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Aktuell

Coronavirus:
Was Unternehmer jetzt wissen müssen

Welche Rechte und Pflichten Arbeitgeber gegenüber ihren Mitarbeitern haben und wo sie im Ernstfall finanzielle Unterstützung erhalten – 7 Fragen und Antworten zum Thema Coronavirus.

Nicht nur in medizinischer Hinsicht ist das Ende Dezember 2019 erstmals in der chinesischen Provinz Hubei nachgewiesene neuartige Coronavirus COVID-19 eine Herausforderung: Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist es auch „die größte Gefahr für die Weltwirtschaft seit der globalen Finanzkrise“. Wie sich die Coronakrise auf die hiesige Konjunktur auswirken wird, ist bislang schwer abzuschätzen. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter 10.000 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Regionen in Deutschland hat Anfang März ergeben, dass 50 Prozent von ihnen aufgrund des Virus mit Umsatzrückgängen rechnen – die Hälfte davon erwartet sogar Umsatzeinbrüche von mehr als 10 Prozent.

 

Neben den möglichen wirtschaftlichen Folgen der Viruspandemie beschäftigen viele Unternehmer auch ganz akute Fragen: Wie schütze ich meine Mitarbeiter? Was muss ich bei einem Coronafall im Unternehmen tun? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengetragen.

  • 1. Ich habe aufgrund des Coronavirus Auftragsausfälle. Gibt es für diesen Fall finanzielle Unterstützung
    und kann ich bei Bedarf Kurzarbeitergeld beantragen?

    Um die deutschen Unternehmen in der Coronakrise zu unterstützen, hat die Bundesregierung ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet. Dieses fußt neben der Unterstützung von Maßnahmen auf EU-Ebene auf drei Säulen:

     

    1. Flexibilisierung des Kurzarbeitergeldes: Zunächst befristet bis Ende 2021 werden Arbeitgebern bei Kurzarbeit die Sozialversicherungsbeiträge für coronabedingt ausgefallene Arbeitsstunden zu 100 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit erstattet. Das gilt sowohl bei wirtschaftlichen Ursachen, zum Beispiel Arbeitsmangel aufgrund stornierter Aufträge, als auch bei behördlich veranlassten Maßnahmen, etwa der Schließung des Betriebs. Zudem besteht ab sofort bereits Anspruch auf Kurzarbeitergeld, wenn 10 Prozent der Beschäftigten (bisher 30 Prozent) einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben. Auch Leiharbeitnehmer können in Kurzarbeit gehen und Kurzarbeitergeld erhalten. In Betrieben, in denen Vereinbarungen zur Arbeitszeitschwankungen genutzt werden, wird auf den Aufbau negativer Arbeitszeitkonten verzichtet. Ob ein Betrieb die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld erfüllt, überprüft die jeweils zuständige Agentur für Arbeit. Detaillierte Informationen gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

     

    2. Steuerliche Liquiditätshilfe: Von den Folgen des Coronavirus „nachweislich und unmittelbar“ betroffene Unternehmen können nach einem aktuellen Erlass des Bundesfinanzministeriums bis Ende 2020 beim zuständigen Finanzamt Anträge auf Stundung der bis zu diesem Zeitpunkt bereits fälligen oder fällig werdenden Steuern sowie auf Anpassung der Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer stellen. Die Lohnsteuer ist davon bislang nicht betroffen. Zudem soll von Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge für betroffene säumige Steuerzahler vorerst abgesehen werden.

     

    3. Schutzschild für Unternehmen: Die Bundesregierung hat zum Schutz deutscher Unternehmen aller Größenordnungen vor durch die Coronavirus-Pandemie verursachten finanziellen Schwierigkeiten ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt.

     

    Kleine Unternehmen, Soloselbstständige und Angehörige der freien Berufe bis zu 10 Beschäftigten erhalten zur Überbrückung akuter Liquiditätsengpässe bis zu 15.000 Euro finanzielle Soforthilfe in Form direkter Zuschüsse.

     

    Im Rahmen des KfW-Sonderprogramms 2020 können Unternehmen über ihre Hausbank KfW-Kredite für Investitionen und Betriebsmittel beantragen. Dabei übernimmt die KfW den größten Teil des Risikos der Bank (Haftungsfreistellung) und erleichtert so die Kreditzusage. Zur Auswahl stehen der KfW-Unternehmerkredit für Bestandsunternehmen und der ERP-Gründerkredit für Unternehmen, die jünger als fünf Jahre sind.

     

    Zudem beteiligt sich die KfW im Rahmen des KfW-Sonderprogramms Konsortialfinanzierungen an großen Konsortialfinanzierungen ab 25 Millionen Euro für Investitionen und Betriebsmittel von mittelständischen und großen Unternehmen. Hierbei übernimmt die KfW bis zu 80 Prozent des Risikos, jedoch maximal 50 Prozent der Risiken der Gesamtverschuldung. Das erhöht für Unternehmen Chance, eine individuell strukturierte und passgenaue Konsortialfinanzierung zu erhalten.

     

    Die Bürgschaftsbanken erweitern im Zuge der Corona-Pandemie ihre Unterstützung für Unternehmen. Unter anderem wird die Bürgschaftsobergrenze von 1,25 Millionen Euro auf 2,5 Millionen Euro angehoben. Anfragen für Finanzierungsvorhaben können über das Finanzierungsportal der Bürgschaftsbanken gestellt werden.

     

    Aktuelle Informationen über alle Maßnahmen auch der Landesförderbanken gibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

  • 2. Was muss ich tun, um meine Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen?

    Der Arbeitgeber hat gegenüber seinen Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht und muss laut §618 BGB alles dafür tun, dass seine Angestellten ihre Arbeit gefahrlos erledigen können. Tut er dies nicht, können die Angestellten Schadensersatzansprüche geltend machen. In diesem Rahmen müssen auch zumutbare Schutzmaßnahmen gegen eine Infektion getroffen werden. Welche das sind, hängt vom Grad der Gefährdung ab. Besteht keine konkrete Gefahr, ist es ausreichend, die Mitarbeiter über mögliche Symptome und passende Hygienemaßnahmen zu informieren. Hat sich aber beispielsweise ein Mitarbeiter infiziert, sind weitere Schutzmaßnahmen nötig – von der Bereitstellung von Schutzausrüstung über Homeoffice-Lösungen bis hin zur Schließung des Betriebs.

  • 3. Wie muss ich im Fall einer Coronainfektion in meinem Betrieb reagieren?

    Zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gehört es, bei seinen Mitarbeitern auf Krankheitsanzeichen zu achten und sie im Ernstfall nach Hause zu schicken. Das gilt insbesondere, wenn sie sich in den vergangenen Wochen in einem stark vom Virus betroffenen Gebiet aufgehalten haben. Zeigt ein Mitarbeiter COVID-19-Symptome, ist das zuständige Gesundheitsamt  der erste Ansprechpartner. Dieses unterstützt den Arbeitgeber auch beim weiteren Vorgehen.

  • 4. Muss ich meine Mitarbeiter weiterbezahlen, wenn ich mein Unternehmen für eine Zeit lang schließe?

    Ja. Entscheidet sich ein Unternehmer, seinen Betrieb aufgrund der Coronaepidemie zu schließen, so muss er seinen Angestellten weiterhin ihr Gehalt bezahlen. Das ist auch der Fall, wenn eine Behörde die Schließung anordnet.

  • 5. Muss ich Mitarbeiter bezahlen, die sich in Quarantäne befinden?

    Angestellte Mitarbeiter in Quarantäne haben einen gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung. Diese ist in den ersten sechs Wochen so hoch wie das Nettogehalt, danach wie das Krankengeld. Die Entschädigung übernimmt der Arbeitgeber. Er kann jedoch nach § 56 Infektionsschutzgesetz innerhalb von drei Monaten bei der zuständigen Behörde eine Erstattung beantragen. Welche Behörde das ist, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. In der Regel handelt es sich um das Gesundheitsamt oder die Landessozialbehörde.

  • 6. Dürfen Mitarbeiter aus Angst vor einer Infektion zu Hause bleiben?

    Nein. Mitarbeiter dürfen nur bei einer entsprechenden Anweisung des Arbeitgebers zu Hause bleiben und auch nur mit entsprechenden Absprachen im Homeoffice arbeiten. Bei der Arbeit erscheinen müssen sie in der Regel auch, wenn die Schule oder Kita des Nachwuchses geschlossen wird. Dann müssen sie grundsätzlich selbstständig für eine Kinderbetreuung sorgen. Ist das Kind ist zu klein, um die gesamte Arbeitszeit allein zu Hause zu verbringen, und steht keine andere Betreuungsperson zur Verfügung, dürfen sie jedoch zur Betreuung des Kindes zu Hause bleiben. Sind für solche Fälle keine Regelungen im Tarif- oder Arbeitsvertrag getroffen worden, behalten sie ihren Gehaltsanspruch dabei gemäß § 616 BGB, wenn es sich um eine „nicht erhebliche Zeit“ handelt. Das sind laut IHK München nach allgemeiner Auffassung maximal fünf Arbeitstage. Ist das Kind erkrankt, gelten die allgemeinen Regeln für diesen Fall: Bis zu zehn Tage im Jahr zahlt die Krankenversicherung Kinderkrankengeld an den Arbeitnehmer.

  • 7. Darf ich Mitarbeiter weiterhin auf Dienstreisen schicken?

    Grundsätzlich ja, auch in vom Coronavirus betroffene ausländische Gebiete – zumindest, solange es keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts gibt. Der Arbeitgeber muss jedoch zwischen den Interessen des Mitarbeiters und denen des Betriebs abwägen. Im Zweifel ist es ratsam, das Gespräch mit dem Angestellten zu suchen und gemeinsam eine Lösung zu finden.

Stand: 24.03.2020

Postbank

Wichtige Informationen für Postbank Geschäfts- und Firmenkunden

Wie die meisten anderen Unternehmen arbeitet auch die Postbank mit großer Energie daran, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Der Schutz unserer Kunden und Mitarbeiter steht dabei an erster Stelle. Gleichzeitig erhalten wir alle wichtigen Serviceangebote aufrecht. Auch unsere Filialen bleiben – soweit möglich – vorerst für Sie geöffnet. Bitte vermeiden Sie dennoch bei Ihren Bankgeschäften bis auf Weiteres den persönlichen Kontakt und nutzen Sie unsere digitalen und telefonischen Kontaktmöglichkeiten.

 

Hier sind wir weiter für Sie da:

 

Telefonisch

Als Postbank Geschäftskunde wenden Sie sich bei Fragen bitte an Ihren persönlichen Berater. Falls Sie keinen Ansprechpartner haben, rufen Sie bitte einfach im Postbank Business Center unter der Telefonnummer 0228 5500 4400 an.

 

Als Postbank Firmenkunde wenden Sie sich bitte an Ihren persönlichen Firmenkundenbetreuer oder rufen Sie unser Firmenkunden-Center unter der Telefonnummer 0228 5500 3300 an.

 

Online

Viele Bankgeschäfte können Sie ganz bequem und sicher im Postbank Online-Banking erledigen. Bitte machen Sie davon Gebrauch.

Eine E-Mail können Sie uns unter business@postbank.de oder firmenkunden@postbank.de senden.

 

In der Filiale

Alle Filialen, die aktuell für Sie geöffnet haben, finden Sie in unserer Online-Filialsuche. Dort finden Sie zudem alle Möglichkeiten zur Bargeldauszahlung und -einzahlung an Postbank SB-Automaten sowie zur Bargeldauszahlung an den Automaten der Cash Group Banken sowie bei Supermärkten und Tankstellen.

 

Leider können wir kurzfristige Filialschließungen aufgrund der Erkrankung oder Quarantäne von Mitarbeitern sowie behördlicher Anordnungen nicht ausschließen. Wir bitten dafür um Ihr Verständnis.

 

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte regelmäßig die Postbank Homepage.

Informationen zum Coronavirus im Video

Umfangreiche Informationen zum Coronavirus hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in einem Video zusammengestellt.

  • Linkliste

    Eine Broschüre mit 10 Tipps zur betrieblichen Pandemieplanung steht bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zum Download bereit.

     

    Allgemeine Fragen und Antworten rund um das Virus hat die Bundesregierung hier zusammengestellt.

     

    Informationen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus sowie häufig gestellte Fragen und Antworten sowie Hotlines für Unternehmer gibt es auf der Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums.

     

    Auf der Homepage des Robert Koch Instituts finden Sie die aktuellen Lagebewertung sowie zahlreiche Informationen rund um COVID-19.

     

    Auf der Homepage Infektionsschutz.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung können Sie unter anderem Plakate mit Hygienetipps kostenlos herunterladen.

  • Bildnachweise

    Aufmacherfoto: gettyimages (Thomas Trutschel / Kontributor)

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