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Perspektiven

Erschienen in Ausgabe 2015-4

Fachkräfte

Online die Besten der Besten finden

Wer heute auf der Suche nach neuen Fachkräften für sein Unternehmen ist, der kommt an digitalen Stellenangeboten nicht vorbei. Das Zauberwort heißt E-Recruiting. Dazu gehört mehr als nur das Schalten von Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen. Teil 3 unserer Digitalisierungs-Serie.

ls ein junger Musiker 1970 in einer Annonce der englischen Musikzeitschrift „Melody Maker“ las, es werde ein „für akustische Musik empfindsamer Schlagzeuger“ gesucht, rief er dort einfach an. Die Musikgruppe, die die Anzeige geschaltet hatte, wurde in der Folge zu einer der bekanntesten und erfolgreichsten der Welt und der mittlerweile 65-jährige Musiker vielfacher Millionär. Sein Name: Phil Collins. Die Stellenanzeige, die am Anfang von Collins' Weltkarriere stand, hatte die damals noch ziemlich unbekannte Band Genesis aufgegeben.

 

Das klassische Stellenangebot in der Zeitung gibt es auch heute noch. Doch es ist ein Auslaufmodell. Am Anfang von immer mehr Arbeitsverhältnissen steht heute nicht mehr bedrucktes Papier, sondern ein Mausklick. Denn vor allem die viel beschworene Generation Y der zwischen 1977 und 1998 Geborenen sowie besonders qualifizierte Bewerber klicken sich auf der Suche nach dem passenden Arbeitsplatz lieber durchs Netz, als sich die Finger mit Druckerschwärze zu beschmutzen.

 

Weniger zahlen, mehr erreichen

Unternehmen jeder Größe tun gut daran, sich bei der Suche nach Fachkräften die Digitalisierung zunutze zu machen. E-Recruiting heißt das Zauberwort. Nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für kleine und mittlere Betriebe lohnt sich die digitale Bewerbersuche. Mehr als zwei von drei deutschen Unternehmen rekrutieren laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom bereits ihr Personal in Online-Stellenbörsen.

 

Die Vorteile des E-Recruitings für Unternehmer liegen auf der Hand: Ein Stellenangebot im Netz ist in der Regel wesentlich günstiger als eine Printanzeige und es erreicht deutlich mehr potenzielle Interessenten. Online-Anzeigen sind zudem im Gegensatz zu einer Zeitungsannonce nicht an ein Erscheinungsdatum und eine bestimmte Leserschaft gebunden. Weiterer Vorteil: Bewerber können sich bei vielen Online-Jobbörsen auch gleich über ein entsprechend hinterlegtes Webformular digital bewerben. Das erspart dem Personalverantwortlichen im Unternehmen eine Menge Papierkrieg.

 

Personal suchen über Jobbörsen und Social Media

Wer Bewerber für sein Unternehmen interessieren möchte, kann dies über unterschiedliche digitale Kanäle tun. Im Mittelpunkt stehen die Online-Jobbörsen. Allein in Deutschland gibt es mehr als 1.800 entsprechende Angebote – von der kostenlosen Online-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit über große private Anbieter wie Monster oder Stepstone bis zu Spezialportalen etwa für die Zielgruppe 50plus (siehe Linkliste unten). Sieben von zehn Vakanzen bei Deutschlands 1.000 größten Unternehmen werden laut der Studie „Recruiting Trends 2015“ des „Centre of Human Resources Information Systems“ der Universität Bamberg in Internet-Stellenbörsen ausgeschrieben. Wachsende Bedeutung im „War for Talents“ bekommt zudem die Rekrutierung über Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter und Business-Portale wie Xing oder LinkedIn. Eine besonders kostengünstige Anwerbungsmöglichkeit ist außerdem die eigene Firmenwebsite. Mehr als 90 Prozent der Top-1.000-Unternehmen veröffentlichen dort ihre offenen Stellen. Voraussetzung für erfolgreiches Recruitment ist hier natürlich, dass die eigene Webpräsenz auch von ausreichend vielen möglichen Bewerbungsinteressenten besucht wird. Bei kleineren Unternehmen sollte auf den ersten Blick erkennbar sein, dass überhaupt Arbeitsplätze angeboten werden – zum Beispiel durch einen Hinweis auf der Startseite (siehe auch Interview unten).

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Bewerbersuche digital

Schnell, schneller, mobil

Mit der rasanten Verbreitung von Smartphones gewinnt in jüngster Zeit das „Mobile Recruiting“ zunehmend an Bedeutung. Darunter versteht man die Mitarbeiter- oder Jobsuche über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Zunehmend wichtiger werden hier Instrumente wie Karriere- und Unternehmens-Apps oder die mobile Version der Unternehmens-Website – über die im Idealfall auch gleich die Bewerbung abgeschickt werden kann.

 

Positive Auswirkungen hat das E-Recruiting auch auf den Ablauf des Bewerbungsprozesses. Durch den Einsatz geeigneter Software können eingehende Bewerbungen effizient und schnell bearbeitet werden. Ein Beispiel dafür ist die Software „Bewerbermanagement“ der Haufe-Gruppe. Bewerber erhalten darüber beispielsweise automatisch Statusmeldungen zu ihrer Bewerbung. Und die am Bewerbungsprozess beteiligten Personen innerhalb des Unternehmens erhalten einen besseren Überblick über die Unterlagen und den Fortschritt des Bewerbungsprozesses.

 

Wer sich weiterhin allein auf die Stellenannonce in der Zeitung verlässt, dem werden heute möglicherweise die besten Talente durch die Lappen gehen. Und das gilt nicht nur für die Suche nach jungen Mitstreitern für aufstrebende Rockbands …

Interview
Jan Kirchner, Geschäftsführer von Wollmilchsau.de,  Digitalagentur für Personalmarketing und Employer Branding

„Die eigene Website ist das Herz des Personalmarketings.“

Jan Kirchner,
Geschäftsführer von Wollmilchsau.de,

Digitalagentur für Personalmarketing und Employer Branding

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    Perspektiven: E-Recruiting, also die Personalsuche im Internet, liegt voll im Trend. Spielt die analoge Welt bei der Bewerbersuche heute überhaupt noch eine Rolle?

    Jan Kirchner: Über gedruckte Zeitungen erreicht man kaum noch potenzielle Bewerber: Die Auflagen schwinden und gerade junge Menschen lesen einfach keine Zeitung mehr. Es gibt aber auch abseits des Internets Möglichkeiten, die man nutzen kann. Zum Beispiel Plakate am Firmenstandort oder Hinweise an den Firmenfahrzeugen. Diese sollten allerdings zumeist nur ein ergänzender Baustein neben dem digitalen Recruiting sein.

     

    Perspektiven: Wo können Unternehmen mit dem E-Recruiting anfangen?

    Jan Kirchner: Ganz unabhängig von der Größe: Zunächst braucht jedes Unternehmen eine eigene Website, um sich möglichen Bewerbern zu präsentieren. Bei kleineren Unternehmen, zum Beispiel Handwerksbetrieben, sollte darauf direkt erkennbar sein, dass sie überhaupt Arbeitsplätze anbieten – zum Beispiel durch einen entsprechenden Hinweis auf der Startseite. Unternehmen mit einem größeren Mitarbeiterbedarf sollten auf jeden Fall einen eigenen Karrierebereich auf ihrer Homepage einrichten. Dort können sie nicht nur ihre Ausschreibungen veröffentlichen, sondern auch ihre Unternehmenskultur und Vorzüge als Arbeitgeber darstellen. Denn je größer der Fachkräftemangel, desto mehr müssen Unternehmen um Mitarbeiter werben. Die eigene Website ist heute das Herz des Personalmarketings. Sie sollte auch für die Darstellung auf mobilen Geräten optimiert sein, denn heute suchen bereits 20 bis 25 Prozent der Bewerber mit Smartphone & Co. nach einem neuen Job.

     

    Perspektiven: Social Media boomt. Allein Facebook verfügt in Deutschland über rund 30 Millionen Nutzer – ein Reichweitenpotenzial, das sich auch für die Jobsuche nutzen lässt?

    Jan Kirchner: Auf jeden Fall! Facebook ist das mit Abstand größte soziale Netzwerk in Deutschland – und heute so populär wie E-Mail. Vielleicht nutzt es nicht jeder permanent, aber man hat es einfach. Auch viele kleinere Betriebe präsentieren deshalb bereits auf einer eigenen Facebook-Seite ihre Leistungen oder Produkte. Sie können in Facebook außerdem Anzeigen schalten, die einer definierten Zielgruppe in einem bestimmten Umkreis angezeigt werden. Hier lässt sich ganz einfach eine Azubi-Stelle zusammen mit einem Link auf die eigene Unternehmens-Homepage posten. Damit erreicht man Leute, die eine Anzeige in einem Stellenportal oder auf der eigenen Homepage ansonsten womöglich nie ansehen würden, etwa weil ihnen die bestimmte Ausbildungsmöglichkeit gar nicht bekannt ist. Die möglicherweise bestehende Angst vor negativen Facebook-Kommentaren – zum Beispiel von unzufriedenen ehemaligen Mitarbeitern – würde ich nicht überbewerten. Falls so etwas vorkommen sollte, sind die Absender in der Regel identifizierbar. Außerdem können Kommentare gelöscht oder Stellung genommen werden. Die Vorteile sozialer Medien für das E-Recruiting überwiegen meines Erachtens deutlich.

     

    Perspektiven: Neben eigener Website und Social Media gibt es zahlreiche Internetplattformen speziell für die Bewerbersuche. Sind hier alle für jedes Unternehmen gleichermaßen interessant?

    Jan Kirchner: Generell sollte man sich überlegen, welche Zielgruppe man ansprechen möchte, und sich anschließend fragen, wo im Netz sich diese aufhält. Handwerker dürften kaum in Karriereportalen wie Xing zu finden sein. Sie spricht man eher in Online-Stellenbörsen oder den Foren von Fachmedien an. Meist gibt es dort auch einen Bereich, in dem man sein Jobangebot posten kann. Mit Jobbörsen muss man sich intensiv auseinandersetzen. In Deutschland gibt es mehr als 1.800 von ihnen. Hier kann das Geld für die Anzeige schnell in den Sand gesetzt werden – wenn man beispielsweise einen Azubi über eine Börse sucht, in der sich überwiegend Fachkräfte tummeln. Denn nach einem Ausbildungsplatz schauen junge Menschen noch häufig über die Agentur für Arbeit oder die IHK, auf deren Internet-Jobbörsen Unternehmen gratis Anzeigen schalten können. Und Google und spezielle Azubi-Plattformen werden viel verwendet.

     

    Perspektiven: Was sind Ihrer Meinung nach die zukünftigen Trends im E-Recruiting?

    Jan Kirchner: Für die etwas größeren Unternehmen werden Jobsuchmaschinen ein immer wichtigeres Thema. Jobsuchmaschinen ranken in Google ziemlich gut – und die Hälfte der Bewerber sucht ohnehin über Google nach einem neuen Job. Auch die meisten Besucher von Jobbörsen werden über solche Suchmaschinen auf die Seite geleitet. Umso wichtiger wird es, hier vertreten zu sein. Anzeigen schalten kann man dort manuell oder mittels sogenannter Multiposting-Programme, die die Anzeige gleichzeitig auf verschiedene Plattformen bringen. Ein weiteres großes Thema könnte eine neue Generation von Recruiting-Apps werden, die ähnlich wie bekannte Dating-Plattformen funktionieren. Das ist zwar noch ein vergleichsweise junger Trend. Unternehmen sollten in diesem Bereich aber die Augen offen halten.

  • Bildnachweise

    Fotos: istockphoto (peshkov, Wavebreakmedia), privat, Thinkstock / Jeff Huting

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