Lesedauer: 3 Minuten

Zahlungsverkehr

Damit die Kasse stimmt

Millionen Kassensysteme müssen bis zum 30. September 2020 mit einer zertifizierten Technischen Sicherheitseinrichtung, kurz TSE, vor Manipulation geschützt werden. Bei Verstößen drohen Steuernachzahlungen und Strafen.

Gerade hat sich der Wirbel um die zum Jahresbeginn eingeführte Bonpflicht etwas gelegt, da steht Einzelhändlern, Gastronomen und anderen Nutzern elektronischer Registrierkassen und Kassensysteme neues Ungemach ins Haus. Gemäß der Kassensicherungsverordnung aus dem Jahr 2017 sind sie dazu verpflichtet, ihre elektronischen Registrierkassen oder PC-Kassen bis spätestens 30. September 2020 mit einer zertifizierten Technischen Sicherheitseinrichtung, kurz TSE, auszustatten. Diese soll die Aufzeichnung der Transaktionsprozesse gemäß § 146a der Abgabenordnung gegen „nachträgliche unerkannte Veränderungen“ schützen und die „Existenz und Herkunft der Aufzeichnung zu einem bestimmten Zeitpunkt“ bestätigen.

 

Hintergrund: Insbesondere bei Betriebsprüfungen in Bargeld intensiven Betrieben stoßen die Prüfer bislang immer wieder auf nachträglich gelöschte oder manipulierte Kassendaten. Durch die TSE sollen Manipulationen an elektronischen Aufzeichnungen und Steuerdaten in Zukunft deutlich schwieriger werden. Schließt eine Kassenprüfung mit Beanstandungen ab, führt das im Regelfall zu Hinzuschätzungen, die 10 Prozent des Jahresumsatzes plus Sicherheitszuschlag erreichen können. Im schlimmsten Fall wird ein Strafverfahren eröffnet.

 

Millionen Kassen auf dem Prüfstand

Schätzungen gehen davon aus, dass die neue Regelung rund 2,1 Millionen Kassen in Deutschland betrifft. Eine Schonfrist gilt für Nutzer von Registrierkassen, die zwischen November 2010 und Dezember 2019 angeschafft wurden und sich nicht mit einer TSE aufrüsten lassen: Diese dürfen übergangsweise noch bis Ende 2022 eingesetzt werden. Nutzer von elektronischen Kassensystemen und Registrierkassen sind also spätestens jetzt gefordert, sich genau mit den Anforderungen an die ordnungsgemäße Kassenführung auseinanderzusetzen. Insbesondere gilt es zu prüfen, ob die bisherigen Kassensysteme mit einer zertifizierten TSE aufgerüstet werden können oder ob jetzt oder bis zum Ablauf der Übergangsfrist in neue Kassensysteme investiert werden muss. Erster Ansprechpartner sind hier die Kassenhersteller und Kassenfachhändler sowie der Steuerberater.

So funktioniert die Technische Sicherheitseinrichtung

Die TSE besteht aus einem Sicherheitsmodul, einem Speichermedium und einer digitalen Schnittstelle. Sie wird vom elektronischen Aufzeichnungssystem, also der Kasse, „angesprochen“ und speichert die relevanten Daten geschützt gegen nachträgliche Veränderung und das Löschen in einem einheitlichen Format. Sofern eine Registrierkasse grundsätzlich aufrüstbar ist, kann das TSE-Modul zum Beispiel als MicroSD-, SD-Karte oder USB-Stick in die Kasse integriert werden (siehe Foto). Weitere Anpassungen werden in der Regel durch ein Software-Update vorgenommen. Auch eine Cloud-TSE-Lösung ist in Planung.

Der Countdown für die TSE-Implementierung läuft

Unternehmer sollten die kommenden Wochen und Monate nutzen, um die für ihre Kassensysteme passenden Sicherheitseinrichtungen auszuwählen und zu implementieren. Ursprünglich sollte die neue Regelung bereits zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Doch mangels zertifizierter TSE wurde die Deadline noch mal verschoben.

 

Doch nun gibt es kein Zurück mehr: Im Dezember 2019 hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die ersten TSE zertifiziert. Dabei handelt es sich um hardwarebasierte Lösungen der Firmen Epson und Swissbit AG.

 

Epson bietet neben einer USB-TSE für den direkten Einsatz an der Kasse oder dem Epson-TSE-Server zwei Druckermodelle (TM-m30F und TM-T88VI-iHub-F) an, die bereits mit einer zertifizierten TSE ausgestattet sind oder innerhalb weniger Minuten ausgerüstet werden können. Die TSE von Swissbit ist in Form eines USB-Sticks, einer SD-Card oder einer MicroSD-Card erhältlich. Das soll die Integration in Kassensysteme vereinfachen. Neben einem Fiskalspeicher, in dem die automatisch signierten Transaktionen aufgezeichnet werden, bietet die TSE einen von den Kassenherstellern frei nutzbaren Anwenderspeicher. Der Export der Fiskaldaten zur Kassennachschau erfolgt über eine digitale Schnittstelle. Die Swissbit-TSE dient sowohl der Ausstattung von Einzelgeräten ohne Netzwerkverbindung als auch als LAN-Lösung zur Anbindung unterschiedlicher PCs und Tablets direkt vor Ort.

 

Meldepflicht für elektronische Registrierkassen

Seit Jahresbeginn müssen steuerpflichtige Gewerbetreibende ihr elektronisches Aufzeichnungssystem eigentlich auch dem Finanzamt melden. Wird ein Kassensystem neu angeschafft, muss diese Meldung innerhalb von vier Wochen erfolgen. Derzeit ist eine entsprechende elektronische Übermittlungsmöglichkeit an die Behörden allerdings noch nicht möglich. Die Meldepflicht ist somit bis auf Weiteres ausgesetzt. In Sachen elektronische Kassensysteme bleibt es also weiter spannend.

Das richtige Kassensystem auswählen

Seit dem 1. Januar 2017 dürfen nur noch elektronische Registrierkassen eingesetzt werden, die eine vollständige Speicherung der steuerlich relevanten Daten ermöglichen. Welche Daten dazugehören, zeigt unsere Grafik.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen nummerischen, alphanummerischen und PC-Kassensystemen. Darüber hinaus gibt es sogenannte POS-Systeme, die Kunden selbst bedienen, sich aber in Deutschland noch nicht durchgesetzt haben. Nummerische Kassen sind lediglich in der Lage, Zahlen auszuwerfen. Sie sind vergleichsweise preiswert, genügen den neuen Bestimmungen des Fiskus in der Regel aber nicht mehr. Alphanummerische Kassen, die im mittleren Preissegment liegen, hingegen schon. Sie erfüllen die aktuellen Anforderungen an Registrierkassen, weil sie auch Text, Umsatzsteuer und Nettobeträge auswerfen können. Moderne Geräte lassen sich mit Scannern zum Einlesen von Barcodes nutzen und an einen PC anschließen. Elektronische PC-Kassensysteme sind grundsätzlich die beste, aber auch die teuerste Lösung. Sie bestehen aus einer Zentraleinheit, dem Kassendrucker, der Kassenschublade, der Bediener- und der Kundenanzeige, einer Eingabetastatur, einem Scanner, dem Betriebssystem sowie der Kassensoftware. Bei den Finanzämtern sind sie gern gesehen, denn sie verfügen über manipulationssichere Speicher, die nur vom Betriebsprüfer oder dem Fiskus ausgelesen werden können.

Postbank

Neue Kassensysteme günstig finanzieren

Sie müssen oder möchten Ihr Kassensystem auf den neuesten Stand bringen? Mit dem Postbank Business Kredit direkt bietet Ihnen die Postbank dafür eine volldigitale Finanzierungslösung zu Top-Konditionen.

  • Bildnachweise

    Aufmacherfoto: iStockphoto (gorodenkoff); weitere Fotos: Swissbit; Grafik: iStockphoto (IconicBestiary)

Weitere Artikel

Zahlungsverkehr

Fallstudie

Instant Payments: Turbo-überweisungen bei der TK

Wie die Techniker Krankenkasse mit Echtzeitüberweisungen ihre digitalen Prozesse optimiert.

Aktuelles

Coronavirus: Was Arbeit-geber wissen müssen

Welche Rechte und Pflichten Arbeitgeber gegenüber ihren Mitarbeitern haben und wo sie finanzielle Unterstützung erhalten.

Newsletter

Kontakt

Perspektiven