fünfte Unternehmen seine Geschäfte im Vereinigten Königreich als gut. 70 Prozent der Unternehmen erwarten demnach im laufenden Jahr eine Verschlechterung.

 

Besonders von einem ungeordneten Brexit betroffen sein könnten zudem deutsche Unternehmen, die im Vereinigten Königreich eigene Niederlassungen oder Tochterunternehmen haben. Denn diese könnten erheblich an Wert verlieren. Das Gleiche gilt für Intercompany-Kredite und daran gekoppelte Zinszahlungen. „Neben dem Währungsrisiko sollte man auch diese Aspekte analysieren und gegebenenfalls Maßnahmen treffen“, betont Währungsexperte Ringler. Viele Unternehmen hätten das auch bereits getan.

 

E

Postbank

Aktuelle Informationen zum Zahlungsverkehr

Am 7. März 2019 hat das European Payment Council (EPC) entschieden, dass das Vereinigte Königreich auch bei Verlassen der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraum im SEPA-Raum bleibt. Welche Änderungen im Falle eines harten Brexits ohne Abkommen dennoch beim Zahlungsverkehr mit Großbritannien in Kraft treten, erfahren Sie auf der Postbank Homepage.

Währungsmanagement: sinnvoll nicht nur fürs Pfund
Wechselkursschwankungen gibt es natürlich nicht nur beim britischen Pfund. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft sind sie seit jeher eine ganz besondere Herausforderung. Nach Angaben des DIHK werden rund 43 Prozent der Auslandsgeschäfte nicht in Euro abgerechnet. Die wichtigste Fremdwährung deutscher Im- und Exporteure ist mit Abstand der US-Dollar. Wie schon in den Vorjahren waren die Vereinigten Staaten mit Einfuhren in Höhe von 113,5 Milliarden Euro auch 2018 das bedeutendste Abnehmerland für Waren aus Deutschland. Auch Rohstoffe werden zumeist in der Weltleitwährung US-Dollar gehandelt.

 

Schwächelt der Euro, so profitieren davon naturgemäß deutsche Exporteure, die ihre Ausfuhren in US-Dollar abrechnen. Für Importeure hingegen bedeutet ein starker US-Dollar steigende Preise. Die Absicherung von Währungsrisiken ist deshalb immer sinnvoll, egal welche Erwartungen an den Verlauf der Wechselkurse geknüpft sind. Denn so erzielt ein Unternehmen in jedem Fall Planungssicherheit. „Einfach nur zu hoffen, dass sich der Kurs für das eigene Unternehmen günstig entwickelt, ist fahrlässig", sagt Ringler.

Schwankende Wechselkurse

Die Entwicklung des Währungspaares Euro / Britisches Pfund seit dem Brexit-Votum am 23. Juni 2016 (links) und der Euro / US-Dollar-Wechselkurs seit Beginn des Jahres 2019.

Quelle: Thomas Reuters Datastream

Grafik: Entwicklung des Währungspaares Euro / Britischer Pfund
Grafik: Entwicklung des Euro / US-Dollar-Wechselkurses

Individuelle Absicherungsstrategie entwickeln
Der erste Schritt zu einer nachhaltigen Währungsabsicherung ist immer, zu analysieren, inwiefern das Geschäftsmodell einem Währungsrisiko ausgesetzt ist. Eine große Rolle spielt dabei die Marge: Je größer die Handelsspanne ist, desto eher lassen sich Währungsverluste verschmerzen. Für die richtige Absicherungsstrategie stehen zahlreiche Instrumente des Währungsmanagements zur Verfügung. Zu den beliebtesten zählen Devisentermingeschäfte. Damit sichern sich Unternehmen für in der Zukunft liegende Transaktionen den aktuellen Kassakurs zuzüglich eines Auf- bzw. Abschlags, der die Zinsdifferenz der beiden Währungen widerspiegelt.

Klassische Instrumente des Währungsmanagements

Mit einem aktiven Währungsmanagement können Unternehmen unterschiedliche Ziele verfolgen. Zusammen mit der erwarteten Kursentwicklung ergibt sich daraus die jeweils passende Produktempfehlung.

Grafische Darstellung der klassischen Instrumente des Währungsmanagements

Quelle: Postbank Luxemburg – eine Niederlassung der DB Privat- und Firmenkunden AG

Weitere Möglichkeiten sind Devisenkassa- sowie -optionsgeschäfte oder strukturierte Varianten. Welche Strategie am besten geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab. „Hier sollten sich Unternehmen auf jeden Fall vom Währungsmanagementspezialisten ihrer Hausbank individuell beraten lassen“, empfiehlt Matthias Ringler.

Postbank

Währungsrisiken absichern mit der Postbank

Die Postbank erarbeitet für ihre Firmenkunden im Rahmen des Währungsmanagements individuelle Lösungen zur Nutzung derivativer Absicherungsinstrumente. Mehr dazu erfahren Sie bei der Postbank für Firmenkunden.

  • Bildnachweise

    Aumacher-Video: iStockphoto / Synthetic-Exposition

Weitere Artikel

Perspektiven