Lesedauer: 6 Minuten

Coronavirus-Krise

7 Tipps für die Finanzierung
in Krisenzeiten

Die staatliche KfW-Bank vergibt seit März Sonderkredite an Unternehmen, die durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Doch auch Betriebe, die diese Unterstützung nicht in Anspruch nehmen können oder wollen, müssen ihre Finanzierung jetzt mehr denn je auf eine solide Basis stellen. Unsere Tipps zeigen Ihnen, wie Sie am besten vorgehen.

Der Ausbruch des Coronavirus hat die Wirtschaft in fast allen Bereichen getroffen. 84 Prozent der deutschen Unternehmen spüren bereits einen Umsatzrückgang – so eine Umfrage des ifo-Instituts im April. Immerhin 45 Prozent der Unternehmen glauben allerdings auch, dass sie den Umsatz in Zukunft teilweise nachholen können. Mit dem größten Hilfspaket der Geschichte versucht die Bundesregierung, möglichst viele Unternehmen mit Liquidität zu unterstützen und so vor der Insolvenz zu retten. Dazu gehören unter anderem die Kredite zu verbesserten Konditionen aus dem KfW-Sonderprogramm 2020. Wie bei jedem Kredit gilt auch hier: Eine gute Vorbereitung führt schneller zum Ziel. Denn abgesehen vom KfW-Schnellkredit müssen die Banken auch bei den KfW-Krediten zu mindestens 10 Prozent das Kreditrisiko übernehmen und deshalb eine Kreditprüfung vornehmen. Doch nicht alle Unternehmen und Finanzierungsvorhaben erfüllen die Voraussetzungen für ein Darlehen aus dem Sonderprogramm. Dann sind Alternativen gefragt.

 

Die folgenden Tipps sollen Sie dabei unterstützen, Kreditgespräche mit Ihrer Bank optimal vorzubereiten und Ihre Finanzierung auch jenseits der aktuellen Hilfskredite auf eine solide Basis zu stellen.

 

Tipp 1: Transparenz sicherstellen.

Alle Banken und Sparkassen sind dazu verpflichtet, sich im Rahmen von Kreditanträgen mit der Bonität ihrer Kunden zu befassen. Die Analyse erfolgt sowohl auf Basis der zurückliegenden Jahresabschlüsse als auch zukunftsorientierter Planungsunterlagen. Neben einer aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertung sollten Sie deshalb auch eine Mehrjahresplanung (über zum Beispiel 3 Jahre) und einen Investitionsplan ausarbeiten. Wer einen Kredit aus dem KfW-Sonderprogramm beantragen will, muss nachweisen, dass er erst durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist. Dafür legen Sie am besten auch bereits den Jahresabschluss 2019 vor. Zudem müssen Sie kalkulieren, mit welchen Einbußen Sie in den kommenden Monaten rechnen. Lassen Sie sich dabei gegebenenfalls von einem externen Berater oder Ihrem Steuerberater/Wirtschaftsprüfer unterstützen. Gut zu wissen: Seit dem 3. April 2020 fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Beratungen für von der Corona-Krise betroffene kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Freiberufler ohne Eigenanteil. Die Antragstellung erfolgt direkt beim BAFA und ist zunächst bis zum 31. Dezember 2020 möglich.

 

Tipp 2: Finanzierungsalternativen prüfen.

KMU steht neben den Krediten aus dem KfW-Sonderprogramm 2020 eine Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Neben den herkömmlichen Mittelstandskrediten kann das zum Beispiel Leasing (Investitionsgüterfinanzierung) oder Factoring (Forderungs- und Umlaufmittelfinanzierung) sein. Bei Wachstumsfinanzierungen kann auch eine eigenkapitalähnliche Finanzierungsform (zum Beispiel Mezzanine) sinnvoll sein. Mehr zu den Möglichkeiten des Leasings erfahren Sie zum Beispiel beim Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen oder bei der Postbank Leasing GmbH. Informationen zum Thema Factoring gibt es zum Beispiel beim Deutschen Factoring Verband oder bei der PB Factoring GmbH. Ein Beispiel dafür, wie ein international agierendes mittelständisches Unternehmen Factoring als Finanzierungsinstrument etabliert hat, lesen Sie hier.

 

Tipp 3: Fördermittel einbeziehen.

Wenn Sie bei Investitionen bereits über die Corona-Krise hinausdenken, prüfen Sie, ob Ihr Vorhaben förderfähig ist. Bund, Länder und EU stellen eine Vielzahl von Förderkrediten und direkten Zuschüssen bereit – zum Beispiel für Innovationen oder die Verbesserung der Energieeffizienz. Ein Beispiel ist das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) zur Förderung von Forschung und Entwicklung in KMU oder größeren Unternehmen, die dafür mit KMU kooperieren. Besonders attraktiv sind Fördermittel im Bereich der sogenannten verlorenen Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen, oder mit Haftungsfreistellung durch das Förderinstitut. Lassen Sie sich zu Förderkrediten von Ihren Banken informieren, da sie diese Mittel in der Regel durchleiten.

 

Tipp 4: Finanzierung strukturieren.

Haben Sie eine Vielzahl von Kreditgebern mit verschiedenen Besicherungen? Wenn ja, sollten Sie zur langfristigen Sicherung Ihrer Liquidität die Neustrukturierung Ihrer Passivseite erwägen. Sprechen Sie Ihre Hausbank darauf an, Ihnen ein ganzheitliches Finanzierungskonzept (Konsortial- oder syndizierte Finanzierung) vorzustellen. Verbesserte Finanzierungsstrukturen erhöhen Ihre Liquidität. Wie ein deutscher Hotelbetreiber mit einem Konsortialkredit für mehr Planungssicherheit und Stabilität in seinem Finanzierungsmix sorgt, lesen Sie hier. Die KfW beteiligt sich im Rahmen ihres Corona-Sonderprogramms an Konsortialfinanzierungen ab 25 Millionen Euro von mittelständischen und großen Unternehmen. Mehr dazu lesen Sie hier.

 

Tipp 5: Rating kennen.

Banken sind dazu verpflichtet, die Bonität ihrer Kreditkunden zu beurteilen. Das gilt zumindest in Teilen auch für das KfW-Sonderprogramm 2020. Sehr große Unternehmen beauftragen hierzu externe Ratingagenturen. Im Mittelstandsgeschäft erfolgt dies in der Regel durch das jeweilige Kreditinstitut (sogenanntes internes Rating). Das Rating ist maßgeblich für die Kreditvergabe und beeinflusst unmittelbar Ihre Konditionen. Fragen Sie Ihre Banken nach dem Rating für Ihr Unternehmen und lassen Sie sich die wesentlichen Einflussfaktoren erklären. Denn nur wer sein Rating kennt, hat die Möglichkeit, es zu verbessern. Um Ratings verschiedener Institute beurteilen zu können, hat die Fachgruppe Finanzierung-Rating im Bundesverband freier Berater eine umfassende Information für Unternehmen erarbeitet, die auch die unterschiedlichen Ratingsysteme vergleicht.

 

Tipp 6: Bonität verbessern.

Unternehmen sollten spätestens nach der Corona-Krise ihre Bonität „planen“ und wesentliche Kennzahlen (zum Beispiel Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad oder Umsatzrentabilität) mit einer Ambition für die Zukunft versehen. Ziel sollte eine Eigenkapitalquote von ca. 30 bis 35 Prozent sein. Gewinnthesaurierungen oder das Einbringen von Gesellschafterdarlehen sind hier geeignete Maßnahmen. Letzteres kann übrigens auch zur Überbrückung aktueller Liquiditätsengpässe in der Corona-Krise dienen. Dann empfiehlt sich unter Umständen eine sogenannte Rangrücktrittserklärung. Damit versichern Sie als Gesellschafter, dass Sie Ihr Gesellschafterdarlehen erst dann zurückziehen, wenn alle Forderungen Ihres Kreditgebers erfüllt sind. Die Umsatzrentabilität hängt unter anderem von der Branche ab – im produzierenden Gewerbe etwa sollte diese als Ziel bei ca. 10 Prozent liegen. Beim Verschuldungsgrad wird die Gesamtverschuldung ins Verhältnis zum EBITDA gesetzt. Besprechen Sie die für Ihr Unternehmen relevanten Kennzahlen mit Ihrem Bankberater. Positiv auf die Bonitätskennzahlen können sich aber auch „bilanzschonende Finanzierungsalternativen“ wie zum Beispiel Factoring oder Förderkredite mit Haftungsfreistellung (siehe Tipp 2) auswirken.

 

Tipp 7: Vertrauensbasis schaffen.

Gerade wenn der Finanzierungswunsch etwas komplexer oder schwer zu besichern ist, zählt oft der persönliche Eindruck. Der direkte Kontakt zum Berater kann dann den Ausschlag dafür geben, dass man eine Finanzierung erhält. Nehmen Sie so früh wie möglich Kontakt zu Ihrem Berater auf und versorgen Sie ihn mit allen notwendigen Unterlagen. Um zügig einen der KfW-Hilfskredite zu beantragen oder für Ihr Unternehmen ein maßgeschneidertes Finanzierungskonzept auszuarbeiten, muss die Bank Ihr Geschäftsmodell, Ihre Wettbewerbssituation, Ihre Lieferanten- und Absatzmärkte verstehen. Dann haben Sie gute Chancen, auch langfristig Unterstützung von Ihrer Bank zu bekommen, selbst wenn Ihre aktuelle Lage durch die Corona-Krise schwierig ist.

  • Bildnachweise

    Aufmacherfoto: iStock(fermate)

Weitere Artikel

Newsletter

Kontakt

Perspektiven