Steuern und Finanzen

Was 2022 wichtig wird

Im neuen Jahr kommen erneut viele Änderungen auf Freiberufler und Unternehmen zu. Die wichtigsten plus einige, die schon ein paar Monate in Kraft sind, aber nach wie vor besondere Beachtung verdienen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Im November haben sich die Ampel-Parteien auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Das könnte 2022 noch zu einigen neuen gesetzlichen Regelungen führen. Zum Beispiel sollen der gesetzliche Mindestlohn in einer einmaligen Anpassung auf 12 Euro pro Stunde erhöht, die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene „zu Genusszwecken“ in lizenzierten Geschäften erlaubt, die EEG-Umlage abgeschafft und 400.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden. Bis die Pläne der neuen Regierung in die Tat umgesetzt werden, gelten in jedem Fall schon mal die folgenden Anpassungen.

  • Körperschaftsteuerrecht modernisiert

    Personenhandels- und Partnerschaftsgesellschaften haben künftig die Möglichkeit, ertragsteuerlich wie eine Kapitalgesellschaft behandelt zu werden – ohne tatsächlich die Rechtsform zu wechseln. „Diese Option“, so Steuerexperte Jörg Rummel von der IHK für München und Oberbayern, „soll vor allem die internationale Wettbewerbsfähigkeit von mittelständischen Familienunternehmen in der Rechtsform der Kommanditgesellschaft oder einer offenen Handelsgesellschaft stärken.“ Die Unternehmen können den Antrag bereits erstmals für die nach dem 31. Dezember 2021 beginnenden Wirtschaftsjahre stellen. Jörg Rummel weist aber darauf hin: „Wer diese Option in Anspruch nehmen möchte, sollte auch die damit einhergehenden Konsequenzen – etwa auf der Ebene der Gesellschafter – im Auge behalten.“ Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Mitarbeiterbeteiligung attraktiver

    Der steuerliche Höchstbetrag für die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung von Vermögensbeteiligungen am Unternehmen des Arbeitgebers liegt seit 1. Juli 2021 bei 1.440 Euro – eine Vervierfachung gegenüber den vorherigen 360 Euro. Das sogenannte Fondsstandortgesetz umfasst unter bestimmten Voraussetzungen auch einen Besteuerungsaufschub und erleichtert es so zum Beispiel Start-ups, sich über eine Beteiligungsmöglichkeit am Unternehmen als attraktiverer Arbeitgeber für Fachkräfte zu präsentieren. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Neue Förderregeln bei E-Autos

    Die staatliche Subvention für Elektroautos wird angepasst: Plug-in-Hybride werden ab 2022 nur dann steuerlich begünstigt, wenn sie eine rein elektrische Mindestreichweite von 60 Kilometern haben (bislang 40 Kilometer). 2025 steigt diese Reichweite auf 80 Kilometer. Unabhängig von der Reichweite gibt es die Unterstützung, wenn das Auto höchstens 50 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstößt. Die sogenannte Innovationsprämie, die den staatlichen Anteil am Umweltbonus verdoppelt, wird bis Ende 2022 verlängert. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Re-Investitionsfrist bis Ende 2022

    Um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern, wurden die Re-Investitionsfristen des § 6b Einkommensteuergesetz und die Investitionsfrist des § 7g Einkommensteuergesetz um ein weiteres Jahr bis Ende 2022 verlängert. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Auszahlungsfrist für Corona-Bonus verlängert

    Die steuer- und sozialversicherungsfreie Corona-Sonderzahlung ist noch bis Ende März 2022 möglich. Der steuerfreie Gesamtbetrag von maximal 1.500 Euro zur Beihilfe und Unterstützung der Arbeitnehmer in der Pandemie hat sich aber nicht erhöht. Die ursprünglich schon Ende Juni 2021 auslaufende Frist wurde verlängert, um mögliche Liquiditätsengpässe des Arbeitgebers aufzufangen. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Speisen bleiben steuerbegünstigt

    Restaurants und Cafés profitieren bis zum 31. Dezember 2022 von einer ermäßigten Mehrwertsteuer auf Speisen, um Umsatzeinbußen während der Corona-Krise zumindest teilweise kompensieren zu können. Der reduzierte Satz von 7 Prozent gilt nicht für Getränke – wer sich in seiner Kneipe oder Bar auf den Ausschank beschränkt, hat also nichts davon. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Share-Deal-Regelung verschärft

    Um die Grunderwerbsteuer zu vermeiden, wurden in der Vergangenheit Immobilien in einem Unternehmen gebündelt und Anteile (Shares) an diesem Unternehmen – also nicht die Immobilien selbst – verkauft. Seit 1. Juli 2021 wird die Steuer bereits fällig, wenn Unternehmen 90 Prozent an einer Gesellschaft erwerben (vorher 95 Prozent). Zudem muss ein Minderheitsgesellschafter seinen Anteil 10 Jahre halten (vorher 5 Jahre). Die sogenannte Vorbehaltensfrist im Zusammenhang mit der Umstrukturierung wurde auf 15 Jahre verlängert. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Umlage für Insolvenzgeld sinkt

    Gemäß Verordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sinkt der Insolvenzgeldumlagesatz zum 1. Januar 2022 von bislang 0,12 Prozent auf 0,09 Prozent. Fast alle Arbeitgeber müssen diese monatliche Umlage zahlen. Sie errechnet sich grundsätzlich aus dem rentenversicherungspflichtigen Entgelt für die Beschäftigten. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Betriebliche Altersvorsorge erweitert

    Ab 2022 müssen Arbeitgeber jedem Arbeitnehmer, der eine betriebliche Altersvorsorge per Entgeltumwandlung hat, einen Zuschuss in Höhe von 15 Prozent des umgewandelten Gehalts (höchstens die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge) zahlen. Bislang galt diese Regelung aus dem Betriebsrentenstärkungsgesetz nur für Neuverträge ab dem 1. Januar 2019. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • „Gelber Zettel“ endgültig digital

    Das Meldeverfahren für die Krankschreibung von Beschäftigten wird ab 1. Juli 2022 komplett digital. Ab dann können Arbeitgeber die relevanten Daten zur Arbeitsunfähigkeit (AU) elektronisch bei den Krankenkassen abrufen. Bereits seit dem 1. Oktober 2021 sollen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die AU-Bescheinigungen digital an die Krankenkassen übermitteln. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Verkäufer müssen für Update sorgen

    Die Reform des Kaufrechts zum 1. Januar 2022 enthält unter anderem eine Update-Verpflichtung für Verkäufer bei Waren mit digitalen Elementen – also zum Beispiel Smartphones, Navigationssysteme oder Saugroboter. Die Neuregelung betrifft stationäre Händler und Online-Shops, aber auch Hersteller, die eventuell von Händlern in Regress genommen werden können. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Verbraucherposition gestärkt

    Unerlaubte Telefonwerbung, telefonisch aufgedrängte oder untergeschobene Verträge – das Gesetz für faire Verbraucherverträge soll Konsumenten besser davor schützen. Am 1. März 2022 treten neue Kündigungsregeln in Kraft, bei online geschlossenen Verträgen muss ab 1. Juli 2022 prominent ein Kündigungsbutton eingebunden sein. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • EEG-Umlage deutlich niedriger

    Im neuen Jahr sinkt die Umlage für Strom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf 3,723 Cent pro Kilowattstunde. Bislang lag sie bei 6,500 ct/kWh. Der Hintergrund: Die deutlich gestiegenen Börsenstrompreise kommen auch den Vermarktungserlösen für erneuerbaren Strom zugute – der Förderbedarf ist gesunken. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Elektroschrott für Aldi, Lidl & Co

    Zum 1. Januar 2022 treten Änderungen des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes in Kraft. Ein zentraler Punkt ist die erweiterte Rücknahmepflicht für kleinere Altgeräte. Sie gilt ab 1. Juli 2022 zum Beispiel auch für größere Lebensmittelmärkte, sofern sie mehrmals im Jahr oder regelmäßig Elektrogeräte anbieten. Bestellt ein Kunde ein neues Gerät bei einem Online-Händler, muss ihm dieser künftig die kostenlose Abholung und Entsorgung eines entsprechenden Altgeräts anbieten. Für größere Geräte gilt die Rücknahmepflicht auch weiterhin nur, wenn sich der Kunde ein neues, vergleichbares Gerät kauft. Hier finden Sie weitere Informationen.

  • Schluss mit Plastiktüten!

    Ab 1. Januar 2022 darf der Einzelhandel seiner Kundschaft keine leichten Kunststoff-Tragetaschen mehr mit auf den Weg geben. Das Verpackungsgesetz verbietet dann Plastiktüten mit einer Wandstärke zwischen 15 und 50 Mikrometern. Besonders leichte Tüten mit einer Wandstärke von weniger als 15 Mikrometern, etwa für Obst und Gemüse, sind weiterhin erlaubt. Hier finden Sie weitere Informationen.

Der Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 13. Dezember 2021

Wirtschaftlicher Ausblick

Von Dr. Marco Bargel, Postbank Senior Kapitalmarktstratege

Stand: 02. Dezember 2021

Konjunktur Europa

Aufschwung setzt sich fort

US-Konjunktur

Gebremstes Wachstum

Konjunktur China

Gemischte Aussichten

Rohstoffe / Öl

Niedrigere Preise nicht in Sicht

Geldpolitik Europa

Kein Anlass für steigende Renditen

Geldpolitik USA

Leitzinsanhebung am Horizont

  • Bildnachweise

    Aufmacher: iStockphoto / MicroStockHub; Weitere Fotos: istockphoto (kontrast-fotodesign, Mlenny, nielubieklonu, tomograf, VanderWolf-Images, Wysiati, zhaojiankang)

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