Innovationen
sicher finanzieren

Innovationen sind wichtig für den Unternehmenserfolg. Doch die Innovatorenquote in Deutschland ist rückläufig. Nicht selten scheitern Innovationsprojekte an der Finanzierung. Das muss nicht sein.

Unternehmensfinanzierung

 

ehr als 30.500 Windenergieanlagen stehen derzeit in Deutschland auf Feldern und Wiesen sowie dem offenen Meer. Viele davon müssen in den kommenden Jahren abgerissen werden. Weil sie das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben oder weil ihr Betrieb unwirtschaftlich wird – Ende 2020 etwa läuft für mehr als 5.600 Anlagen die Förderung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus. Dann kommt die große Stunde der Firma Hagedorn. Denn das Familienunternehmen aus Gütersloh ist Marktführer der deutschen Abbruchbranche und unter anderem ein Spezialist für den Rückbau von Windkraftanlagen. 1997 gründete Thomas Hagedorn das Unternehmen mit nur einem Bagger und einem Tieflader. Heute umfasst die Hagedorn Gruppe 39 Tochterunternehmen mit insgesamt 500 Mitarbeitern und bedient die gesamte Prozesskette von Abbruch und Sanierung über Entsorgung und Recycling bis zu Tiefbau und Revitalisierung. Eine echte Erfolgsstory, die nicht zuletzt auf der hohen Innovationskraft des Unternehmens beruht. Ein Beispiel: 2018 gründete Hagedorn eigens ein Tochterunternehmen, das sich mit dem Einsatz von Digitalisierungsthemen wie dem Internet der Dinge, Big Data und künstlicher Intelligenz für die Abbruchbranche befasst.

 

Was Innovatoren ausmacht

Für ihre Innovationskraft wurde die Hagedorn Gruppe jetzt mit dem TOP 100-Siegel als Innovationsführer des deutschen Mittelstands geehrt. Vergeben wird das Siegel jährlich von der compamedia GmbH. Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, seit 2011 Mentor des Wettbewerbs, fasst die Qualitäten der TOP 100 wie folgt zusammen: „Offenheit für Neues, das Tolerieren von Fehlern, das beständige Bestreben, Dinge neu und anders zu machen – das sind die Merkmale einer guten Innovationskultur. Es sind weitsichtige und zupackende Entrepreneure, bei denen Innovation tagtäglich an erster Stelle steht.“

Die Auswahl der TOP 100 erfolgt auf Basis von 120 Parametern durch ein Expertenteam unter Leitung des Innovationsforschers Prof. Dr. Nikolaus Franke, Gründer und Vorstand des Instituts für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien. Für die aktuelle Runde haben sich 389 Unternehmen beworben. Die besten drei aus jeder Größenklasse kommen in die Auswahlrunde zum „Innovator des Jahres“. Aus ihnen wählt eine Expertenjury die Sieger aus, das sind in diesem Jahr neben der Hagedorn Gruppe die IT-Entwicklungs- und Beratungsfirma itemis AG und das Werkstoffunternehmen Inpuls GmbH.

Erfolgsfaktor Innovation

Wie sehr Innovationskraft zum Unternehmenserfolg beitragen kann, zeigt eine Auswertung wichtiger Kennzahlen der TOP 100 durch Innovationsforscher Franke: Ihr Umsatzwachstum lag demnach zuletzt durchschnittlich 24 Prozentpunkte über dem Branchenwert. Nach Erhebungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erzielten die Unternehmen der deutschen Wirtschaft 2017 mit Produktinnovationen einen Umsatz von 822 Mrd. Euro. Davon entfielen 168 Mrd. Euro auf Marktneuheiten, d. h. auf Produktinnovationen, die zuvor noch von keinem anderen Unternehmen im jeweiligen Absatzmarkt angeboten wurden. Das sind 15,5 Prozent des gesamten Umsatzes der in der ZEW-Innovationserhebung erfassten Wirtschaftszweige und Größenklassen.

 

Investitionshemmnis Finanzierung

Die schlechte Nachricht: Der Anteil der innovativen Unternehmen in Deutschland sinkt. Das zeigt der im Juli 2019 veröffentlichte aktuelle KfW-Innovationsbericht. Die Innovatorenquote für die Jahre 2015/2017 liegt demnach bei 23 Prozent und damit um 4 Prozent niedriger als in der zuvor untersuchten Periode 2014/2016. Nur noch 850.000 kleine und mittlere Firmen investierten zuletzt in innovative Produkte oder Prozesse – 150.000 weniger als 2014/2016. Seit ihrem Höchststand von 43 Prozent in den Jahren 2004/2006 hat sich die mittelständische Innovatorenquote damit nahezu halbiert.

 

Für den Rückgang der Innovationstätigkeit seit Mitte der 2000er-Jahre dürfte laut KfW Research ein Bündel von Faktoren ausschlaggebend gewesen sein. Dazu zählen der Fachkräftemangel und die Alterung der Beschäftigten, aber auch die Zunahme von Finanzierungshemmnissen. „Viele Unternehmen beklagen, dass hohe Kosten, hohe Risiken und Finanzierungsschwierigkeiten ihre Innovationstätigkeit behindern“, so das Ergebnis einer KfW Research-Studie aus dem Januar 2019. Innovationsausgaben werden demnach zu 82 Prozent aus internen Mitteln und nur zu 9 Prozent mithilfe von Bankkrediten finanziert. Zum Vergleich: Die entsprechenden Werte für Investitionen belaufen sich auf 49 und 34 Prozent.

 

Das Problem: Die speziellen Merkmale von Innovationsprojekten, etwa unsichere Erfolgsaussichten, Schwierigkeiten bei der Bewertung und fehlende Sicherheiten, stehen der externen Finanzierung mit Bankkrediten häufig entgegen. Wir haben Tobias Hasper, Postbank Bereichsleiter Geschäfts- und Firmenkunden für die Region Südwest, dazu befragt.

M

Mehr Förderung für Innovationen

Die KfW-Förderbank hat zum 1. Juli 2019 die Zugangsbedingungen zum ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit erleichtert. Insbesondere können künftig auch Vorhaben von Gründern und jungen Unternehmen mit einer Marktpräsenz unter 2 Jahren mit dem Instrument refinanziert werden. Gefördert wird mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit zum Beispiel die Digitalisierung von Produkten, Produktionsprozessen und Verfahren – etwa die Vernetzung der Produktionssysteme unter dem Stichwort Industrie 4.0. Auch Maßnahmen zur Ausrichtung der Unternehmensstrategie bzw. Unternehmensorganisation auf die Digitalisierung können begleitet werden. Darüber hinaus werden Innovationsvorhaben finanziert, bei denen Unternehmen neue oder substanziell verbesserte Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen entwickeln. Mehr Infos: www.kfw.de

  • Bildnachweise

    Aufmacher: iStockphoto (aldomurillo, bjdlzx, ipopba, valentinrussanov); Collage: HMC; Weitere Fotos: KD Busch/compamedia, Postbank

Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist

„Offenheit für Neues, das Tolerieren von Fehlern, das beständige Bestreben, Dinge neu und anders zu machen – das sind die Merkmale einer guten Innovationskultur.“

Porträt von Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist

Die Sieger des 26. TOP 100-Wettbewerbs

Interview

Tobias Hasper,
Postbank Bereichsleiter Geschäfts- und Firmenkunden für die Region Südwest

„Es spricht nichts dagegen, auch ,weiche‘ Innovationsvorhaben zu finanzieren.“

  • Interview lesen

    Perspektiven: Vor allem kleine und mittlere Unternehmen beklagen, dass sie bei der Finanzierung von Innovationen kaum auf Bankkredite setzen können …

     

    Tobias Hasper: Hier muss man differenzieren. Wir haben beim Thema Innovationsfinanzierung zum einen Investitionen in „harte“ Sachwerte, etwa neue Maschinen zum Einsatz in der Industrie 4.0 oder eine zukunftsfähige IT-Anlage. Zum anderen haben wir Investitionen in „weiche“ Werte wie Forschung und Entwicklung, die Schulung von Mitarbeitern oder Beratung. Im ersten Fall gelten für Unternehmen in der Regel die gleichen Anforderungen wie für Investitionsfinanzierungen. Im zweiten Fall ist es etwas schwieriger. Denn hier entsteht erst mal kein Vermögenswert, der zur Besicherung herangezogen werden kann. Bei kleineren Unternehmen kann das Scheitern eines Innovationsvorhabens sogar den Bestand der ganzen Firma gefährden. Wir müssen uns also das Geschäftsmodell des Unternehmens und das jeweilige Digitalisierungsprojekt genau ansehen.

     

    Perspektiven: Was raten Sie Unternehmen, die eine Finanzierung für ein Innovationsprojekt benötigen, das nicht in direkte Sachanlagen mündet?

     

    Tobias Hasper: Suchen Sie frühzeitig das Gespräch mit Ihrer Bank. Bringen Sie zum Termin neben den üblichen Unterlagen möglichst detaillierte Projekt- und Planungsunterlagen zu Ihrem Innovationsvorhaben mit. Aus diesen sollte hervorgehen, was genau finanziert werden soll und mit welchem Ziel. Ich kann hier natürlich nur für die Postbank sprechen, aber wenn alles plausibel erscheint, spricht nichts dagegen, auch ein weiches Innovationsvorhaben zu finanzieren. Für komplexere Vorhaben gibt es zudem Förderkredite und Zuschüsse, etwa den ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit der KfW. Gegebenenfalls ziehen wir beim Beratungsgespräch einen unserer Förderspezialisten hinzu. Das Bankgespräch sollte man aber auch nutzen, um sich die Gesamtfinanzierungssituation des Unternehmens einmal genau anzuschauen. Häufig lässt sich durch alternative Finanzierungsformen wie Leasing oder Factoring Liquidität freisetzen, die zur internen Finanzierung von Innovationsmaßnahmen genutzt werden kann.

     

    Perspektiven: Wie unterstützt die Postbank ihre Kunden beim wichtigen Innovationsthema Digitalisierung?

     

    Tobias Hasper: Bei der Postbank haben wir in der Vergangenheit Sonderkreditprogramme für die Digitalisierung aufgelegt. Inzwischen ist die Begleitung solcher Vorhaben für uns selbstverständlicher Bestandteil unseres Finanzierungsangebotes. Finanziert werden mit diesen Krediten zum Beispiel Entwicklungen im Internet of Things, aber auch Prozessoptimierungen oder der Erwerb von Software und Lizenzen. Die digitale Transformation ist für alle Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Als Bank tun wir gut daran, Unternehmen dabei zu helfen, heute in ihre Zukunft zu investieren, damit sie auch morgen noch unsere Kunden sind.

Tobias Hasper, 
Postbank Bereichsleiter Geschäfts- und Firmenkunden für die Region Südwest

Weitere Artikel

Panorama

Einsichten und
Aussichten

Leasing und Factoring legen zu, Online-Handel wird sicherer – Nachrichten aus Postbank, Wirtschaft und Finanzen.

Finanzen

Fallstudie

Finanzierung: Treibstoff für Investitionen

Wie der Köln Bonn Airport mithilfe der Postbank wichtige Investitionen in seine Infrastruktur finanziert.

Strategien

Change-Management: Widerstände nutzen

Change-Projekte scheitern oft am Widerstand der Mitarbeiter. Wie man aus Gegnern Unterstützer macht.

Perspektiven