Lesedauer: 6 Minuten

Coronavirus-Krise

Schnelle Hilfe: Wie Unternehmen jetzt staatliche Unterstützung beantragen

Hunderttausende Unternehmen, die durch die Coronavirus-Pandemie in Not geraten sind, wollen die staatlichen Zuschüsse und Kredite für Selbstständige und Unternehmen in Anspruch nehmen. Durch gute Vorbereitung lässt sich das Verfahren beschleunigen.

Seit Ende März können Soloselbstständige, Freiberufler und Kleinbetriebe mit bis zu zehn Beschäftigten bei den Landesförderinstituten staatliche Corona-Soforthilfe in Form direkter Zuschüsse beantragen. Die Zuschüsse setzen sich aus Soforthilfen des Bundes und der Länder zusammen. Zudem können alle Unternehmen, die dafür die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen, bei ihrer Hausbank Förderkredite der KfW vereinfacht und zu verbesserten Konditionen beantragen, etwa den KfW-Unternehmerkredit, den ERP-Gründerkredit – Universell und den KfW-Schnellkredit für den Mittelstand.

 

Gerade bei der Corona-Soforthilfe ist allerdings häufig Geduld angesagt: In den ersten Tagen war der Andrang Hilfesuchender so groß, dass bei einigen Förderinstituten die Server zusammenbrachen. Allein bei der Investitionsbank Berlin (IBB) gingen mehrere Hunderttausend Anträge für direkte Zuschüsse ein. In den ersten drei Arbeitstagen nach der Freischaltung des digitalen Antragsverfahrens wurden nach Angaben der IBB rund 900 Millionen Euro kombinierter Bundes- und Landeszuschüsse an mehr als 100.000 Kleinunternehmen und Soloselbstständige in Berlin ausgezahlt.

 

Die KfW Bank hat eigenen Angaben zufolge in den ersten eineinhalb Wochen seit dem Start des KfW-Sonderprogramms bundesweit 2.432 Anträge für Kredite im Gesamtvolumen von rund 9,8 Milliarden Euro über die Hausbanken entgegengenommen.

 

Gute Vorbereitung sichert schnelle Auszahlung

Um das Antragsverfahren zu beschleunigen, sollten sich Selbstständige und Unternehmen, die Soforthilfen oder KfW-Kredite in Anspruch nehmen möchten, auf jeden Fall gut vorbereiten. Im Folgenden haben wir die grundsätzlichen Voraussetzungen und benötigten Unterlagen kurz zusammengefasst.

  • Soforthilfen

    Anträge für die Soforthilfen des Bundes und der Länder können abhängig vom Bundesland direkt bei den Landesförderinstituten, anderen Landesbehörden und zum Teil auch bei den IHKs und HWKs gestellt werden. Links zu den entsprechenden Institutionen finden Sie hier.

     

    Diese Voraussetzungen müssen Sie erfüllen:

    • Sie sind Soloselbstständiger, Angehöriger der Freien Berufe, Landwirt oder Inhaber eines kleinen Unternehmens mit bis zu zehn Beschäftigten (Vollzeitäquivalente).
    • Sie sind wirtschaftlich am Markt tätig.
    • Sie führen Ihre Tätigkeit von einer inländischen Betriebsstätte oder einem inländischen Sitz der Geschäftsführung aus und sind bei einem deutschen Finanzamt angemeldet.
    • Ihr Unternehmen war am 31.12.2019 finanziell gesund und ist nachweisbar erst durch die Coronavirus-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

     

    Diese Informationen benötigen Sie für den Antrag:

    • Ihre Mitglieds- bzw. Betriebsnummer der IHK, HWK oder einer anderen Kammer, eines Berufsverbandes oder einer ähnlichen Einrichtung
    • das Gründungsdatum und die Rechtsform Ihres Unternehmens
    • Ihre Handelsregisternummer (soweit vorhanden)
    • die Steuernummer Ihres Unternehmens
    • die Steueridentifikationsnummer (Steuer-ID) des Betriebsinhabers (nur bei Einzelunternehmen)
    • die Branche bzw. Art Ihrer gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit
    • Ihre Bankverbindung
    • die aktuelle Anzahl Ihrer Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten (VZÄ). Das heißt, wie viele Vollzeitstellen ergeben sich rechnerisch. Bei einer Belegung mit Teilzeitbeschäftigten gilt folgender Schlüssel:
    • Mitarbeiter bis 20 Stunden = Faktor 0,5
    • Mitarbeiter bis 30 Stunden = Faktor 0,75
    • Mitarbeiter mit mehr als 30 Stunden und Auszubildende = Faktor 1
    • Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis = Faktor 0,3

    Gut zu wissen: Als Unternehmer bzw. Inhaber zählen Sie bei der Berechnung mit. Das ist wichtig, weil sich die Höhe der möglichen Zuschüsse auch nach der Gesamtmitarbeiterzahl bemisst. Der Stichtag für die Berechnung der Beschäftigtenzahl ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Informationen dazu finden Sie in der Antragsmaske Ihrer zuständigen Antragsbehörde.

    • Angaben zur Höhe des bestehenden und/oder erwarteten Liquiditätsengpasses
    • Information zu Hilfen, die von Ihnen bereits im Rahmen der Coronavirus-Krise beantragt wurden oder die Sie noch beantragen wollen.
    • Angaben dazu, warum Sie oder Ihr Unternehmen sich in einer existenzbedrohenden Wirtschaftslage befinden.
    • Gegebenenfalls Angaben zu De-minimis-Beihilfen (bei Tätigkeit im gewerblichen Straßengüterverkehr)

     

    Wichtig: Falschangaben können den Tatbestand des Subventionsbetrugs erfüllen und zu entsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen führen.

  • KfW-Kredite

    Die Anträge für die Förderkredite der staatlichen KfW Bank müssen wie gehabt bei der Hausbank gestellt werden. Die Voraussetzungen richten sich nach dem jeweiligen Kreditprogramm. Den Kreditantrag für Ihre Bank oder Sparkasse können Sie unter https://corona.kfw.de/ vorbereiten. Gut zu wissen: Falls die Krise länger andauert, können Sie später weitere Anträge stellen. Sollte die Krise schneller vorbei sein als erwartet, können Sie auf nicht abgerufene Teilbeträge Ihres Kredits verzichten – ohne Kosten und Gebühren.

    • KfW-Schnellkredit

      Für Investitionen und laufende Kosten mittelständischer Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern wurde am 6. April der KfW-Schnellkredit ins Leben gerufen. Der Kredit wird zu 100 Prozent durch eine Garantie des Bundes abgesichert. Das erhöht für entsprechende Unternehmen deutlich die Chance, eine Kreditzusage zu erhalten.

       

      Diese grundsätzlichen Voraussetzungen müssen Sie erfüllen:

      • Ihr Unternehmen ist mindestens seit Januar 2019 am Markt.
      • Sie haben 11 bis 249 Mitarbeiter.
      • Sie haben zuletzt einen Gewinn erwirtschaftet – entweder 2019 oder im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre.

       

      Diese Informationen werden grundsätzlich benötigt:

      Welche Informationen für die Beantragung des KfW-Schnellkredits erforderlich sind, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Informationen dazu erhalten Sie auf der KfW-Homepage.

    • ERP-Gründerkredit – Universell

      Alle Details zum ERP-Gründerkredit – Universell im Rahmen des KfW-Sonderprogramms finden Sie in einem Merkblatt der KfW.

       

      Diese grundsätzlichen Voraussetzungen müssen Sie erfüllen:

      • Ihr Unternehmen war zum 31.12.2019 wirtschaftlich gesund.
      • Sie sind als Existenzgründer, Unternehmensnachfolger, Unternehmen oder Freiberufler mindestens drei Jahre am Markt aktiv oder können zwei Jahresabschlüsse vorweisen. Sollte dies nicht der Fall sein, muss Ihr Finanzierungspartner bereit sein, das volle Kreditrisiko zu tragen.
      • Sie möchten Investitionen (Ausnahme: Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien) oder Betriebsmittel finanzieren.
      • Ihr Finanzierungsvorhaben ist noch nicht abgeschlossen (Nachfinanzierungen sind nicht möglich).

       

      Ob Sie die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Kreditvergabe in der von Ihnen gewünschten Summe erfüllen, klärt Ihr Finanzierungspartner mit Ihnen bei der Antragstellung.

       

      Diese Informationen werden grundsätzlich benötigt:

      • Ihr Jahresumsatz 2019
      • Ihre Lohnkosten 2019
      • Ihr Liquiditätsbedarf für zwölf Monate (z.B. Anschaffungen, Miete, Leasing und laufende Kredite, Personalkosten, Strom und Heizung, Kosten für Werbung und Beratung)
      • Ihr gewünschter Kreditbedarf
      • Angaben zum Verwendungszweck
    • KfW-Unternehmerkredit

      Alle Details zum KfW-Unternehmerkredit im Rahmen des KfW-Sonderprogramms finden Sie in einem Merkblatt der KfW.

       

      Diese grundsätzlichen Voraussetzungen müssen Sie erfüllen:

      • Ihr Unternehmen war zum 31.12.2019 wirtschaftlich gesund.
      • Sie sind als Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Unternehmer oder Freiberufler mit Sitz in Deutschland mindestens fünf Jahre am Markt aktiv.
      • Sie möchten Investitionen (Ausnahme: Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien) oder Betriebsmittel finanzieren.
      • Ihr Finanzierungsvorhaben ist noch nicht abgeschlossen (Nachfinanzierungen sind nicht möglich).
      • Ihr Umsatz beträgt maximal 500 Millionen Euro pro Jahr.

       

      Ob Sie die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Kreditvergabe in der von Ihnen gewünschten Summe erfüllen, klärt Ihr Finanzierungspartner mit Ihnen bei der Antragstellung.

       

      Diese Informationen werden grundsätzlich benötigt:

      • Ihr Jahresumsatz 2019
      • Ihre Lohnkosten 2019
      • Ihr Liquiditätsbedarf für zwölf Monate (z.B. Anschaffungen, Miete, Leasing und laufende Kredite, Personalkosten, Strom und Heizung, Kosten für Werbung und Beratung)
      • Ihr gewünschter Kreditbedarf
      • Angaben zum Verwendungszweck
      • Für kleine und mittlere Unternehmen gemäß Definition der Europäischen Union die Selbsterklärung zur Einhaltung dieser Definition (für verflochtene Unternehmen KfW-Formularnummer 600 000 0196; für nicht verflochtene Unternehmen KfW-Formularnummer 600 000 0095)
    • Das gilt für Postbank Kunden

      Geschäftskunden

       

      Für die Beantragung der KfW-Kredite benötigen wir folgende Unterlagen von Ihnen:

      • Ihren Jahresabschluss bzw. Ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung 2018
      • Ihre betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) und die Summen- und Saldenliste per 12/2019
      • Eine aktuelle persönliche Selbstauskunft (bitte verwenden Sie unser Postbank Formular)
      • Ihren Einkommensteuerbescheid 2018 (nicht bei Kapitalgesellschaften)

       

      Sobald Sie als bestehender Postbank Geschäftskunde Ihre Unterlagen zusammengestellt haben, wenden Sie sich zur Kreditbeantragung entweder an Ihren persönlichen Berater, rufen Sie im Postbank Business Center unter der Telefonnummer 0228 5500 4444 an oder schreiben Sie uns eine E-Mail an business@postbank.de. Aktuelle Informationen finden Sie im Bereich Geschäftskunden auf der Postbank Homepage.

       

      Firmenkunden

       

      Wenn Sie als Firmenkunde der Postbank einen Kredit aus dem KfW-Sonderprogramm beantragen möchten, wenden Sie sich bitte direkt an Ihren Firmenkundenbetreuer. Dieser wird Sie gemeinsam mit unseren Produktspezialisten für öffentliche Fördermittel durch den Antragsprozess führen. Für eine zügige Kreditbeantragung benötigen wir folgende Angaben zu Ihrem Unternehmen:

      • Umsatz (konsolidiert)
      • Bilanzsumme (konsolidiert)
      • Mitarbeiter (konsolidiert)
      • Branche
      • Bundesland
      • Aktueller Kreditbedarf
      • Auslöser für Liquiditätsbedarf
      • gewünschte Laufzeit des Kredits

       

      Auf Wunsch berät Sie Ihr Firmenkundenbetreuer unter Hinzuziehung entsprechender Postbank Spezialisten gern zu weiteren Möglichkeiten der Liquiditätssicherung, wie zum Beispiel Factoring, und zu Instrumenten der Zins- und Währungsabsicherung. Außerdem prüfen wir für Sie die Möglichkeit zur Unterstützung der Kreditierungsbedingungen durch Bürgschaften der Bürgschaftsbanken sowie die Option der Tilgungsstreckungen oder die Ratenanpassung von Annuitäten. Aktuelle Informationen finden Sie im Bereich Firmenkunden auf der Postbank Homepage.

Alle Angaben ohne Gewähr; Stand: 09.04.2020

  • Bildnachweise

    iStockphoto(PeopleImages)

Weitere Artikel

Aktuelles

Coronavirus: Was Arbeit-geber wissen müssen

Welche Rechte und Pflichten Arbeitgeber gegenüber ihren Mitarbeitern haben und wo sie finanzielle Unterstützung erhalten.

Interview

Finanzierung: Nicht den Kopf in den Sand stecken

Postbank Bereichsvorstand Reiner Ramacher sagt, wie Firmen jetzt ihre Finanzierungen konsolidieren können.

Aktuelles

Corona-Krise: 7 Tipps für die Finanzierung

Wie Unternehmer ihre Finanzierung jetzt auf eine solide Basis stellen – mit und ohne staatliche Unterstützung.

Newsletter

Kontakt

Perspektiven