Erschienen in Ausgabe 2015-3

Nachhaltigkeitsberichte

Bald sind sie Pflicht

Nachhaltigkeitsberichterstattung wird insbesondere für große Unternehmen bald zur Pflicht. Allerdings ist dies auch für Mittelständler ein Thema.

er Begriff „Nachhaltigkeit“ hat Konjunktur. Die Suchmaschine Google landet bei diesem Stichwort aktuell rund 12 Millionen Treffer. Verwendet man den englischen Begriff „sustainability“, werden sogar 113 Millionen Seiten gefunden. Diese Ergebnisliste wird in den nächsten Monaten gewiss noch länger. Denn die sogenannte CSR-Richtlinie („Corporate Social Responsibility“) der Europäischen Union (2014/95/EU) sieht vor, dass Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeitern ab 2017 im Rahmen ihrer Berichterstattungspflichten auch Informationen zum Thema Nachhaltigkeit veröffentlichen müssen. Unternehmer, die weniger Beschäftigte haben, sollten jetzt aber nicht einfach wegklicken. Denn auch für viele kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) könnte die Berichtspflicht der Großen konkrete Auswirkungen haben.

 

Wenn sie Bestandteile von Lieferketten sind, werden von KMU oft schon heute umfangreiche Auskünfte über ihre Produkte und Dienstleistungen erwartet. Wenn die neue Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt ist, könnten diese Aufwände noch steigen. Wer dann zum Thema Nachhaltigkeit nichts vorweisen kann, läuft Gefahr, bei Ausschreibungen aussortiert zu werden und bei der Vergabe von Aufträgen künftig leer auszugehen.

 

Die Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht ist bereits in vollem Gange, denn das Gesetz muss spätestens am 6. Dezember 2016 in Kraft getreten sein. Eine Ausdehnung des Anwendungsbereichs auf den Mittelstand wird in einer gemeinsamen Stellungnahme von BDA, BDI, DIHK und ZDH abgelehnt. Man setzt hier auf das Prinzip der Freiwilligkeit, denn deutsche Unternehmen tun ohnehin enorm viel auf dem Gebiet des nachhaltigen Wirtschaftens und der sozialen Verantwortung (siehe Grafik 1 und 2 im Slider unten).

 

Und viele kommunizieren das auch. Bereits heute veröffentlicht eine große Zahl mittelständischer Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte, um über ihr Engagement im CSR-Bereich gezielt zu informieren. Je größer die Unternehmen, desto häufiger werden solche Publikationen eingesetzt (siehe Grafik 3 im Slider).

D

Wie deutsche Mittelständler bereits heute gesellschaftliche Verantwortung leben

Das Konzept Nachhaltigkeit – mehr als öko

Wichtig zu wissen: Nachhaltigkeitsberichterstattung ist längst nicht mehr bloß ein Öko-Thema. Die EU-Richtlinie spricht hier von der „Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen“. Für den Mittelständler erweitert sich damit das Spektrum: So kann es zum Beispiel auch um die weitsichtige Minimierung von Geschäftsrisiken, die Chancengleichheit von Frauen und Männern, Initiativen für Aus- und Weiterbildung oder um die soziale Verantwortung des Unternehmens für die Gesellschaft gehen. Eine nachhaltige Unternehmensführung und auch die Berichterstattung darüber haben stets ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Unternehmen, die sich in diesen drei Bereichen kritisch hinterfragen, die Optimierungsstrategien entwickeln und dazu auch kommunizieren, schaffen damit gute Voraussetzungen, um im Wettbewerb dauerhaft zu bestehen.

  • Die Chancen, als eigenes Unternehmen, vom Nachhaltigkeitsbericht zu profitieren sind vielfältig:

    • Bereits der Prozess der Erstellung mit seiner Analyse des Status quo im Unternehmen schafft wertvolle Klarheit und Transparenz.
    • Das Einbeziehen unterschiedlicher Stakeholder (z.B. Mitarbeiter, Kunden, Dienstleister, Investoren) kann wichtige neue Perspektiven eröffnen.
    • Defizite zu erkennen, ist die Voraussetzung, um konkrete Einsparpotenziale zu realisieren, z.B. beim Energie- oder Rohstoffverbrauch.
    • Die Kenntnis und das Management von Unternehmensrisiken sorgen für Sicherheit und stärken gleichsam auch das Vertrauen von Mitarbeitern sowie Investoren.
    • Die Profilierung als nachhaltig agierendes Unternehmen festigt die Kundenbindung und kann Zugang zu neuen Kundenkreisen eröffnen.
    • Eine Nachhaltigkeitsstrategie wirkt auch nach innen – sie fördert die Mitarbeiterloyalität und wird zum wichtigen Asset im Wettbewerb um die besten Fachkräfte.
    • Nachhaltigkeit wird immer mehr zum Wettbewerbsfaktor und einem unverzichtbaren Differenzierungsmerkmal für Unternehmen am Markt.

Der Nachhaltigkeitsbericht –
Standards strukturieren die Erstellung

Tue Gutes und rede darüber, heißt es im Volksmund – die Frage ist bloß: Wie genau soll ich das machen? Hier gibt die Richtlinie keine genauen Vorgaben. Die deutschen Wirtschaftsverbände begrüßen das, denn sie wollen, dass das künftige deutsche Gesetz „Flexibilität bei der Entscheidung für oder gegen die Anwendung nationaler, europäischer oder internationaler Rahmenwerke“ zulässt. Von diesen gibt es bereits einige, die in wichtigen Standards auch übereinstimmen. Die wichtigsten stellen wir Ihnen in unserem Info-Element links vor.

 

Standards strukturieren den Prozess der Berichtserstellung, schaffen branchenübergreifende Vergleichbarkeit und bieten zudem die Chance, den fertigen Bericht mit einem anerkannten Gütesiegel zu versehen. Insbesondere die internationalen Rahmenwerke sind aber oft sehr komplex und können selbst auf ambitionierte Unternehmen abschreckend wirken. Software-Lösungen bieten Unternehmen hier mittlerweile praktische Unterstützung. Wer etwa „Nachhaltigkeitsbericht erstellen“ bei Google eingibt, erhält hier eine Vielzahl von Lösungen. Ein weiterer Vorteil der softwaregestützten Berichterstattung: Einmal eingegebene Daten bleiben für die nächste Reportrunde erhalten – nach dem Bericht ist vor dem Bericht …

 

Individuell berichten – auf das Wesentliche konzentrieren

So unterschiedlich wie die Unternehmen selbst sollten auch Form, Umfang und Inhalte ihrer Nachhaltigkeitsberichte ausfallen dürfen. Und das zeigt sich bereits heute beim Blick in entsprechende Berichte. Manche liegen gedruckt, andere rein digital vor – einige Unternehmen legen sogar beides vor. In der Regel konzentrieren sich die Unternehmen nur auf bestimmte CSR-Aspekte, andere treten dafür in den Hintergrund oder werden gar nicht thematisiert. Im Nachhaltigkeits-Jargon spricht man hier vom „Prinzip der Wesentlichkeit“.

 

Häufig wird die CSR-Thematik von der klassischen Bilanzberichterstattung getrennt aufbereitet. So auch bei der Postbank, die seit 2009 einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht und zudem einen eigenen CSR-Bereich auf ihrer Unternehmens-Homepage pflegt. Verantwortlich dafür ist Hartmut Schlegel, der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Bank. Er kümmert sich mit einem kleinen Team um das CSR-Thema in dem rund 15.000 Mitarbeiter zählenden Konzern inklusive jährlichem Bericht und aktualisierter Homepage. Dass sich dieser Einsatz lohnt, steht für ihn außer Frage. „Allein die im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie realisierten Einsparungen machen die Personal- und Sachkosten um ein Vielfaches wett.“

 

Mehr zu den positiven Ergebnissen lesen Sie im folgenden Interview.

Die wichtigsten Standards

Interview

„Unsere Nachhaltigkeitsstrategie hat zu beträchtlichen Einsparungen geführt“

Hartmut Schlegel,
Nachhaltigkeitsbeauftragter der Postbank

  • Interview lesen

    Perspektiven: Die einen nennen es Nachhaltigkeitsbericht, böse Zungen sprechen von Greenwashing – wie halten Sie es in der Postbank?

     

    Hartmut Schlegel: Nachhaltigkeit ist bei uns kein Modewort und hat auch nichts mit Greenwashing zu tun. Die Postbank beschäftigt dieses Thema schon lange. Bereits im Jahr 2004, dem Jahr des ersten Börsengangs, wurde im Geschäftsbericht ein Kapitel zur Nachhaltigkeit eingefügt. Seit 2009 – dem Jahr, in dem die Postbank ein eigenes Umweltmanagementsystem installierte – erstellen wir auch einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht.

     

    Perspektiven: Was hat die Postbank von so viel Transparenz?

     

    Hartmut Schlegel: Wir verbessern damit nicht nur unsere Umweltbilanz, wir sparen auch Kosten. Vor allem im Bereich der Energie- und Ressourcenverbräuche konnten wir Geld sparen. Eines der erfolgreichsten Instrumente für uns war das Energie-Contracting. Ein externes Unternehmen kümmert sich an unseren Großstandorten um das Thema Energie. Es schließt Verträge mit Energieerzeugern, macht Vorschläge für Einsparungen und setzt diese zum Teil sogar auf eigene Kosten um. Ein großer Teil der Einsparungen bleibt bei uns als Auftraggeber, der andere Teil geht als Honorar an den Contractor. Das hat für die Postbank zu beachtlichen Einsparungen geführt.

     

    Perspektiven: Es geht aber nicht allein ums Geld …

     

    Hartmut Schlegel: Natürlich nicht. Wichtig ist auch die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen. Für Mitarbeiter ist es immens wichtig, sagen zu können: Mein Unternehmen gestaltet sein Geschäft verantwortlich. Der Satz „Tue Gutes und rede darüber“ ist für uns in der Postbank nach innen sehr viel wichtiger als nach außen.

     

    Perspektiven: Was ist für Sie das aktuell wichtigste Nachhaltigkeitsthema?

     

    Hartmut Schlegel: Aus der Sicht eines europäischen Dienstleistungsunternehmens hat das Fördern talentierter Frauen eine besondere Priorität. Ein Unternehmen, das dieses Thema vernachlässigt, wird in den nächsten Jahren massive Probleme bekommen. Und auch hier ist der Treiber nicht allein die Ethik der Gleichberechtigung, sondern die ökonomische Überlegung, dass ein Unternehmen, das talentierte Frauen nicht fördert, sich selbst die Zukunftschancen nimmt.

     

    Perspektiven: Das Bankgeschäft ist weitgehend virtuell, gibt es da eigentlich auch nachhaltige Produkte?

     

    Hartmut Schlegel: Da fällt mir zuerst unser Gewinnsparen ein. Das ist ein Sparkonto, dessen Bonusausschüttungen zum Teil an die Lotterie der „Aktion Mensch“ fließen. Allein 2014 sind auf diese Weise dank der fleißigen Nachfrage unserer Kunden ca. 300.000 Euro geflossen – in den vergangenen Jahren insgesamt mehr als 2 Millionen Euro. Das ist eine perfekte Verbindung aus ökonomischem Anreiz und sozialer Verantwortung.

So spart die Postbank durch ihre Nachhaltigkeitsstrategie

Für die Postbank hat die Entwicklung einer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie zu zum Teil erheblichen Einsparungen geführt. Hier stellen wir Ihnen einige beispielhafte Zahlen vor (Stand 2015).

Euro …

1.500

Die Sanierung der Beleuchtung sorgte allein an einem einzigen Standort für Einsparungen von rund 1.500 Euro pro Jahr.

Prozent …

25

Durch den Umbau der Heizungsanlage in der Postbank Akademie werden nun 25 Prozent weniger Energie pro Jahr verbraucht – eine Ersparnis von ca. 70.000 Euro.

Einfamilien-
häuser …

2

Das Bonner Rechenzentrum der Postbank ist mit einer Notstromanlage ausgestattet. Diese wird monatlich getestet. Der dabei erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist. Die Menge reicht, um zwei Einfamilienhäuser ein Jahr lang zu versorgen.

40

Prozent …

Kein Drucker mehr an jedem Arbeitsplatz, dafür zentrale Druck-, Fax- und Scan-Stationen auf den Etagen. Durch ein optimiertes Druckermanagement konnte die Postbank ca. 40 Prozent aller Drucker einsparen.

Euro …

300.000

Durch Energie-Contracting kann die Postbank allein an ihrem Standort Hameln ca. 300.000 Euro pro Jahr sparen.

  • Bildnachweise

    Aufmacher: Thinkstock by Getty Images / BartekSzewczyk

    Motiv Energieaudit: Thinkstock by Getty Images / studiogstock

    Motiv Interview: Postbank

Weitere Archiv-Artikel

  •  

Perspektiven

© 2017 Deutsche Postbank AG

Impressum