Lesedauer: 7 Minuten

Betriebspraxis

So schützen sich Unternehmen vor Extremwetterereignissen

Extreme Naturereignisse wie Starkregen und Hochwasser verursachen in Deutschland jedes Jahr Schäden in Milliardenhöhe. Betroffen sind davon auch Unternehmen. Vorbeugen lässt sich mit baulichen Maßnahmen und der richtigen Versicherung.

Der Schock hält bei vielen noch immer an. Fast 470 Gebäude hat die Flutkatastrophe vom 14. Juli 2021 allein im Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz zerstört, darunter auch Geschäfte, Hotels, Fabriken und Werkstätten. Ganze Fuhrparks, Maschinen, Werkzeuge, Ladeneinrichtungen oder Waren wurden von den Wasser- und Schlammmassen gnadenlos mitgerissen oder unbrauchbar gemacht. Zu Buche schlagen aber nicht nur die Sachschäden, sondern auch in der Folge ausfallende Einnahmen.

 

Im nordrhein-westfälischen Stolberg etwa war der Recyclingspezialist Aurubis durch die Schäden infolge des Hochwassers so stark betroffen, dass am 16. Juli „Force Majeure“ erklärt wurde. Das bedeutet, dass eine Belieferung von Kunden und eine Abnahme von Zulieferungen unmöglich ist. Mitarbeiter kamen zum Glück nicht zu Schaden, weil das Werk rechtzeitig evakuiert wurde. Erst ab dem 1. November konnte die Produktion wieder schrittweise hochgefahren werden. In Bad Münstereifel musste ein Outlet-Center mit über 50 Geschäften auf unbestimmte Zeit schließen. Allein entlang der Flüsse Ahr und Erft zerstörte die Flut mindestens 18 Backstuben und mehr als 70 Bäckereifilialen. In Dernau wurde ein mittelständischer Tischlereibetrieb mit 30 Mitarbeitern von den Fluten der normalerweise rund 100 Meter entfernten Ahr unter Wasser gesetzt. An Maschinen und Material entstand geschätzt ein Millionenschaden. Auch ein kurz vor der Auslieferung stehender Großauftrag wurde Opfer der Fluten.

 

Extremwetterereignisse nehmen zu

Die Liste der von der Flutkatastrophe von Mitte Juli betroffenen Unternehmen ließe sich endlos fortsetzen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht für die betroffenen Gebiete in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen insgesamt von versicherten Schäden in Höhe von 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro aus. In manchen Fällen liege die Schadenhöhe „nur“ bei ein paar Tausend Euro – aber auch sogenannte Großschäden von über einer Million Euro sind keine Seltenheit: „Wir gehen aktuell von rund 400 Großschäden mit einer Gesamtsumme von 1,3 Milliarden Euro aus“, sagte Mitte September GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

 

Die schlechte Nachricht: Extremwetterlagen wie Starkregen, aber auch Hitzewellen werden Experten zufolge hierzulande immer öfter vorkommen – eine Folge des Klimawandels, vorangetrieben durch die Treibhausgasemissionen der Menschen. Die gute Nachricht: Viele Schäden durch Extremwetter und deren finanzielle Folgen lassen sich durch rechtzeitige Vorsorge zumindest eindämmen. Dazu gehören bauliche Maßnahmen, aber auch der richtige Versicherungsschutz.

 

So können Unternehmen vorbeugen

Die Jahrhundertflut vom Juli hat deutlich gemacht, wie schnell auch vermeintlich sicherere Lagen zu Katastrophengebieten werden können. Ein erster Schritt sollte immer eine realistische Einschätzung der Gefahrenlage sein. Anhaltspunkte dafür, ob ein Standort durch Hochwasser gefährdet ist, können Gefahrenkarten der Bundesländer geben (im Internet). Sie zeigen zum Beispiel an, wo und wie sich Flusshochwasser in der Vergangenheit ausbreiteten. Gefahren drohen jedoch nicht allein durch Hochwasser, auch Sturm und Hagel können zu großen Schäden führen. Der Naturgefahrencheck des GDV hilft dabei, die Risiken im eigenen Postleitzahlengebiet einzuschätzen. Je nach Gefahrenlage können dann die Maßnahmen priorisiert werden.

  • 1. Bauliche Maßnahmen

    Die Kanalisation ist vielerorts nicht erst dann überfordert, wenn in einer Stunde mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter auf den Boden prasseln – so die Definition für extreme Unwetter des Deutschen Wetterdienstes. Das Wasser sucht sich dann den Weg des geringsten Widerstands. Und der führt zum Beispiel in Toreinfahrten, Kellerlichtschächte oder auch einfach unter den nicht ganz dichten Eingangstüren des Unternehmens hindurch. Diese Schwachstellen lassen sich mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen entschärfen.

     

    Ebenerdige Gebäudeeingänge können mithilfe von Stufen, Schwellen, Bodensenken oder Aufkantungen gegen eindringendes Oberflächenwasser geschützt werden. Für den akuten Einsatz gibt es flexible Lösungen wie Türabdichtungen aus Plastik, die bei einer drohenden Flut mit Wasser befüllt vor die Tür gelegt werden können.

     

    Außenwände sollten vor allem an den Sockelbereichen wasserdicht sein. Wurde ein Firmengebäude nicht von vornherein auf Basis einer wasserdichten „Weißen Wanne“ aus Beton errichtet, kann eine nachträglich aufgetragene „Schwarze Wanne“, also die Abdichtung der Seitenwände mit Bitumen oder Kunststoff, Schutz bieten. Auch Durchlässe, etwa für Strom-, Gas- oder Telefonleitung sowie Heizungsrohre, sollten gut abgedichtet sein. Zudem sollten Regenrinnen regelmäßig gesäubert und auf ihre Dichtigkeit kontrolliert werden, damit zumindest bei normal starken Regenfällen ein geregelter Wasserablauf fern der Wände gewährleistet bleibt.

     

    Kellerräume und Souterrains sind naturgemäß besonders durch eindringendes Wasser gefährdet. Dort sollten also möglichst keine wertvollen und wichtigen Ausrüstungsgegenstände aufbewahrt werden, etwa die Server der Firmen-IT. Böden und Wände in Keller- oder Untergeschossen sollten beschichtet oder gefliest werden. Das Eindringen von Wasser durch Lichtschächte und Kellerabgänge können wasserdruckdichte Türen und Fenster verhindern. Meist sind diese gleichzeitig einbruchsicher und haben denselben hohen Energiesparnutzen wie hochwertiges Wärmeschutzglas. Für den Einbau kann deshalb eine Förderung infrage kommen, beispielsweise die Bundesförderung für effiziente Gebäude für Nicht-Wohngebäude. Wer auf Nummer sicher gehen will, sichert Fenster und Türen zusätzlich mit Dammbalken oder Schottsystemen. Lichtschächte können mit einer Abdeckplatte mit Dichtung oder durch eine (nachträglich) erhöhte Lichtschachtoberkante gesichert werden. Grundstücke lassen sich an den gefährdeten Stellen auch mit Mauern oder einem Erdwall abschirmen. Solche Maßnahmen dürfen aber Nachbargrundstücke nicht gefährden. Gefahr droht nicht zuletzt aus der Kanalisation. Eine Rückstauklappe und gegebenenfalls eine Abwasserhebeanlage verhindern, dass Wasser, Abwasser und schlimmstenfalls Fäkalien aus einer überfüllten Kanalisation ins Gebäude drücken.

     

    Firmengelände und Parkplätze sollten im Hinblick auf die Schaffung von Versickerungsflächen geprüft werden. Asphalt, Beton und Pflastersteine versiegeln den Boden und verhindern, dass Regenwasser dort versickert, wo es auf den Boden trifft. Soweit möglich, sollten sie durch Rasengittersteine oder eine Pflasterung mit offenen Zwangsfugen ersetzt werden. Einige Kommunen fördern solche Bodenentsiegelungsmaßnahmen.

     

    Dächer müssen vor allem gegen Hagel und Sturm gesichert werden. Im Idealfall sollten bereits beim Bau, aber insbesondere auch nach einem Hagelschaden bei Reparaturen möglichst hagelgeprüfte Bauteile und Baustoffe verwendet werden. Empfindliche Bauteile wie Lichtkuppeln im Dach können mit Schutzabdeckungen und -gittern geschützt werden oder gegen hagelsichere Fenster ausgetauscht werden. Wie widerstandsfähig Baumaterialien und Bauteile gegen Hagel sind, erkennt man an deren Hagelwiderstandsklasse (HW). Dabei entspricht die HW3 einem Mindesthagelwiderstand und HW7 einem sehr hohen Widerstand. Hagelsichere Bauteile findet man online im Hagelregister.

     

    Der beste Sturmschutz für Dächer ist, diese regelmäßig durch einen Profi auf Schäden kontrollieren zu lassen. Fehlende und defekte Ziegel oder Dachhalterungen erleichtern Stürmen ihr zerstörerisches Werk. Zudem sollten größere Bäume auf dem Firmengelände regelmäßig auf ihre Standfestigkeit und morsche Äste kontrolliert werden.

     

    Tipp: Apps wie Katwarn oder NINA warnen vor Unwettern und anderen Gefahrensituationen. Fahrzeuge, Maschinen und andere gefährdete Güter sollten bei einer Unwetterwarnung so weit wie möglich nach innen, etwa in eine Lagerhalle, gebracht werden. Dabei hilft, vorab für den Notfall entsprechende Stellplätze zu definieren. Alternativ können Fahrzeuge mit Hagelschutzplanen aus dem Fachhandel abgedeckt werden. Zudem sollten etwaige Markisen eingefahren und Abdeckplanen auf ihren Halt überprüft werden.

  • 2. Versicherungen

    Sind größere Schäden nicht richtig versichert, kann das für ein Unternehmen im schlimmsten Fall existenzbedrohend sein. In der Regel sind unternehmenseigene Immobilien mit einer Geschäftsgebäudeversicherung versichert, die Betriebseinrichtung, Waren und Vorräte über eine Geschäftsinhaltsversicherung.

     

    Elementarschäden decken die vorgenannten Versicherungen allerdings zumeist nicht automatisch ab. Dafür ist eine Elementarschadenversicherung notwendig, die auch erweiterte Naturgefahrenversicherung genannt wird. Sie deckt als Zusatzvereinbarung in der Geschäftsgebäudeversicherung, der Geschäftsinhaltsversicherung oder als separate Police Schäden an Gebäuden oder dem Inventar ab, die durch Überschwemmungen oder Rückstau durch Witterungsniederschläge wie zum Beispiel Starkregen sowie durch Schneedruck, Lawinen, Erdrutsche, Erdsenkungen oder Erdbeben entstehen.

     

    Kraftfahrzeuge sind im Rahmen der Kaskoversicherung unter anderem gegen Schäden durch Sturm (Teilkasko oft erst ab Windstärke 8), Hagel, Blitz und Überschwemmungen versichert. Entscheidend für die Erstattung eines Schadens ist häufig, dass nicht grob fahrlässig gehandelt wird. Wenn ein Firmenfahrzeug beispielsweise trotz einer Flutwarnung in einem gefährdeten Gebiet geparkt oder damit eine überflutete Straße befahren wird, gibt es bei einigen Versicherungen keinen Anspruch auf die (volle) Leistung.

     

    Die finanziellen Folgen einer zeitweiligen Betriebsschließung können über eine Betriebsunterbrechungsversicherung versichert werden. Sie deckt in der Regel Fixkosten wie Kreditraten, Leasinggebühren oder Gehälter ab. Einen umfassenden finanziellen Schutz gegen Betriebsschließungen aufgrund von Extremwetterereignissen gibt es allerdings nur, wenn auch die Betriebsunterbrechungsversicherung um das Thema Elementargefahren erweitert wird.

Postbank

In den Schutz vor Elementargefahren investieren mit der Postbank

Die Postbank ist Ihr verlässlicher Finanzierungspartner für alle Geräte, Maschinen, Fahrzeuge und Immobilien – mit und ohne staatliche Förderung. Dafür steht Ihnen ein umfangreiches Portfolio von Finanzierungslösungen bereit.

 

Für Geschäftskunden gehören dazu

• der Postbank Business Kredit direkt und

• der Postbank Kontokorrentkredit.

 

Für Firmenkunden

• der Postbank Investitionskredit und

• der Postbank Kontokorrentkredit.

Hilfsprogramm Hochwasserkatastrophe

Sie sind als Unternehmer oder Selbstständiger von der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz betroffen? Als Geschäfts- oder Firmenkunde von Postbank oder Deutscher Bank können Sie zu vereinfachten Bedingungen einen Sonderkredit mit acht Jahren Laufzeit in Höhe von bis zu 150.000 Euro beantragen, um zerstörte oder beschädigte Geschäftsräume und Produktionsstätten zeitnah instand zu setzen sowie Maschinen und andere notwendige Mittel zu beschaffen. #mitherzundhand

Postbank

  • Bildnachweise

    Aufmacherfoto: iStockphoto / ollo

Weitere Artikel

Aktuelles

Corona-Hilfsmaßnahmen – welche es noch gibt

Welche staatlichen Unterstützungs-maßnahmen bald auslaufen und welche jüngst verlängert wurden.

Innovationen

Outdoor-Smartphones: Hart im Nehmen

Wer viel im Freien arbeitet, braucht robuste Smartphones und Laptops. Hersteller haben sich darauf spezialisiert.

Finanzierung

Mit Investitionen im Wettbewerb gewinnen

Investitionen sind auch für kleine und mittlere Unternehmen wichtig. Finanzie-rungen sind dafür jetzt leicht zu haben.

Newsletter

Kontakt

Perspektiven