Sicher unterwegs auf allen Kontinenten

In vielen Regionen der Welt sind Geschäftsreisende besonderen Risiken ausgesetzt. Damit ihnen nichts passiert, müssen sie gut vorbereitet sein. Dabei und im Notfall helfen Spezialisten.

Geschäftsreisen

er deutsche Außenhandel eilt von Rekord zu Rekord: 2017 wurden erstmalig Waren im Wert von fast 1.300 Milliarden Euro exportiert, ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Importe legten um 8,3 Prozent zu und übertrafen erstmals die 1.000-Milliarden-Euro-Marke. Und auch für 2018 sind die international agierenden Unternehmen optimistisch gestimmt – trotz zunehmender Handelshemmnisse. Das hat die IHK-Unternehmensumfrage „Going International“ ergeben.

 

Die aktuelle Liste der aktiven Exportpartner umfasst 233 Länder, von den Vereinigten Staaten (Exportvolumen: rd. 112 Mrd. Euro) bis zum kleinen Inselstaat Niue im Südpazifik (Exportvolumen:
3.000 Euro). Auch immer mehr mittelständische Unternehmen operieren weltweit. Die sogenannten „Hidden Champions“, zu Deutsch „verborgene Weltmarktführer“, erwirtschaften häufig einen Großteil ihres Umsatzes im Ausland.

 

Kontakte auf Augenhöhe

Trotz aller digitalen Möglichkeiten zur weltweiten Kommunikation zählt für erfolgreiche Geschäfte auch weiterhin der Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Mehr als acht von zehn Geschäftsreisenden gehen laut einer Befragung im Rahmen der Studie „Chefsache Business Travel 2017“ des Deutschen Reiseverbands (DRV) davon aus, dass persönliche Treffen mit Kunden oder potenziellen Kunden einen großen Einfluss auf die Abschlussbereitschaft für Folge- bzw. Neuaufträge haben. Beruflich gereist wird aber nicht nur, um Verträge unter Dach und Fach zu bringen, sondern auch, um diese zur Zufriedenheit der Kunden auszuführen. Ganze Horden von deutschen Ingenieuren und Servicetechnikern sind dafür weltweit unterwegs.

 

Risiken für Geschäftsreisende nehmen zu

Das Problem: Wer viel auf Achse ist, setzt sich vermehrt Risiken aus. Das gilt umso mehr für Business-Trips in Dritte-Welt- oder Schwellenländer. Laut aktueller DRV-Geschäftsreisestudie war fast die Hälfte der Geschäftsreisenden im vergangenen Jahr von politischen Unruhen, Kriminalität und schwierigen Einreisebestimmungen betroffen.

D

Sicher reisen mit
der AA-Reise-App

Das Auswärtige Amt bietet Tipps für sichere Auslandsreisen in einer App.

Wo Reisen gefährlich ist

Die Travel Risk Map von International SOS und Control Risks zeigt, in welchen Ländern das Reisen 2018 besonders unsicher ist. Die Karte können Sie hier herunterladen.

Zu den häufigsten Problemen, mit denen sich Mitarbeiter deutscher Unternehmen im Ausland konfrontiert sehen, gehören allerdings nicht Terroranschläge oder Entführungen, sondern Verkehrsunfälle. Dass diese, auch wenn man selbst körperlich unversehrt daraus hervorgeht, nicht unbedingt eine Banalität darstellen, zeigte das Beispiel eines deutschen Geschäftsmanns in Thailand. Er wurde in Bangkok in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem ein Einheimischer auf einem Motorrad ums Leben kam. Obwohl der Geschäftsreisende nicht der Verursacher des Unfalls war, wurde er sofort inhaftiert. Im Gefängnis sollte der junge Deutsche ein auf Thai verfasstes Dokument zum Hergang des Unfalls unterzeichnen, ohne dieses lesen zu können. Eine brenzlige Situation, denn Unfälle mit Todesfolge können in Thailand hart bestraft werden. Die Rettung kam in Form eines Sicherheitsdienstleisters, den die Firma des Deutschen eingeschaltet hatte. Er half bei den Übersetzungen zwischen Deutsch, Englisch und Thai und leistete dem zu Unrecht Inhaftierten bis zu dessen Freilassung psychologischen Beistand.

 

Sicherheit auf Geschäftsreisen ist Fürsorgepflicht

Bevor Unternehmer in ferne Länder reisen oder ihre Mitarbeiter dort hinschicken, sollten sie sich also über die Lage vor Ort informieren und gegebenenfalls Sicherheitsvorkehrungen treffen. In bestimmten Fällen gehört das für den Arbeitgeber sogar zur gesetzlichen Fürsorgepflicht: „Bei der Entsendung von Mitarbeitern in Krisengebiete besteht eine Schutzpflicht immer dann, wenn eine konkrete Gefährdungslage des Mitarbeiters in seinem Einsatzgebiet vorliegt“, sagt Arbeitsrechtler Stefan Röhrborn. Das gilt zum Beispiel dann, wenn das Auswärtige Amt konkrete Reisewarnungen oder eine erhöhte Sicherheits- oder Terrorwarnstufe ausruft.

 

Für alle Mitarbeiter im Auslandseinsatz gehören auf jeden Fall eine Unfallversicherung, Reiseversicherung, Versicherungen gegen Diebstahl und eine Krankenversicherung ins Gepäck. Einen Schritt weiter gehen Versicherungen, die im Fall einer Entführung mögliche Lösegeldforderungen abdecken.

Sicher bezahlen auf Reisen

Für das sichere bargeldlose Bezahlen auf Geschäftsreisen bietet die Postbank ihren Geschäftskunden die Postbank VISA Business Card. Als Karteninhaber können Sie unter anderem den günstigen Buchungsservice von FCm Travel Solutions nutzen und von vielen Ermäßigungen und Spezialraten profitieren.

Unterstützung durch externe Dienstleister

Insbesondere mittelständische Unternehmen haben zumeist nicht die Ressourcen, um die Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter auch unter Sicherheitsaspekten optimal vorzubereiten. Oft sind es aber gerade diese Unternehmen, die sich als erste in risikoreichere Regionen vorwagen, nicht zuletzt um sich wichtige Wettbewerbsvorteile zu sichern. Hier kommen Firmen wie International SOS oder Control Risks ins Spiel. „Die Unternehmen schließen mit uns eine Mitgliedschaft. Dafür bekommen sie alle relevanten Informationen aus dem Reiseland, die natürlich stets aktuell sein müssen“, beschreibt Veronica Wiegand vom Sicherheitsdienstleister International SOS das Geschäftsmodell. „Wir informieren über Einreisebestimmungen und besprechen Sicherheitsaspekte. Gerade um das kritische Thema Verkehr zu entspannen, analysieren wir die Straßenverhältnisse und empfehlen beispielsweise statt der Nutzung eines Mietwagens die Buchung eines Limousinen-Services oder einer Taxifahrt.“ In den vergangenen Jahren sei das Bewusstsein, die eigenen Mitarbeiter schützen zu müssen, stark gestiegen, beobachtet die Sicherheitsexpertin.

 

Zum Reisemanagement gehört auch, Mitarbeiter über kulturelle Eigenarten aufzuklären. Wissen darüber, wie man sich im jeweiligen Land verhält, spricht oder welche Gesten tunlichst vermieden werden sollten, erhöht die eigene Sicherheit. Werden etwa von International SOS neue Länder erschlossen, wie gerade die wirtschaftlich aufstrebenden zentralasiatischen Republiken Usbekistan und Kirgisistan, untersuchen die Sicherheitsexperten örtliche Gegebenheiten, erkunden die Infrastruktur und geeignete Hotels. Nachgefragt werden ihre Dienste am häufigsten bei Reisen in die Türkei, gefolgt von China, Russland, Indien, Mexiko und den nordafrikanischen Maghreb-Ländern.

 

Immer cool bleiben

Wie verhält man sich bei Polizeikontrollen im Ausland oder bei einem Überfall? Damit Geschäftsreisende lernen, mit solchen Risiken besser umzugehen, bieten Firmen wie International SOS auch Sicherheitstrainings an, häufig in Zusammenarbeit mit den Handelskammern. Dabei wird das richtige Verhalten in brenzligen Situationen als Rollenspiel geübt.

 

Ein neues Konzept hat die Firma Mybreev entwickelt: Schwierige Situationen werden realitätsnah mit Virtual-Reality-Brillen durchgespielt. „Mit der Brille können wir die Leute überall hinschicken und Ereignisse vorwegnehmen. Das bietet einen hohen Lerneffekt“, sagt Mybreev-Chef Uwe Röniger.

 

Bei aller Technik: Auch einfache Maßnahmen können zur Sicherheit auf Reisen beitragen – zum Beispiel vor Reiseantritt alle Ausweis- und Reisedokumente zu kopieren. Im Notfall hilfreich ist es, medizinische Informationen über Medikamente auf Englisch bei sich zu führen. Einen simplen Tipp für Überfälle gibt der Bundesverband für Sicherheit in der Wirtschaft: Ein Dummy-Portemonnaie benutzen, das man den Tätern im Falle eines Überfalls problemlos aushändigen kann.

Interview

Martin Bauer, Regional Security Manager, International SOS

„Nicht den Helden spielen!”

Martin Bauer, Regional Security Manager, International SOS

  • Interview lesen

    Perspektiven: Wie sollten sich Geschäftsreisende vorbereiten, bevor sie in unsichere Länder reisen?

     

    Martin Bauer: Dafür gibt es viele Quellen, vom Auswärtigen Amt über Kollegen mit Erfahrung im Reiseland bis hin zu Dienstleistern, die auch präventive Maßnahmen wie Trainings bieten. Übrigens: Auch wenn die Medien suggerieren, dass Terroranschläge allgegenwärtig sind – die Wahrscheinlichkeit, davon betroffen zu sein, ist zum Glück äußerst gering.

     

    Perspektiven: Wie sollten Geschäftsreisende vorgehen, wenn etwas passiert ist, beispielsweise ein Überfall?

     

    Martin Bauer: Die ersten Fragen sind immer: Bin ich oder sind andere um mich herum verletzt? Wen kann oder sollte ich über meine Lage informieren? Und schließlich: Wer kann mir helfen? Bei Überfällen ist es ratsam, Ruhe zu bewahren, möglichst zu kooperieren und allen gestellten Forderungen nach Geld und Wertgegenständen nachzukommen. Versuchen Sie auf keinen Fall, den Helden zu spielen!

  • Bildnachweise

    Aufmacher: iStockphoto / Tempura; Fotos: International SOS, Postbank

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