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Corona aktuell

Geschäftsreisen – was jetzt gilt

Mit dem erwarteten Abflauen der Corona-Pandemie werden Vor-Ort-Termine bald wieder an Bedeutung gewinnen. Dabei gilt es auch weiterhin, den Infektionsschutz bestmöglich zu gewährleisten.

Es bleibt eine Situation zwischen Bangen und Hoffen: Während die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in einigen Ländern zuletzt auf neue Rekordwerte kletterte, etwa in Tschechien, nahm sie andernorts spürbar ab, etwa in den USA. Fest steht: Die Pandemie wird uns noch viele Monate begleiten – Experten erwarten ihr weltweites Ende frühestens im nächsten Jahr. Aufgrund zunehmender Impfungen und einer fortschreitenden „Herdenimmunisierung“ könnte es aber in einigen Regionen schon vorher zu einer beginnenden Normalisierung kommen. Damit dürfte auch die Zahl von Geschäftsreisen wieder zunehmen. Zwar haben die deutschen Unternehmen laut der Studie „Chefsache Business Travel 2020“ des Deutschen Reiseverbands (DRV) bereits zu Beginn der Pandemie etwa zwei von drei Geschäftsreisen durch virtuelle Meetings ersetzt. Doch die sind für viele Beschäftigte nur eine Notlösung: Mehr als acht von zehn Befragten würden persönliche Treffen bevorzugen. Diese böten eine bessere Möglichkeit zur Beziehungspflege und sorgten in der Folge für höhere Umsätze, sagt rund jeder zweite. Ohnehin lässt sich nicht alles per Videokonferenz in virtuelle Räume verlegen – man denke nur an die Montage von Maschinen oder das Ausführen von Handwerksaufträgen.

 

Sicherheit auf Reisen ist Teil der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Insbesondere für Unternehmen, die Mitarbeiter ins Ausland entsenden, stellen sich aktuell die Fragen, was zu welchen Bedingungen möglich und sinnvoll ist und wie der Gesundheitsschutz von Mitarbeitern auf Reisen gewährleistet werden kann. Ein erster Schritt ist immer, genau zu prüfen, ob die Dienstreise durch elektronische Kommunikationswege ersetzbar ist. Falls nicht, gilt es, sich über die aktuelle Risikolage vor Ort zu informieren. Das gehörte auch vor dem Ausbruch der Pandemie bereits zur gesetzlichen Fürsorgepflicht, etwa bei Reisen in Kriegsgebiete.

Wo Reisen aktuell besonders gefährlich ist

Die Travel Risk Map von International SOS zeigt, in welchen Ländern das Reisen aktuell besonders unsicher ist. Unterschieden wird dabei in COVID-19 bedingte Risiken („COVID-19 Domestic Operations“), allgemeine medizinische Risiken („Medical“) und Sicherheits-Risiken wie zum Beispiel politische Unruhen oder Kriminalität („Security“). Einbindung mit freundlicher Genehmigung von International SOS.

Welche Aspekte Sie bei einer Geschäftsreise oder einer Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland unbedingt berücksichtigen sollten, zeigt unsere Checkliste:

 

Checkliste für Geschäftsreisen während
der Corona-Pandemie

Gibt es aktuelle COVID-19-bedingte Reisewarnungen des Auswärtigen Amts für das Zielland?

 

Ist vor der Einreise in das Zielland ein negativer Corona-Test erforderlich oder gibt es eine Quarantänepflicht? Geeignete Informationsquellen dafür sind neben dem Auswärtigen Amt die Website Re-open EU der Europäischen Union, die Website des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, die Botschaften der Zielländer oder die Deutschen Außenhandelskammern.

 

Welche Bedingungen gelten für die Rückkehr aus Risikogebieten nach Deutschland? Eine aktuelle Übersicht dazu finden Sie beim Bundesgesundheitsministerium. Welche Länder als Risikogebiet gelten, sehen Sie in der Übersicht des Robert Koch-Instituts.

 

Gibt es einen Kontakt im Zielland, an den sich ein infizierter Mitarbeiter im Notfall wenden kann?

 

Gibt es einen Notfallplan für den Fall, dass sich ein Mitarbeiter im Ausland infiziert?

 

Habe ich meine Mitarbeiter ausreichend über die geltenden Vorschriften informiert, etwa eine Quarantäne- oder Testpflicht?

 

Wurde der Mitarbeiter über die eigenen Möglichkeiten zum Infektionsschutz aufgeklärt? Informationen dazu gibt zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Wer trägt dabei entstehende Kosten, etwa für FFP2-Masken?

 

Wer trägt die Kosten für Tests und falls ein Mitarbeiter infektions- oder quarantänebedingt ausfällt? Die gesetzlichen Regelungen dazu finden Sie hier.

 

Existiert ein Firmen-Gruppenvertrag für eine Auslandsreise-Krankenversicherung für Dienstreisen von Mitarbeitern? Beinhaltet dieser einen Assistenz-Service?

Grundsätzlich sollten Unternehmen darauf verzichten, Mitarbeiter mit relevanten Vorerkrankungen in Corona-Risikogebiete zu entsenden. Hier handelt es sich allerdings um ein heikles Thema, denn Mitarbeiter sind nicht dazu verpflichtet, ihren Arbeitgeber über Vorerkrankungen zu informieren.

Postbank

Kontaktlos sicher bezahlen

Mit Karte zu bezahlen ist hygienischer als das Hantieren mit Bargeld. Für Geschäftsreisen bietet die Postbank ihren Geschäftskunden die Postbank VISA Business Card mit kontaktloser Bezahlfunktion. Damit bezahlen Sie und Ihre Mitarbeiter weltweit an 44 Millionen Akzeptanzstellen bargeld- und kontaktlos und profitieren von zahlreichen Inklusivleistungen rund ums Reisen.

Kompetente Unterstützung sichern

Unternehmen, die häufig Mitarbeiter ins Ausland entsenden, können für die Reisevorbereitung auf darauf spezialisierte Unternehmen zurückgreifen. Die Sicherheitsexperten helfen ihnen beim Reiserisiko-Management ihrer Geschäftsreisen: Sie kennen die örtlichen Gegebenheiten, die Infrastruktur und empfehlen geeignete Hotels. Zudem bieten sie ihren Kunden E-Learnings und Sicherheitstrainings an.

Interview

„Selbst Reisen im Inland werfen in der aktuellen Situation viele Fragen auf“

Frédéric Balme, Regional General Manager Central Europe beim Gesundheits- und Sicherheitsdienstleistungsunternehmen International SOS

  • Interview lesen

    Perspektiven: Worauf sollten Geschäftsreisende in Pandemiezeiten besonders achten?

     

    Frédéric Balme: Besonders wichtig ist aktuell natürlich die medizinische Infrastruktur in den Reiseländern. Diese war vielfach schon vor COVID-19 nicht ideal. Nun stellt die Pandemie die Gesundheitssysteme vor zusätzliche Herausforderungen. Wer in entsprechende Länder reist oder seine Mitarbeiter dorthin schickt, sollte sich dessen bewusst sein. Welche Länder besonders betroffen sind, ist für Laien nicht immer leicht zu durchblicken. Auch in Europa sind die Standards, etwa für einen Krankenhausaufenthalt und die Versorgung mit Medikamenten, schon sehr unterschiedlich. Zusätzlich ist es momentan besonders wichtig, sich frühzeitig gut auf Einreise- und Rückreisebestimmungen vorzubereiten, denn jedes Land und teilweise Bundesland hat unterschiedliche Regularien, was Registrierung, Quarantäne und Tests betrifft. Selbst Reisen im Inland werfen bei unseren Kunden in der aktuellen Pandemiesituation viele Fragen auf.

     

    Perspektiven: Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter auf Auslandsreisen schützen?

     

    Frédéric Balme: Eine gute Vorbereitung kann viele Risiken minimieren. Unternehmen sollten deshalb eine Safety-first-Kultur entwickeln. Es hilft, bestimmte Szenarien im Vorfeld einer Reise durchzuspielen. Etwa: Was tun wir, wenn sich ein Mitarbeiter infiziert? In der Regel hilft das dabei, schwierige Situationen schnell zu lösen.

     

    Perspektiven: Wie unterstützen Sie Ihre Kunden dabei?

     

    Frédéric Balme: Unsere Gesundheits- und Sicherheitsexperten kennen sich von Berufs wegen mit den örtlichen Gegebenheiten in vielen Ländern genau aus. Deshalb können wir unsere Kunden auch ganz gezielt beraten. Aktuell sorgen wir natürlich insbesondere dafür, die medizinische Versorgung sicherzustellen. Dazu gehört auch, dass wir vor Ort Ärzte kennen, die im Idealfall Deutsch sprechen. Unsere weltweit 26 Assistance Center sind rund um die Uhr erreichbar. Notfalls organisieren wir einen medizinisch begleiteten Rückflug. Woran kaum jemand denkt: Wir sind aktuell auch vermehrt mit der Hilfestellung bei psychischen Problemen konfrontiert. Die Corona-Regeln sind in manchen Ländern sehr rigide. Das bedeutet für viele Expats, aber auch Geschäftsreisende, die kurzfristiger im Ausland unterwegs sind, erheblichen Stress.

     

    Perspektiven: Welche Risiken gibt es für Geschäftsreisende aktuell außer Corona?

     

    Frédéric Balme: Das kommt natürlich immer darauf an, wohin man reist. In manchen Ländern stellen aktuell politische Unruhen und damit verbundene Demonstrationen ein verstärktes Risiko dar. Häufig erwachsen Risiken aber aus eher alltäglichen Dingen: So sind weltweit nach wie vor Verkehrsunfälle ein großes Thema. In einigen Ländern kann einen ein durch den anderen Verkehrsteilnehmer verursachter Unfall sogar ins Gefängnis bringen. Vielerorts raten wir deshalb, statt eines Mietwagens lieber einen Limousinen-Service oder ein Taxi zu buchen. Dabei gilt in Corona-Zeiten natürlich: hinten einsteigen, FFP2-Maske tragen und im Anschluss das Händewaschen nicht vergessen. Aktuelle Informationen zum Thema Sicherheit auf Geschäftsreisen finden interessierte Hörer übrigens auch in unserem Podcast „Geschäftsreisen? Aber sicher!“ in unserer Mediathek unter www.internationalsos.de.

  • Bildnachweise

    Aufmacherfoto: iStockphoto / martin-dm; weiteres Foto: privat

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