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Unternehmenspraxis

Wie der Mittelstand jetzt
durchstarten kann

Fachkräftemangel, Digitalisierung und die Anforderungen, die der Klimawandel stellt: Die Herausforderungen für Deutschlands Mittelstand nehmen weiter zu. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat zusammen mit der Steuerberatungsgruppe ETL einen Maßnahmenplan entwickelt, der mittelständischen Unternehmen helfen kann, sich noch besser für zukünftige Aufgaben aufzustellen.

Die Coronavirus-Pandemie ist noch nicht vorbei – aber sie hat für viele in Deutschland ein Stück ihres Schreckens verloren. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft und viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kehren nach Monaten im Mobile Office in die Büros zurück. Auch wenn die weitere Entwicklung in Sachen COVID-19 mit Unsicherheiten behaftet ist: Die Unternehmen hierzulande blicken wieder optimistischer nach vorn, sehen bei einigen Themenfeldern aber konkreten Handlungsbedarf.

 

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat in Zusammenarbeit mit der Steuerberatungsgruppe ETL untersucht, wie Deutschlands Mittelstand für die Zukunft gerüstet ist. Die Ergebnisse der Studie, an der mehr als 2.500 Unternehmen von 2019 bis zum ersten Quartal 2021 teilnahmen, haben die Fachleute in ihrem Mittelstandskompass zusammengefasst. Als zentrale Herausforderungen hat die Untersuchung die Ausbildung und Rekrutierung von Fachkräften, die Entwicklung digitaler Produktions- und Geschäftsmodelle sowie die Risiken und Chancen durch den Klimaschutz ausgemacht. Themenfelder also, die schon vor Ausbruch der Pandemie im Fokus vieler Unternehmen standen. Umso wichtiger sei es daher, sie möglichst zeitnah anzugehen und zukunftsfähige Lösungen zu finden. IW und ETL haben einen Maßnahmenkatalog entwickelt, der mittelständischen Unternehmen helfen kann, diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Herausforderung:  Mitarbeiter ausbilden und rekrutieren

  • Mehr Ausbildung und Weiterbildung

    Unternehmen, die hier besonders erfolgreich sind, setzen laut Studie auf eine frühzeitigere und intensivere Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Auch ihre Auszubildenden erhalten umfangreiche Unterstützung. Das rechnet sich: Qualifizierung signalisiert Mitarbeitern Wertschätzung und erhöht ihre Bindung ans Unternehmen.

  • Kooperationen

    Fachkräftesicherung und Qualifikation sind teuer und binden Ressourcen. Kooperationen mit anderen KMU können helfen, Kosten und Aufwand von Weiterbildungsmaßnahmen auf mehrere Unternehmen zu verteilen. Etwa wenn es darum geht, Qualifizierungspartnerschaften mit Schulen und Hochschulen einzugehen. So können auch kleinere Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter theoretisch wie praktisch auf dem aktuellen Stand der Dinge sind.

  • Mobiles Arbeiten ausbauen

    Digitale Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens – aber auch über seine Grenzen hinweg – wird nach Ansicht der Befragten weiterhin an Bedeutung gewinnen. Zudem erhöht die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, laut Studie die Attraktivität als Arbeitgeber. Aktuell haben hier die größeren Unternehmen die Nase vorn. Kleinere Unternehmen sollten hier jedoch der Studie nach aufholen.

Herausforderung: Digitalisierung

  • Digitalisierung von Produktionsprozessen und Produkten

    Cloud-Dienste sind für viele Unternehmen das Mittel der Wahl, um Speicher und Rechenleistungen auszubauen. Für kleinere Unternehmen bieten sich hier vergleichsweise günstige Software-as-a-Service-Lösungen an. Programme zur Datenanalyse werden ebenfalls wichtiger: Sie helfen beim Erkennen und Interpretieren von Datenmustern. Mithilfe von „Data-Analytics-Tools“ lassen sich beispielsweise Nachfrageveränderungen frühzeitig identifizieren oder Schwachstellen bei Maschinen erkennen, bevor sie ausfallen.

  • Ein digitales Mindset entwickeln

    Digitalisierung kann für viele klassische Geschäftsmodelle eine Bedrohung darstellen. Umso wichtiger ist es, die eigenen Stärken zu analysieren – und die passende Technologie zu nutzen, um sie auszubauen. Dazu sollten nicht nur eigene Prozesse und Produkte unter die Lupe genommen werden, sondern auch die von Lieferanten und Abnehmern. Dadurch lassen sich die internen Verfahren besser auf die vorhandenen Rahmenbedingungen abstimmen.

  • Schlüsselkompetenzen fördern

    Je mehr digitale Technologie ins Unternehmen Einzug hält, desto wichtiger werden soziale Kompetenzen. Dazu gehören vor allem Teamfähigkeit, Lernbereitschaft und Kommunikation. Das gilt nicht nur intern, sondern auch extern. Denn die Digitalisierung macht Mitarbeiter zu Botschaftern ihres Arbeitgebers. Ob Business-Netzwerke wie Xing oder soziale Netzwerke wie Instagram: Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern helfen, erfolgreich auf Online-Kanälen zu kommunizieren.

  • Mit agilen Strukturen flexibel auf Veränderungen reagieren

    Es gibt kein Patentrezept für Digitalisierungsprojekte. Grundsätzlich gilt jedoch: Kleine, realistische Schritte führen zum Ziel – und minimieren die Risiken. Kleinere Arbeitspakete nach den Prinzipien des agilen Arbeitens bedeuten kürzere Zyklen, um neue Informationen oder die Erreichung der Ziele zu bewerten. So lässt sich schneller nachjustieren und bei Fehlentwicklungen rasch gegensteuern.

  • Individualisierung

    Immer mehr Kunden wollen genau auf sie zugeschnittene Dienstleistungen oder Produkte. Unternehmen sollten prüfen, wie sie ihre Angebote weiter individualisieren können: etwa, indem sie ihre Kunden stärker vor Ort bedienen oder persönlich betreuen. Kleinere Unternehmen sind hier im Vorteil: Viele von ihnen betreiben schon heute ein sehr individualisiertes Geschäft, weil sie ihre Kunden persönlich vor Ort bedienen und passgenaue Lösungen bieten. Diesen Vorteil sollten sie ausbauen, bevor sie auf eine weitere oder vollständige digitale Abwicklung und Produktion setzen.

  • Plattformen nutzen

    Plattformen und Online-Marktplätze verändern Wertschöpfungsketten und Märkte. Deshalb sollten Unternehmen analysieren, unter welchen Umständen es sich für sie auszahlt, ein bislang noch weitgehend analoges Beschaffungs- und Vertriebswesen Stück für Stück in die digitale Welt zu überführen. Dazu gehört etwa die Nutzung von B2B-Plattformen. In manchen Fällen kann es sich auch lohnen, eigene Plattformen zu entwickeln.

Herausforderung: Klimaschutz

  • CO2 vermeiden, klimafreundliche Technologien entwickeln

    Die Europäische Union hat beschlossen, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften. Das Maßnahmenpaket dieses „Green Deals“ sieht unter anderem bis 2030 eine Reduktion des CO2-Ausstoßes in der EU von 50 bis 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 vor. Deshalb haben viele Unternehmen nach eigenen Angaben bereits Maßnahmen zur Vermeidung von CO2-Emissionen auf den Weg gebracht. Etliche sind auch dabei, neue Absatzmärkte für klimafreundliche Technologien zu erschließen. Fest steht: Unternehmen, die bislang in Sachen Klimaschutz noch nicht aktiv waren, sollten dies zeitnah nachholen, um mögliche Kosten- und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden.

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  • Bildnachweise

    Aufmacher: istockphoto (ipopba)

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