Internationale Automobil-Ausstellung

Die Zukunft des Autos
hat schon begonnen

Das Auto – ein Auslaufmodell? Von wegen. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) ist dieser Tage zu besichtigen, wie die Zukunft auf vier Rädern aussehen kann. Wir nehmen Sie mit auf einen virtuellen Rundgang.

bgasskandal, Kartellvorwürfe – für die deutsche Automobilindustrie war 2017 bislang kein gutes Jahr. Und diese kritischen Themen dürften – zu Recht – auch viele Gespräche auf der 67. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vom 14. bis 24. September in Frankfurt am Main beherrschen. Was in gesundheitsschädlichen Dieselschwaden und imageschädigenden Absprachen fast unterzugehen droht: In den weltweiten Entwicklungslaboren der Vierradbranche und anderer Hightechunternehmen wird längst an den Mobilitätskonzepten von morgen geforscht. Denn Verbrennungsmotoren hin oder her: Die automobile Welt wird sich in den nächsten Jahren rasant verändern. Daran arbeiten nicht nur die bekannten Automobilkonzerne und Zulieferer, sondern auch ganz neue Player, zum Beispiel aus den Bereichen IT und Internet. Plakativ zu besichtigen ist das auf der IAA in der Veranstaltungsreihe New Mobility World. Die wichtigsten Trends im Überblick:

A

Elektromobilität

Rund 34.000 elektrisch betriebene Fahrzeuge sind laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hierzulande derzeit angemeldet. Vom Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen, ist Deutschland also noch weit entfernt. Die aktuelle Diesel-Diskussion könnte das Thema E-Mobility nun jedoch beschleunigen. Immerhin: Etwa 30 Elektromodelle haben die deutschen Autohersteller inzwischen im Sortiment. Und in der Pipeline ist manch spektakuläre Entwicklung, etwa die seriennahe Studie „Concept EQ“ von Mercedes-Benz, der „Mission E“ von Porsche oder der „Showcar I.D.“ von VW.

 

Vor allem durch den Einsatz vergleichsweise kleiner und leichter Lithium-Ionen-Akkus wird die Leistungsfähigkeit und Reichweite der Elektroautos Stück für Stück erhöht. Das neue „Model 3“ der innovativen US-Elektroautoschmiede Tesla, das Experten zufolge ab 2019 auf dem deutschen Markt verfügbar sein dürfte, beschleunigt aktuellen Herstellerangaben zufolge von 0 auf 100 in weniger als
6 Sekunden und kann mit einer Stromladung bis zu 345 Kilometer zurücklegen. Sein Preis wird mit  voraussichtlich 35.000 US-Dollar im Bereich der automobilen Mittelklasse liegen.

 

Für Zulieferer bieten sich Chancen zum Beispiel in der Produktion von Batterien und Ladeequipment. Eine Killerapplikation könnte hier das induktive Laden ohne Kabel werden. Der US-Chipkonzern Qualcomm investiert bereits seit einigen Jahren in die Technik, mit der heute bereits Zahnbürsten oder Smartphones kabellos geladen werden.

Das „Model 3“ des Elektroauto-Pioniers Tesla hat eine Strahlkraft wie einst das iPhone im Bereich der Smartphones.

Einen „Tribut an morgen“ nennt Porsche seine E-Auto-Konzeptstudie „Mission E“.

Ein Hightech-Hingucker ist auch der „Concept EQ“ von Mercedes-Benz. Reichweite: bis zu 500 Kilometer.

Automated Driving

Selbstfahrende Fahrzeuge könnten bereits in naher Zukunft zunehmend das Straßenbild prägen. Denn die Automatisierung bietet – insbesondere im Zusammenspiel mit zunehmender Vernetzung – die Chance, das Autofahren effizienter, sicherer und umweltverträglicher zu machen. Autos fahren dann dank Elektroantrieb nicht nur abgasfrei und leise durch die Stadt, sondern halten von alleine Geschwindigkeitsbegrenzungen ein, beachten alle Straßenverkehrsregeln und geraten nicht mehr auf die falsche Bahn. Was mit den Fahrerassistenzsystemen begann und dem teilautomatischen Fahren fortgesetzt wird, entwickelt sich Schritt für Schritt zum vollautomatischen Fahren.

 

Wird der Mensch in Level 4 des Automated Driving zunächst noch in bestimmten Situationen vom System dazu aufgefordert, aktiv einzugreifen, so wird er in Level 5 nur noch dazu da sein, das System zu starten und das Ziel zu nennen. Das Marktforschungsunternehmen Gartner geht davon aus, dass zwischen 2020 und 2030 etwa 200 bis 250 Millionen Autos Level 3 erreichen dürften. Sie könnten auf der Autobahn weitestgehend selbstständig fahren, würden aber kniffligere Fahrabschnitte dem menschlichen Fahrer überlassen. Der kürzlich vorgestellte Audi A8 ist das erste Auto, das sich auf diesem „Intelligenzniveau“ befindet.

 

Möglich machen das Fahren ohne menschlichen Fahrer erst extrem leistungsfähige Computerchips, die in der Lage sind, die komplexen Rechenanforderungen des Automated Driving zu erfüllen. Ein Beispiel: der neue Xavier-Chip von Nvidia mit möglichen 30 bis 35 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde.

Mit dem „Model S“ hat Tesla die Tür zum automatischen Fahren eindrucksvoll weit aufgestoßen.

Wie modern die Autos von morgen auch innen aussehen können, zeigt der chinesische Zulieferer Yanfeng.

Connected Car

Die intelligente Vernetzung von Fahrzeugen und die Digitalisierung im und um das Auto könnten den Verkehr revolutionieren. Ziel der Automobilindustrie ist es, mittels der Integration von zusätzlichen Informationen aus der Infrastruktur, von anderen Fahrzeugen und Verkehrsteilnehmern sowie von Service- und Diensteanbietern die Vernetzung noch stärker voranzutreiben. Dies verspricht einen effizienteren und reibungslosen Verkehrsablauf und jede Menge Zeitersparnis für den Einzelnen. Manches davon ist bereits im Einsatz. Moderne Navigationssysteme etwa weisen dank Real-Time-Mapping nicht nur intelligent den besten Weg zum Ziel, sie warnen auch in Echtzeit vor gerade entstehenden Staus. Künftig könnten sie durch die Vernetzung mit anderen Verkehrsteilnehmern zum Beispiel frei werdende Parklücken identifizieren.

 

Nicht zuletzt könnte durch das Automated Driving auch das Bedürfnis nach Entertainment steigen – auf einer mehrstündigen Autobahnfahrt gibt es ohne gelegentliche Überholmanöver eben nicht mehr viel zu tun. Streaminganbieter wie Netflix, Amazon Prime, iTunes und Co. stehen schon bereit, um hier mit maßgeschneiderten Angeboten für Abhilfe zu sorgen.

Das 12,3 Zoll TFT-Display des Audi virtual cockpit bietet jede Menge Informationen in hoher Qualität.

Entertainment, Social Media, Arbeiten oder Relaxen – was schon geht, zeigt Harman International.

Mit „Watson IoT“ hat der IT-Konzern IBM eine Plattform für das vernetzte Auto geschaffen.

Mobility Services

Eng verknüpft mit den Themen Connected Car und Urban Mobility ist der Bereich der Mobility Services. Dazu gehören automatische Notrufdienste genauso wie Trackingmöglichkeiten für gestohlene Autos oder die Online-Reservierung freier Parkhausplätze. Mobility Services verarbeiten die Anfragen ihrer Nutzer und ermöglichen es zum Beispiel, gezielt das für den geplanten Weg am besten geeignete Verkehrsmittel zu wählen, etwa den öffentlichen Nahverkehr oder Carsharing. Ein Beispiel dafür ist die bereits im Einsatz befindliche App moovel, eine Entwicklung der Daimler Mobility Services GmbH.

Car2go bietet als Marktführer 14.000 Fahrzeuge in 26 Innenstädten zum Carsharing an.

Mobility Service: Die Online-Mitfahrzentrale BlaBlaCar ist bereits in 22 Ländern aktiv.

10 Minuten verbringen Fahrer heutzutage mit der Parkplatzsuche. Das könnte sich bald ändern.

Urban Mobility

Autos drosseln vor Schulen automatisch das Tempo, Pendler lassen sich per App das passende E-Verkehrsmittel für den schnellsten, sichersten und umweltschonendsten Weg zur Arbeit anzeigen, und die Heizung zu Hause wärmt die Räume vor, sobald sich das Auto auf den gewohnten feierabendlichen Heimweg macht. Eine Stadt ohne Staus, mit durchgehend fließendem, bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmtem Verkehr, mit niedrigem CO₂-Ausstoß und minimaler Feinstaubbelastung – so stellen sich Stadtplaner die Smart City von morgen vor. Erreicht werden soll dieses Ziel durch ein perfekt orchestriertes Echtzeit-Verkehrsmanagement, das unterschiedliche Lebensbereiche wie das Zuhause und den Arbeitsplatz miteinander vernetzt. Die Bosch-Gruppe etwa entwickelt in Singapur derzeit eine Diensteplattform für E-Mobilität: Fahrer von Elektroautos sollen über die internetbasierte „eMobility Solution“ freie Ladesäulen finden und reservieren, dabei die aktuelle Verkehrslage einbeziehen und sich einen Überblick über öffentliche Verkehrsmittel zur Weiterfahrt verschaffen können. Der US-amerikanische Informationstechnologiekonzern Cisco bereitet derzeit in Hamburg ein umfassendes Stadtentwicklungsprojekt für eine bessere Verkehrssteuerung, Energieeinsparung und die Förderung der Elektromobilität vor.

Autos, die abheben – für Airbus Urban Air Mobility ist das bereits mehr als nur eine schöne Vision für die Metropolen von morgen.

Hamburg könnte bald die smarteste Stadt Deutschlands werden. Daran arbeitet gegenwärtig das Unternehmen Cisco.

  • Bildnachweise

    Aufmacherbild: Yanfeng Automotive Interiors, Montage: HMC;

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