Perspektiven

Mit Instagram
& Co. zum Erfolg

Nicht nur die Suche nach Fachkräften wird zunehmend schwieriger. Auch immer mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Wie Mittelständler im Kampf um Azubis dennoch punkten können.

Azubisuche

oofenster Berlin, 18. Etage: Hier, an einer der exklusivsten Adressen der Hauptstadt, befinden sich die Geschäftsräume der Kasten-Mann Real Estate Advisors GmbH & Co. KG. Aus den lichtdurchfluteten Büros der Immobilienberater schweift der Blick weit über den Tiergarten bis zum Potsdamer Platz. Das 1954 gegründete Unternehmen ist gut im Geschäft. Ein Anreiz für Auszubildende? Anscheinend nicht. Dirk Kasten, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, wird in diesem Jahr wohl keinen Auszubildenden einstellen können – weil er keinen findet. Die Schwierigkeiten, geeignete Kandidaten für den Beruf des Immobilienmaklers zu finden, macht der Unternehmer an drei Punkten fest: „Andere Berufe sind einfach viel mehr nachgefragt, das verknappt die Anzahl der Bewerber per se“, so Kasten, „und bei den verbleibenden Interessenten scheitert es dann an einer schlechten Schulbildung oder daran, dass es vom Typ her einfach nicht passt. Wir brauchen hier einen zielstrebigen, offenen Nachwuchs mit positiver Lebenseinstellung.“

 

So wie Dirk Kasten geht es vielen deutschen Mittelständlern: Im Ausbildungsjahr 2016/2017 blieben fast 49.000 Berufsausbildungsstellen unbesetzt, 12,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im neuen Ausbildungsjahr dürfte die Bilanz nicht viel besser ausfallen.

 

Büromanagement top, Friseur floppt

Wer einen Blick auf die Erhebungen wirft, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) jährlich zum
30. September veröffentlicht, stellt fest: In den Top 5 der beliebtesten Lehrberufe tut sich seit Jahren wenig. Kauffrau für Büromanagement und Kfz-Mechatroniker, zwei der 326 anerkannten Ausbildungsberufe in Deutschland, belegen seit Jahren die vordersten Plätze. Auf die fünf häufigsten Berufe entfielen im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt etwa ein Viertel der rund 510.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Schlusslichter dagegen sind Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur, so der Entwurf zum Berufsbildungsbericht 2018.

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Die beliebtesten Ausbildungsberufe

Platz 1 Männer: Kraftfahrzeugmechatroniker

Frauen: Kauffrau für Büromanagement

Platz 2 Männer: Elektroniker

Frauen: Medizinische Fachangestellte

Platz 3 Frauen: Zahnmedizinische Fachangestellte

Männer: Fachinformatiker

Employer Branding: Präsenz zeigen auf allen Kanälen

Selbst Unternehmen, die eine Ausbildung in einem der beliebteren Ausbildungsberufe anbieten, müssen sich mittlerweile etwas einfallen lassen, um geeignete Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen. Ohne Website mit eigenem Ausbildungsbereich geht hier auch für kleinere Unternehmen gar nichts. Viele größere Unternehmen setzen heute losgelöst vom Firmenauftritt zusätzlich eine eigene Karriere-Website auf, auf der zum Beispiel aktuelle Azubis in einem Blog regelmäßig über die Inhalte ihrer Ausbildung berichten. Wichtig: Die Internetpräsenz sollte suchmaschinenoptimiert (seo) sein, damit sie bei Google auch gefunden wird, zum Beispiel unter den Schlüsselwörtern des Ausbildungsberufs und der Region, in der sich der Betrieb befindet. Und sie sollte auch auf dem Smartphone funktionieren: Zwei Drittel der 2018 vom „Trendence Schülerbarometer“ befragten Schüler recherchieren am Handy über Ausbildung und Co.

 

Punkten lässt sich bei der jungen Zielgruppe der Azubis auch über Social-Media-Plattformen. In diesem Jahr nutzen über die Hälfte der Schüler soziale Netzwerke, um sich über Beruf und Karriere zu informieren; im vergangenen Jahr waren es nur rund 40 Prozent. „Schüler, Schulabgänger oder Studienabbrecher erreichen wir am besten über Instagram“, berichtet der Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebs aus Baden-Württemberg. Der Instagram Business Account ist wie der Privatkunden-Account grundsätzlich kostenlos. Facebook hingegen sei mittlerweile eher etwas für die Zielgruppe 30 plus, so der Mittelständler.

Postbank

Ausbildung bei der Postbank

Die Postbank versteht Ausbildung nicht nur als Entwicklungsprozess, sondern auch als Vorbereitung auf ein dauerhaftes Lernen im späteren Berufsleben. Deshalb setzt das Unternehmen auf intensive persönliche Betreuung der Auszubildenden und investiert in zusätzliche Qualifikations- und Fördermaßnahmen. Dass diese Einstellung ankommt, zeigt das Trendence Schülerbarometer: Die darin befragten jungen Menschen wählten die Postbank unter die 100 „Top Arbeitgeber Deutschland 2017/18“. Mehr zum Thema Ausbildung bei der Postbank erfahren Sie hier.

Aufnahme der Postbank-Zentrale

Mit Glasbruch zum Erfolg

Ein Glasereibetrieb aus Niedersachsen schaffte es allerdings zu Beginn des Jahres, mit einem einfachen bei Facebook hochgeladenen 80-sekündigen Videoclip einen Internet-Hit für die Azubisuche zu landen. Mehrere Millionen Nutzer sahen sich das Video an, in dem der Glaser erst aufmerksamkeitsstark eine Scheibe zu Bruch gehen lässt und dann ganz trocken norddeutsch erzählt, dass ihm die Herkunft und Schulbildung seiner Bewerber egal sei und dass er bei einem guten Ausbildungsverlauf unter anderem 100 Euro mehr als den Tarif in die Lohntüte packen würde. Sogar das Fernsehen und Bild online berichteten schließlich über das Video.

Stehen Website und Social-Media-Angebote, so müssen diese natürlich noch bei den potenziellen Bewerbern bekannt gemacht werden. Auch das geht im Netz, zum Beispiel über die gemeinsame Lehrstellenbörse der IHKs. Das Inserieren in dem bundesweiten Angebot ist kostenfrei. Bewerber identifizieren passende Angebote über eine praktische Suchfunktion. Betriebe, die von der Qualität ihrer Ausbildung überzeugt sind, können sich ab 3.300 Euro von der Bewertungsplattform „Best Place to Learn“ zertifizieren und in der dazugehörigen Lehrstellenbörse AUBI-plus listen lassen. Eine Zertifizierung zum „Top Ausbildungsbetrieb“ bietet das Deutsche Institut für Qualitätsstandards und -prüfung e.V. an. Die im „Trendence Schülerbarometer“ als Top-Arbeitgeber gelisteten Unternehmen werden jährlich durch eine groß angelegte Umfrage unter Schülerinnen und Schülern der Klassen 8 bis 13 ermittelt. Hier finden sich allerdings nur große Unternehmen mit bundesweit bekannten Namen. Platz 1 belegte 2018 die Polizei.

 

Doch auch über eine klassische Stellenanzeige in der gedruckten regionalen Tageszeitung lassen sich noch Bewerber finden: „Nicht selten erzählen uns junge Bewerber, ihre Oma habe ihnen ein Ausbildungsangebot aus der Zeitung gegeben“, sagt der Mittelständler mit Instagram Business Account aus Baden-Württemberg. Weiter informiert und beworben werde sich dann allerdings doch online.

Weitere Tipps zur Azubisuche

  • 1. Binden Sie Ihren Betrieb und Ihre Mitarbeiter mit ein

    • Motivation: Starten Sie eine Aktion „Mitarbeiter suchen Azubis“.
    • Im Gespräch bleiben: Veranstalten Sie regelmäßig „Ehemaligentreffen“ mit Ex-Auszubildenden und Ex-Praktikanten.
    • Gesehen werden: Bringen Sie Aufkleber auf Ihren Firmenfahrzeugen an, hängen Sie ein großes Banner über den Eingang oder bekleben Sie Ihre Schaufenster. Auch ein großes Plakat im Einzugsgebiet schafft Aufmerksamkeit.
  • 2. Machen Sie Ihre Webseite „Azubi-tauglich“

    • Startseite: Setzen Sie einen auffälligen Button mit Verweis auf freie Lehrstellen und verlinken Sie auf die (neue) Azubi-Seite, wo der Interessent mehr erfährt.
    • Azubi-Seite: Bitten Sie einen Auszubildenden aus Ihrem Betrieb um einen kleinen Beitrag, z. B. einen Erlebnisbericht. Das macht die Seite authentisch.
    • Azubi-Blog: Vielleicht entdecken Ihre Auszubildenden den Spaß am Schreiben und mittelfristig entsteht ein Azubi-Blog.
  • 3. Nutzen Sie die Möglichkeiten von Social Media

    • Facebook, Instagram, Youtube: Präsentieren Sie sich mit humorvollen Posts, interessanten GIFs oder kurzen Videos. Ziel ist es, dass Ihre Beiträge unterhalten und geteilt werden.
    • XING und LinkedIn: Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Qualitäten als Arbeitgeber zu kommunizieren und sich fachlich zu profilieren.
  • 4. Lernen Sie Ihre zukünftigen Azubis persönlich kennen

    • Partner: Schließen Sie Kooperationen mit Schulen, vergeben Sie z. B. regelmäßig Praktikumsplätze.
    • Veranstaltungen: Besuchen Sie Schülermessen, nehmen Sie Ihre Azubis mit und lassen sie aus ihrem Alltag berichten.
    • Schwarzes Brett: Vom Ferienjob bis zur Einladung zum Info-Abend, hier werden Ihre Nachrichten gelesen.
  • 5. Werden Sie Teil Ihres regionalen Netzwerks

    • Informationsquelle: Nutzen Sie die Lehrstellenbörsen der HWK und IHK.
    • Kampagnen: Viele Kommunen betreiben regionale Azubi-Werbung. Springen Sie auf den Zug auf!

Was sich Azubis wünschen

Unterm Strich zählt natürlich auch, was ein Ausbildungsbetrieb zu bieten hat. Das Handy als Geschenk zum Einstieg ins Berufsleben steht dabei nicht an erster Stelle, wie eine Untersuchung des BIBB ergab. Vielmehr zeigen sich die Jugendlichen bei ihren Wünschen an den künftigen Ausbildungsbetrieb konservativ: Das Potenzial des Betriebs als langfristiger Arbeitgeber und ein positives Arbeitsklima stehen ganz oben auf der Wunschliste.

 

Trotzdem zählen auch handfeste Dinge: Bei der DSR Hotel Holding in Hamburg, zu der u. a. die A-ROSA Resorts und das 5-Sterne-Hotel Louis C. Jacob zählen, hält man neben dem guten Namen für neue Mitarbeiter ein Personalhaus bereit und unterstützt bei der Wohnungssuche. Auszubildenden stehen neben Ausbildungsbeauftragten spezielle „Azubi-Paten“ zur Seite. Da finden sich dann auch ausreichend Bewerber für den Beruf des Kochs oder des Restaurantfachmanns. Und selbst vermeintlich langweilige Klassiker wie das Zahlen vermögenswirksamer Leistungen auf einen Bausparvertrag können ein wichtiges Instrument sein, um junge Menschen für ein Unternehmen zu begeistern.

 

Eine lohnende Investition

Apropos Geld: Pro Ausbildungsjahr belaufen sich nach Berechnungen des BIBB die Bruttokosten, also die gesamten Kosten, die ein Betrieb für die Ausbildung aufwenden muss, pro Auszubildendem im Durchschnitt auf 17.933 Euro. Die Azubis leisten allerdings auch einen Beitrag zur Produktion von Waren und Dienstleistungen. Zieht man diese Leistungen in Höhe von durchschnittlich 12.535 Euro von den Bruttokosten ab, so ergeben sich für die Betriebe je Auszubildenden durchschnittliche jährliche Nettokosten von rund 5.400 Euro.

 

Eine lohnende Investition. Denn übernimmt der Betrieb den Azubi nach der Ausbildung, spart er bis zu 8.715 Euro für die Suche und Einarbeitung einer neuen Fachkraft. Und er hat einen bereits erprobten Mitarbeiter an Bord, der sich im Unternehmen schon bestens auskennt.

  • Bildnachweise

    Aufmacher-Slider: iStockphoto / Geber86 (2); Fotos: iStockphoto (AntonioGuillem, lovro77, SeventyFour, shironosov, steluk, sturti), Postbank

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