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Finanzierung

Wie Unternehmen jetzt ihre Liquidität planen

Die Corona-Krise hat vielen Firmen noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig eine solide Liquiditätsplanung ist. Worauf Unternehmer jetzt in Sachen Liquidität achten sollten und wie die Rückkehr zur Normalität gelingen kann.

Wie es sich anfühlt, in Sachen Liquidität plötzlich auf dem Trockenen zu sitzen, mussten in der Corona-Krise viele Unternehmen schmerzlich erfahren: Stark rückläufige oder ganz ausbleibende Einnahmen und nur zäh fließende staatliche Hilfen haben selbst erfahrene Unternehmer und Treasurer an ihre Grenzen geführt. Zwar hätte auch die beste Liquiditätsplanung den Corona-Schock nicht vollständig kompensieren können, doch hat die Krise vielen Unternehmern aufgezeigt, wie wichtig ein solider Überblick über den aktuellen und zu erwartenden Cashflow ist.

 

Nachholbedarf im Mittelstand

Auch viele größere Unternehmen haben der Liquiditätsplanung in Zeiten guter Cash-Bestände nicht immer die notwendige Beachtung geschenkt – besonders große Defizite haben in diesem Bereich aber kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Das zeigt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag des Softwareanbieters Agicap. Demnach sind das Liquiditäts- und Finanzmanagement bei einem Viertel der 500 Befragten KMU-Entscheider erst durch die COVID-19-Pandemie zu wichtigen Themen geworden. Ein Grund hierfür: Selbstständige und Unternehmen können ihren Anspruch auf Corona-Hilfen in Form von direkten staatlichen Zuschüssen oder KfW-Sonderkrediten nur geltend machen, wenn sie ihre Ausfälle anhand konkreter Zahlen belegen können. Auch die Sorge vor einer möglichen Insolvenz rückt das Thema Liquidität in den Fokus. Denn erkennt ein Unternehmen nicht frühzeitig, dass ihm die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung droht, und versäumt deshalb, rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen, kann das zu zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen führen.

 

Doch nicht nur in Krisenzeiten ist eine fundierte Liquiditätsplanung wichtig. In guten Zeiten kann sie zum Beispiel dabei helfen, Freiräume für wichtige Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit zu identifizieren – ein Thema, das für viele Unternehmen beim erwarteten weiteren Anziehen der Konjunktur im zweiten Halbjahr 2021 wieder wichtiger werden dürfte.

Postbank

Liquidität sichern mit der Postbank

Die Postbank bietet ihren Kunden vielfältige Möglichkeiten zur Liquiditätssicherung. Dazu gehören für die Geschäftskunden der Postbank Kontokorrentkredit und der Postbank Business Kredit direkt. Firmenkunden steht für die Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierung ein umfassendes Portfolio von Finanzierungslösungen bereit. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Der Liquiditätsplan: eine Kurzanleitung

Ziel der Liquiditätsplanung ist die Ermittlung des voraussichtlichen Bestandes liquider Finanzmittel zu einem bestimmten Zeitpunkt. Basis dafür sind der Ist-Zustand und möglichst verlässliche Informationen über künftige Zahlungseingänge und -ausgänge. Prognosen über den künftigen Cashflow lassen sich zum einen auf Basis bekannter Daten ermitteln, etwa anhand von Zahlungszielen bereits gestellter Rechnungen, zum anderen durch Erfahrungswerte aus der Vergangenheit. Dafür sollten aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation aber nicht nur die Daten aus dem vergangenen Jahr, sondern auch die aus Vorkrisenzeiten herangezogen werden.

 

Auf der Einnahmenseite gilt es aktuell, beispielsweise das Ausfallrisiko von Forderungen realistisch einzuschätzen. Auch das mögliche Ende staatlicher Leistungen wie Kurzarbeitergeld muss einkalkuliert werden. Auf der Ausgabenseite sind – bei möglicherweise wieder anziehenden Geschäften – steigende Kosten für neue Mitarbeiter oder den Einkauf von Rohmaterialien zu berücksichtigen.

 

Folgende Informationen sollten auf jeden Fall in die Liquiditätsplanung einfließen:

  • Personalkosten
  • Miet- oder Pachtzahlungen
  • Energiekosten
  • Versicherungen
  • Kosten für den Wareneinkauf
  • Tilgungs- und Zinsraten für laufende Kredite
  • Leasingraten
  • Steuerzahlungen

 

Zur Unterstützung auf digitale Tools setzen

Für eine solide Planung ist es wichtig, dass alle zugrunde liegenden Daten möglichst aktuell und vollständig sind. Auf dieser Basis können dann verschiedene Cashflow-Szenarien für die nächsten Monate durchkalkuliert werden. Viele Unternehmen, auch größere, setzen dabei immer noch auf Excel-Sheets. Komfortabler und sicherer sind spezialisierte Softwarelösungen, die es zum Beispiel als Abomodell aus der Cloud gibt. Tipp: Das Steuer- und Finanzportal Haufe.de gibt in einem umfassenden Artikel Hilfestellung bei der Auswahl von Software zur Liquiditätsplanung.

 

Engpässe erkennen, Chancen nutzen

Eines der wichtigsten Ziele einer mittel- bis langfristigen Liquiditätsplanung ist es, böse Überraschungen zu verhindern: Zeichnet sich ein Liquiditätsengpass ab, können schnell entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört das Verschieben geplanter Investitionen oder die Vermietung von Anlagevermögen. Hilfreich ist in den meisten Fällen auch ein Gespräch mit der Bank, um aktuelle Kreditvereinbarungen etwa für den Kontokorrentkredit anzupassen oder ergänzende Finanzierungs- oder Umschuldungsmöglichkeiten zu erörtern. Wir haben Tobias Hasper, Regionsleiter Postbank Firmenkunden für die Region Südwest, dazu befragt.

Interview

Tobias Hasper,  Regionsleiter Postbank Firmenkunden, Region Südwest

„Auch wenn es wirtschaftlich wieder aufwärts geht, ist eine solide Liquiditätsplanung unerlässlich.“

Tobias Hasper,

Regionsleiter Postbank Firmenkunden, Region Südwest

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    Perspektiven: Welche Anforderungen stellen Sie in Sachen Liquiditätsplanung an Ihre Kunden? Tobias Hasper: Zunächst einmal ist es von existenzieller Bedeutung für das Unternehmen selbst, dass es seinen aktuellen Liquiditätsstatus kennt und die voraussichtliche Entwicklung der Liquidität und des Liquiditätsbedarfs möglichst präzise einschätzt. Wir empfehlen deshalb jedem Unternehmen, sich intensiv mit der eigenen Liquiditätsplanung auseinanderzusetzen. Darauf aufbauend können wir im Gespräch eine gemeinsame Strategie entwickeln, um die Finanzierung des Unternehmens nachhaltig zu sichern. Wichtigstes Ziel dabei ist natürlich, die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Perspektiven: Wie können Unternehmen in diesen unsicheren Zeiten denn überhaupt eine verlässliche Liquiditätsprognose abgeben? Tobias Hasper: Insbesondere für Unternehmen aus Branchen, die von der Pandemie besonders betroffen sind, ist es wichtig, verschiedene Szenarien durchzuspielen. Dazu gehört auch ein Stress-Szenario, das möglicherweise ausfallende Einnahmen berücksichtigt. Ich denke, dass Unternehmen, die es bis jetzt durch die Krise geschafft haben, sich dazu ohnehin schon viele Gedanken gemacht haben. Auf dieser Basis kann man dann Liquiditätsvorsorge betreiben, zum Beispiel mit einem Kredit aus dem Corona-Sonderprogramm der KfW. Dieses wurde kürzlich noch einmal bis zum Jahresende 2021 verlängert. Voraussetzung ist dabei immer, dass das Unternehmen nicht bereits vor dem Ausbruch der Pandemie in finanziellen Schwierigkeiten war. Auch das muss man natürlich mit harten Zahlen belegen können. Perspektiven: Welche Finanzierungsinstrumente können abgesehen von den KfW-Sonderkrediten zur Liquiditätssicherung zum Einsatz kommen? Tobias Hasper: Neben klassischen Kreditfinanzierungen können auch alternative Finanzierungsformen wie Leasing oder Factoring, also der Verkauf von Forderungen, zur Liquiditätssicherung genutzt werden. Was im Einzelfall infrage kommt, hängt von vielen Faktoren ab, etwa dem Volumen des Finanzierungsbedarfs oder dem Geschäftsmodell. Factoring etwa kann bei einer Vielzahl von Forderungen mit längeren Zahlungszielen ein besonders sinnvoller Finanzierungsbaustein sein. Perspektiven: Was raten Sie Kreditkunden, die auf Basis ihrer Liquiditätsplanung einen drohenden Liquiditätsengpass identifiziert haben? Tobias Hasper: Da gibt es nur eins: So schnell wie möglich das Gespräch mit der Hausbank suchen und Transparenz schaffen, sprich: alle Zahlen auf den Tisch legen. Gegenseitiges Vertrauen ist immer die beste Basis für eine gemeinsame Lösung. Wenn wir einem Unternehmen einen Kredit geben, dann bedeutet das auch, dass wir von diesem Unternehmen und seinem Geschäftsmodell überzeugt sind. Wenn sich durch ein so einschneidendes Ereignis wie die aktuelle Pandemie die Rahmenbedingungen für das Unternehmen kurzfristig ändern, die Rückkehr zu einem normalen Geschäftsalltag aber früher oder später möglich scheint, gibt es erst mal keinen Grund, an dieser Überzeugung zu rütteln. Manches Unternehmen hat in der Krise auch kreative Ideen für neue Geschäftsmodelle entwickelt – man denke nur an die großen Messeveranstalter, die Ausstellungen und Kongresse komplett in den digitalen Raum verlegt haben. Perspektiven: Was empfehlen Sie Ihren Kunden im Hinblick auf die erwartete Konjunkturerholung der nächsten Monate? Tobias Hasper: Dafür ist es interessant zu wissen, dass Insolvenzen häufig am Ende einer Krise beziehungsweise dem Beginn des Aufschwungs auftreten. Wenn ein Unternehmen nach einer Krise wieder mehr Umsatz machen will, muss es zumeist auch wieder mehr Waren einkaufen, also in Vorleistung treten. Wenn die Liquiditätsplanung das nicht berücksichtigt hat, kann es zu einem ernsten Finanzierungsproblem kommen. Daher ist die Empfehlung, die Liquiditätsplanung fortlaufend der jeweiligen Entwicklung anzupassen.
  • Bildnachweise

    Aufmachervideo: Getty Images / eicHi; weiteres Foto: Postbank

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