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Fallbeispiel Förderkredit

Widerstandsfähig durch die Krise

Mit regelmäßigen Investitionen in Innovationen hat sich die mbw-Gruppe zu einem bedeutenden Player in der deutschen Galvanotechnik entwickelt. Wichtigste Kundengruppe: die Automobilindustrie. Dann kam Corona – mit völlig neuen Herausforderungen, auch beim Thema Finanzierung.

Ob in der Automobilindustrie, der Elektrotechnik oder beim Bau: In vielen Branchen kommen Metalle zum Einsatz. Die allerdings haben einen entscheidenden Nachteil: Unbehandelt sind sie anfällig für Korrosion und Verschleiß. Das zu verhindern und Metalle mit innovativen Beschichtungsverfahren widerstandsfähig zu machen und optisch zu veredeln, ist das Geschäftsmodell der mbw-Gruppe mit Hauptsitz im baden-württembergischen Rheinmünster. Das 1987 gegründete Familienunternehmen setzt dafür auf die vielfältigen Möglichkeiten der galvanischen Oberflächenbehandlung.

 

Mit einem Innovationskredit in Nachhaltigkeit investieren

Um Widerstandsfähigkeit geht es oft auch, wenn sich mbw-Geschäftsführerin Vanessa Schmidt mit Tina Graber, Vertriebsdirektorin Firmenkunden Süd West bei der Postbank, trifft. Im Fokus steht dann zum Beispiel die Frage, wie sich das Unternehmen mit Innovationen Vorteile im Wettbewerb verschaffen kann – und wie sich das effizient finanzieren lässt. Ein wichtiges Thema ist dabei Nachhaltigkeit: „Die Anforderungen an den Umweltschutz messbar umzusetzen, fordert nicht nur der Gesetzgeber. Auch immer mehr Kunden verlangen das im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie“, sagt Vanessa Schmidt. Vor allem aber entspreche integraler Umweltschutz über alle Produktionsstufen dem mbw-Selbstverständnis als innovatives Unternehmen. Die Gruppe investiert deshalb regelmäßig in die Weiterentwicklung ihrer Galvanisierungsverfahren, seit 2017 zum Beispiel mithilfe des ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredits der KfW-Bank.

 

Mit der Hausbank von KfW-Programmen profitieren

„Das KfW-ERP-Innovationsprogramm wendet sich an innovative mittelständische Unternehmen und dient der Entwicklung neuer oder verbesserter Produkte, Prozesse und Dienstleistungen. Damit ist es perfekt für die mbw-Gruppe geeignet“, sagt Tina Graber. Das Gesamtvolumen in Höhe von 5,2 Millionen Euro hat man bei mbw im Sinne einer guten Zusammenarbeit mit allen Bankpartnern in bilateralen Verträgen über die drei Hausbanken verteilt. Finanziert wurden mit den KfW-Mitteln zum Beispiel ein neues ERP-System (Enterprise-Resource-Planning) und die Implementierung eines in der Europäischen Chemikalienverordnung (REACH) vorgeschriebenen umweltschonenden Galvanikverfahrens. Zum Jahreswechsel 2019/2020 investierte das Unternehmen zudem über das Programm „Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft“ an einem seiner Standorte in ein energieeffizientes Trocknungssystem.

Beste Zusammenarbeit – nicht nur in Krisenzeiten

Mit der Postbank in der Corona-Krise Liquidität sichern

Bewährt hat sich das gute Verhältnis der mbw-Gruppe zu ihren Bankpartnern zuletzt in der Corona-Krise. Als letztes Glied in der Lieferkette der Automobilindustrie wurde auch mbw vom Lockdown im Frühjahr 2020 schwer getroffen. Der Automotive-Sektor trägt knapp 65 Prozent zum Umsatz der Gruppe bei. Die Produktion in der deutschen Automobilindustrie war im April 2020 gegenüber dem Vormonat um fast 65 Prozent eingebrochen. „Glücklicherweise sind wir in unserer Kundenstruktur so diversifiziert aufgestellt, dass wir die dadurch entstandene dreimonatige Durststrecke noch einigermaßen überstanden haben“, sagt Vanessa Schmidt. Dabei geholfen haben Kurzarbeit und eine Liquiditätsspritze aus dem KfW-Corona-Hilfsprogramm. Letztere beantragte die mbw-Geschäftsführerin in Form eines KfW-Unternehmerkredits mit 80 Prozent Haftungsfreistellung über die Postbank und eine weitere Hausbank. „Dank unserer langjährigen guten Zusammenarbeit mit der Postbank sind wir hier schnell zum Ziel gekommen“, sagt Vanessa Schmidt. Ein Lob, das Firmenkundenbetreuerin Tina Graber gern zurückgibt: „Die mbw-Gruppe überzeugt uns seit jeher nicht nur mit ihrem Geschäftsmodell, sondern auch mit einem exzellenten Reporting und großer Transparenz. Das hat uns gerade in dieser Situation sehr geholfen, zügig eine gangbare Lösung zu finden.“

 

Mit guten Ideen und starken Partnern die Zukunft finanzieren

Die deutschen Autohersteller und ihre Zulieferer bewerteten ihre Geschäftslage zuletzt wieder besser: Nach einem Tief von minus 86,2 Punkten im April 2020 stieg der Lage-Indikator des ifo Instituts für die Branche bis Mai 2021 auf 36,6 Punkte, den besten Wert seit September 2018. Für Vanessa Schmidt ist das aber kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Sie blickt bereits wieder in die Zukunft: „Wir werden sowohl die Diversifizierung unserer Galvanikverfahren als auch unserer Kundenstruktur weiter vorantreiben und unsere Wertschöpfung weiter vertiefen“, sagt die Managerin. So sollen mithilfe einer weiteren Tranche aus dem KfW-ERP-Innovationskredit die Kapazitäten für ein Beschichtungsverfahren für Bauteile in der Elektromobilität erweitert werden. Zudem werden Serviceleistungen wie Qualitätsprüfungen im Rahmen von Zertifizierungen und Montagetätigkeiten ausgebaut. Um das Thema Finanzierung macht sich die mbw-Geschäftsführerin bei all dem eher weniger Gedanken – dafür habe man schließlich verlässliche Partner wie die Postbank an seiner Seite.

Fakten

mbw-Gruppe

Die mbw-Gruppe zählt zu den führenden Anbietern im Bereich der Oberflächenveredelung von Metallen. Für die Galvanisierung ist die Gruppe bundesweit an sieben Standorten präsent. Zudem werden in Baden-Baden maßgeschneiderte Lastaufnahmemittel, Tragwerke und Stahlkonstruktionen gefertigt. Dank der Vielzahl seiner Standorte verfügt das Unternehmen über ein Havarie-Konzept: Die Produktion lässt sich also erweitern oder auch verlagern. „Das könnte aktuell schnell wichtig werden, zum Beispiel wenn wir einen Standort quarantänebedingt schließen müssten“, erklärt mbw-Geschäftsführerin Vanessa Schmidt. Mit seiner Expertise insbesondere im Bereich galvanische Oberflächenbehandlung arbeitet das Unternehmen unter anderem für Kunden aus der Automobilbranche, der Bau- und Beschlagindustrie sowie der Elektroindustrie.

 

Standorte: 8

Mitarbeiter: 364

Umsatz (2019): 31,3 Mio. Euro

www.mbw-group.com

  • Bildnachweise

    Alle Fotos: Jens Achtert / KREATV

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