Ab in die Cloud

Cloud-Computing wächst rasant. Auch immer mehr deutsche Mittelständler nutzen es.
So funktioniert die Datenwolke.

Digitalisierung

ür Niklas Sobotka ist Cloud-Computing längst Alltag. Vor drei Jahren hat der heute 32-Jährige eine Zimmerei in Oberfranken übernommen. „Der Traditionsbetrieb war etwas in die Jahre gekommen, bot aber viel Potenzial“, sagt der Tischlermeister. Zwar waren die Werkzeuge und Maschinen in tadellosem Zustand. Weniger Aufmerksamkeit hatte der Vorbesitzer hingegen administrativen Dingen gewidmet. „In der Buchhaltung herrschte ein ziemliches Durcheinander“, erinnert sich Sobotka. „Es fehlten Belege und auch die eine oder andere Rechnung war wohl nie rausgegangen.“ Die „Buchhaltungssoftware“ bestand aus einigen Excel-Tabellen auf dem veralteten Firmen-PC. Sofort neue Hardware und teure Programme anzuschaffen, kam für Sobotka allerdings nicht infrage, zumal gar nicht sicher war, wie gut sich die Geschäfte nach der Übernahme entwickeln würden. Stattdessen entschied er sich für eine cloudbasierte Buchhaltungs- und Rechnungslösung. „Für nicht einmal 25 Euro monatlich bekam ich eine voll funktionsfähige Buchhaltungs- und Abrechnungssoftware, auf die ich sowohl am Desktop-Rechner im Betrieb als auch zu Hause am Tablet und sogar unterwegs auf dem Smartphone ganz einfach browserbasiert zugreifen konnte“, erklärt Sobotka. Die Geschäfte laufen mittlerweile gut. Seiner Cloudlösung ist der Tischlermeister dennoch treu geblieben. Denn dank zubuchbarer Leistungen bietet diese – wie sein Betrieb – noch einiges an Potenzial.

 

Die Aussichten: zunehmend wolkig

Aktuell nutzen nach einer Studie des Digitalverbands Bitkom bereits drei Viertel der Unternehmen in Deutschland Cloud-Computing-Angebote. Allein im Jahr 2018 legte demnach die Cloud-Nutzung gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent zu. Mehr als die Hälfte der Befragten bescheinigten dem Cloud-Computing zudem einen „eher großen“ oder sogar „sehr großen“ Beitrag zur digitalen Transformation ihres Unternehmens – vor allem bei der Digitalisierung interner Prozesse und der Entwicklung digitaler Sales- und Servicekanäle. „In der Praxis sind Cloud-Lösungen der Motor der Digitalisierung“, lautet das Fazit von Peter Heidkamp, Head of Technology bei der Unternehmensberatung KPMG, dem Auftraggeber der Studie. Während für große Konzerne Cloud-Computing längst unverzichtbar ist, um große Datenmengen auszuwerten, die Produktion zu vernetzen oder neue, plattformbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln, profitieren mittlerweile auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen wie der Handwerksbetrieb von Niklas Sobotka von der Cloud-Nutzung.

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Schritt für Schritt zur passenden Cloud-Lösung

Quelle: „Kurzleitfaden Auswahl und Einführung von Cloud-Lösungen“, Mittelstand 4.0-Agentur Cloud c/o Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

Private oder public – so funktioniert die Cloud

Die Cloud ist in ihrer Grundfunktionalität nichts anderes als Speicherplatz oder Rechenkapazität auf einem Server – je nach Servicemodell ergänzt um verschiedene Funktionalitäten. Die Server stehen entweder bei externen Anbietern und sind vom Nutzer verschlüsselt über das Internet zu erreichen (Public Cloud, etwa via Telekom, Amazon Web Services, Google oder Microsoft) oder sie sind ausschließlich über das unternehmenseigene Intranet zugänglich (Private Cloud). In letzterem Fall werden die Cloud-Server entweder vom Unternehmen selbst oder von einem externen Anbieter betrieben. Eine Sonderform der Private Cloud ist die Community Cloud. Hier erhalten Mitarbeiter verschiedener Unternehmen Zugang zu einer Private Cloud, zum Beispiel um zeitlich begrenzt im Team an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Manche Nutzer setzen auch auf eine Mischung aus Public und Private Cloud, die sogenannte Hybrid Cloud. Dabei laufen bestimmte Services bei öffentlichen Cloud-Anbietern, während besonders schutzwürdige Anwendungen und Daten in der Private Cloud verbleiben.

 

Von IaaS bis SaaS – die Cloud-Service-Modelle

Im Fachjargon spricht man bei reinen IT-Infrastrukturangeboten von „Infrastructure as a Service“ (IaaS). Einfache Beispiele dafür sind Online-Speicher wie Google Drive oder Apples iCloud. Einen Schritt weiter geht „Software as a Service“ (SaaS): Dem Nutzer wird in der Cloud Software zur Verfügung gestellt, die er auf Abonnementbasis nutzt. Dabei gibt es zum einen rein onlinebasierte Services, die keine Installation auf dem Gerät des Nutzers erfordern – etwa das Content-Management-System WordPress –, und zum anderen die Kombination aus Online-Services und Desktop-Software beziehungsweise Apps – etwa Microsoft Office 365. Vorteil der Kombinationsvariante: Die Desktop-Software kann auch offline genutzt werden. Allerdings erlöschen im Gegensatz zu herkömmlichen Lizenzen nach Ablauf des Abonnements die Nutzungsrechte auch an der heruntergeladenen Software. Die neben IaaS und SaaS dritte Form von Cloud-Services heißt PaaS oder „Platform as a Service“. Unter PaaS versteht man eine Plattform für die Entwicklung und den Vertrieb cloudbasierter Anwendungen.

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft erwarten Experten, dass bis zum Jahr 2021 weltweit die gewaltige Datenmenge von mehr als 14.000 Exabyte in der Cloud gespeichert sein wird.
1 Exabyte entspricht 1 Milliarde Gigabyte!

Diese Vorteile bietet Cloud-Computing

  • Flexibilität: Alle Cloud-Angebote lassen sich beliebig erweitern. Je nach Auftragslage eines Unternehmens können Speicherplatz oder Rechenleistung von diesem also kurzfristig hinzugebucht oder reduziert werden.
  • Kostenersparnis: Für den Nutzer entfallen Investitionen in Hardware und ihre Wartung, die Installation und Konfiguration von Software sowie die entsprechenden Personalkosten.
  • Aktualität: Bei der Nutzung von Produkten aus der Cloud hat der Nutzer automatisch Zugriff auf die aktuellste Version der Software inklusive Updates und Sicherheits-Patches.
  • Effizienz: Mitarbeiter an verschiedenen Standorten können in der Cloud gemeinsam am selben Datensatz arbeiten. Der zeitaufwendige Austausch und das fehleranfällige Zusammenführen verschiedener Dokumentenversionen entfallen. Freelancer oder Crowdworker können situativ in den Arbeitsprozess eingebunden werden.
  • Sicherheit: Zertifizierte Cloud-Anbieter erfüllen höchste Sicherheitsstandards, die insbesondere die IT in kleineren Unternehmen häufig nicht bieten kann. Ein Back-up in der Cloud sichert wichtige Firmendaten gegen Verlust, zum Beispiel durch einen Hackerangriff auf das Unternehmen.

 

Auf Nummer sicher gehen – mit zertifizierten Anbietern

Apropos Sicherheit: Wer Cloud-Anbietern wichtige Firmendaten anvertraut, sollte sichergehen, dass diese sie auch angemessen schützen. Wichtig ist das nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die Konformität mit der DSGVO war denn auch für die in der oben erwähnten Bitkom-Studie befragten Unternehmen das wichtigste Kriterium für die Auswahl ihres Cloud-Providers. Die Initiative „Mittelstand 4.0-Agentur Cloud“ empfiehlt, ausschließlich die Angebote zertifizierter Anbieter zu nutzen. Damit lagert der Cloud-Nutzer seine Verpflichtung aus, regelmäßig zu überprüfen, ob der von ihm gewählte Cloud-Anbieter die Datenschutzverpflichtungen erfüllt. Cloud-Anbieter werden zum Beispiel von der Trusted Cloud-Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums, dem TÜV oder dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert.

 

Allgemein gilt: Wichtig ist die alltägliche Verlässlichkeit. Immerhin berichten in der Bitkom-Studie 43 Prozent der Unternehmen von Ausfällen aufgrund technischer Probleme seitens des Cloud-Providers. Nicht zuletzt ist die Nutzung von Cloud-Services natürlich nur dann sinnvoll, wenn ausreichend Bandbreite für den Up- und Download von Daten zur Verfügung steht.

 

Tipp: Die meisten Cloud-Anbieter bieten kostenlose Testversionen ihrer Services an. Unternehmen können so in Ruhe ausprobieren, ob die anvisierte Cloud-Lösung für ihre Zwecke die richtige ist.

  • Linkliste

    Eine Online-Suche für Anbieter von Cloud-Services bietet die Trusted Cloud-Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

    Ebenfalls vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO stammt das Whitepaper „Die Cloud – Chancen & Nutzen für den Mittelstand“.

    Unter anderem Informationen zur Sicherheit beim Cloud- Computing bietet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf seiner Homepage.

    News und Hintergrundberichte rund um das Thema Cloud bietet auch das Online-Magazin CloudComputing-Insider.

    Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO hat einen kostenlosen Leitfaden zur „Auswahl vertrauenswürdiger Cloud-Services für das Handwerk“ herausgegeben.

    Eine Themenseite zum Cloud-Computing hat der Digitalverband Bitkom zusammengestellt.

    Mit allen Aspekten der Cloud-Nutzung für Business-Entscheider beschäftigt sich das Online-Magazin cloudmagazin.com.

  • Bildnachweise

    Aufmachervideo: iStockphoto (motionxcom)

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