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Finanzierung

Covenants in Gefahr – was jetzt zu tun ist

Viele Unternehmen werden infolge der Corona-Krise Kreditauflagen brechen. Doch oft lässt sich eine Kündigung des Kreditvertrags vermeiden.

Lockdown, Kurzarbeit, unterbrochene Lieferketten – nur wenige Branchen kommen in der Corona-Pandemie mit einem blauen Auge davon. Viele Unternehmen werden auch in den kommenden Monaten mit großen wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Dazu gehört der Bruch von Kreditauflagen infolge einbrechender Erträge. „Derzeit nimmt die Anzahl der Verstöße insbesondere bei Financial Covenants deutlich zu“, beobachtet Dr. Rico Baumann, Leiter Strukturierte und Syndizierte Finanzierungen bei der Postbank. Er erwartet, dass sich dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte noch verstärken wird.

  • Covenants kurz erklärt

    Mittlerweile vereinbaren Banken bei fast allen Kreditverträgen mit Unternehmen sogenannte Covenants. Der Begriff leitet sich vom altfranzösischen „covenant“ für „Vertrag“ ab und bezeichnet Vertragsklauseln für den Kreditnehmer, die über seine Zins- und Tilgungsverpflichtungen hinausgehen. Damit sichert sich die Bank entsprechend den „Mindestanforderungen für das Risikomanagement der Kreditinstitute“ (MaRisk) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ab. Werden Covenants gebrochen, besteht grundsätzlich seitens der Kreditgeber eine Möglichkeit zur Kreditkündigung.

     

    Man unterscheidet Financial und Non-Financial Covenants. Ist nur von Covenants die Rede, sind damit meist Financial Covenants gemeint. Mit ihnen lässt sich der Kreditgeber zusichern, dass der Kreditnehmer während der Kreditlaufzeit oder zu einem Bilanzstichtag bestimmte Vorgaben einhält. Das betrifft in der Regel typische Finanzkennzahlen, etwa

    • die Eigenkapitalquote,
    • den Verschuldungsgrad, also das Verhältnis aus der um den frei verfügbaren Barbestand verminderten zinstragenden Verbindlichkeiten und dem operativen Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA),
    • die Gesamtkapitalrentabilität,
    • den Anlagendeckungsgrad, also das Verhältnis aus Anlagevermögen zum Eigenkapital, oder
    • den Zinsdeckungsgrad (Zinsaufwand in Relation zum EBITDA).

     

    Für mögliche Schwankungen der Finanzkennzahlen kann ein Puffer („Headroom“) – abgestimmt auf die entsprechenden Werte auf Basis der mittelfristigen Unternehmensplanung – festgelegt werden. Zudem lassen sich Freibeträge („Baskets“) zum Beispiel für Unternehmenszukäufe oder -verkäufe oder Ausschüttungen vereinbaren.

     

    Non-Financial Covenants betreffen vor allem Informations- und Berichterstattungspflichten und typischerweise weiterhin

    • Kontrollwechsel (geänderte Mehrheits- und/oder Besitzverhältnisse im Unternehmen)
    • "Cross Default" (dt. Drittverzug, Zahlungsverzug bei anderen Kreditverträgen)
    • MAC („Material Adverse Change“, also eine wesentliche nachteilige Veränderung des Geschäftsinhalts oder der finanziellen Lage).

Ein Covenant-Verstoß muss kein Beinbruch sein

Der Bruch von Covenants („Covenant Breach“) ist für den Kreditgeber in der Regel ein Grund zur außerordentlichen Kündigung oder zur Einschränkung der Ziehungsrechte aus dem Kreditvertrag. Denn je nach Sachverhalt kann eine gravierende Veränderung in der Risikobetrachtung des Kreditinstituts eintreten. Der Bruch einzelner Covenants führt aber nicht zwangsweise zur Kündigung des Kreditvertrags. Neben den vertraglichen Regelungen kommt es auch auf die Umstände an, unter denen der Bruch eintritt – und auf den Einigungswillen der Partner.

 

„Aktuell sollten Unternehmen mehr denn je ihre Kredit-, Leasing-, Factoring- und sonstigen Verträge regelmäßig inhaltlich prüfen und bei einem schon eingetretenen oder absehbaren Geschäftseinbruch aktiv werden“, rät Baumann. Das gelte insbesondere im Hinblick auf die von vielen Unternehmen genutzte Möglichkeit, sich über die Kredite des KfW-Corona-Sonderprogramms mit Liquidität zu versorgen. Eine offene, aktive und in jeder Hinsicht transparente Kommunikation mit der Bank ist hier hilfreich, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Denn oft lassen sich im Vorfeld Lösungen finden. „Droht der Bruch von Covenants, sollte das Unternehmen schnellstmöglich Kontakt mit seinen Kreditgebern aufnehmen“, ergänzt der Finanzierungsexperte. In der Regel sei ein Kreditgeber an der Fortführung des Kreditverhältnisses mit seinem Kunden interessiert. Bei einem Konsortialkredit entscheidet über die mögliche Ausübung eines Kündigungsrechts das Bankenkonsortium, zumeist mit erforderlicher 2/3-Mehrheit, was den Kreditnehmer schützt.

„Erscheint der Bruch von Covenants wahrscheinlich, sollte das Unternehmen schnellstmöglich Kontakt mit seinem Kreditgeber aufnehmen.“

Dr. Rico Baumann,
Leiter Strukturierte und Syndizierte Finanzierungen bei der Postbank

Bei Verträgen mit mehreren Finanzierungspartnern und verschiedenen Covenants im Rahmen der Drittverzugsklausel („Cross Default“) kann bereits der Bruch bei nur einem der Verträge für die anderen Finanzierungspartner ein Kündigungsgrund sein. Hier unterliegt der Kreditnehmer zudem der Informationspflicht gegenüber seinen Finanzierungspartnern. „Auch um hier für mehr Transparenz zu sorgen, kann es sinnvoll sein, seine Verbindlichkeiten beizeiten in einer syndizierten Finanzierung zu bündeln“, erklärt Baumann.

 

Kommt es zu einem Covenant-Bruch, kann der Kreditnehmer bei der Bank eine Verzichtserklärung („Waiver Letter“) beantragen, damit sie im Rahmen eines „Covenant Resets“ auf Sanktionsmöglichkeiten bzw. die Ausübung des Kündigungsrechts verzichtet. Dafür wird allerdings eine angemessene Gebühr oder ein Risikoaufschlag fällig. Welche konkreten Maßnahmen bei einem Bruch von Covenants eine Kündigung des Kreditvertrags abwenden, wird in der Regel individuell vereinbart. Sie hängen unter anderem von der Ausgangssituation der Finanzierung und dem Status quo in wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht ab. Bei größeren Veränderungen der Ausgangsbasis könnte es erforderlich werden, dass der Kreditvertrag etwas umfangreicher angepasst wird („Amendment“).

 

„Möglich ist zum Beispiel, die Überprüfung von Finanzkennzahlen für eine kurze, in der Regel unterjährige ,Holiday-Period‘ auszusetzen oder die Covenants bei Vorlage einer angepassten Planung auf für den Kreditnehmer erreichbare Größen anzupassen“, erläutert Postbank Experte Baumann. In einigen Fällen helfen auch Sondertilgungen, eine Nachbesicherung und/oder eine höhere Kreditmarge. Wichtig: Mit den Krediten aus dem KfW-Sonderprogramm 2020 sind Umschuldungen und Ablösungen bestehender Finanzierungen nicht möglich.

 

Covenants und Corona

Bei der Postbank wirkt sich die Corona-Krise bislang nicht auf die grundsätzliche Verwendung von Covenants bei neuen Kreditverträgen aus. Exakte Höhe und Ausgestaltung stehen nach wie vor im Zusammenhang mit der mittelfristigen Perspektive des Unternehmens. „An ihrem eigentlichen Zweck für das Risikomanagement hat sich ja nichts geändert“, sagt Baumann. Mögliche Covenants seien auch weiterhin im Wesentlichen von der Bonität und Finanzierungsstruktur des Kreditnehmers sowie von der Höhe der Kreditsumme und der Laufzeit abhängig. Im Übrigen profitiere auch der Kreditnehmer von der vertraglichen Fixierung der Kreditauflagen, weil damit die Erwartungen des Kreditgebers explizit formuliert und Missverständnisse ausgeschlossen seien.

  • Bildnachweise

    Aufmacherfoto: iStockphoto (shapecharge); Weiteres Foto: privat

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