Perspektiven

Mit Nach-haltigkeit zu mehr Unter-nehmenserfolg

Nachhaltigkeit ist seit Jahren ein Mega-thema. Doch viele Mittelständler lassen hier noch Potenziale liegen. Fünf Vorteile, die Unternehmen mit einer Nachhaltigkeitsstrategie realisieren können.

CSR

ogar der rote Teppich stammte aus nachhaltiger Produktion. Zum zehnten Mal wurde im Dezember 2017 in Düsseldorf der Deutsche Nachhaltigkeitspreis verliehen. Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. zeichnet damit jährlich in mehreren Wettbewerben beispielhafte Nachhaltigkeitsleistungen in Wirtschaft, Kommunen und Forschung aus. Unter den Preisträgern und 1.200 geladenen Gästen fanden sich so illustre Namen wie Ihre Majestät die Königin der Belgier, die berühmte Primatenforscherin Jane Goodall und der deutsche Rockmusiker Marius Müller-Westernhagen. Zu den diesjährigen Siegern in der Kategorie Unternehmen gehören u.a. die Deutsche Telekom, der Süßwarenproduzent Alfred Ritter GmbH & Co. KG („Ritter Sport“) und der mittelständische Reinigungsmittelhersteller Sodasan (siehe Slider unten). Dieser Tage beginnt das Bewerbungsverfahren für den 11. Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

S

Gewinner des 10. Deutschen Nachhaltigkeitspreises

Nachhaltigkeit – das ist für Unternehmen schon längst kein Modewort mehr, das vorrangig einer mehr oder minder klar definierten ökologischen Gesinnung Ausdruck verleihen soll. Seit Deutschland 2017 die europäische CSR-Richtlinie umgesetzt hat, ist klar definiert, dass es dabei stets um ökologische, ökonomische und soziale Aspekte geht. Erst dieses Dreieck beschreibt die umfassende gesellschaftliche Verantwortung (engl.: Corporate Social Responsibility, kurz CSR), die heute unter nachhaltigem Handeln verstanden wird. Und so wie die Preisträger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises u.a. aus verschiedenen Unternehmenskategorien vom KMU über Unternehmen mittlerer Größe bis zum Konzern reichen, ist Nachhaltigkeit längst ein Thema, von dem alle Unternehmen auf vielfältige Weise profitieren können. Schon die dafür notwendige Bestandsaufnahme ist in der Regel ein lohnendes Investment, weil sich dabei Risiken und Chancen erkennen, aber auch klare Vorteile generieren lassen. Wir haben die wichtigsten für Sie zusammengestellt.

1

Geringere Kosten – weil nachhaltige Unternehmen
weniger Ressourcen verbrauchen

Zum nachhaltigen Handeln in Unternehmen gehört ein bewusster Umgang mit Ressourcen. Mittelständler, die hier klare Kontroll- und Optimierungsprozesse etablieren, sind gleich an zwei Seiten des Nachhaltigkeits-Dreiecks aktiv: Wer weniger verbraucht, schont die Umwelt und senkt seine Kosten. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat in einer Broschüre zusammengestellt, wie Mittelständler ein effizientes betriebliches Energiemanagement aufsetzen können. Praxisbeispiele zeigen darin sehr anschaulich, was Investitionen konkret bringen können. So investierte ein Mittelständler ca. 210.000 Euro in die Modernisierung seiner Kesselanlagen und spart dadurch nun gut 140.000 Euro an Energiekosten pro Jahr. Die Kapitalrendite liegt hier bei 65 Prozent. Nachhaltigkeit kann sich also richtig auszahlen.

2

Stabile Absatzchancen – weil große Konzerne nachhaltige Partner in der Lieferkette wollen

Seit Deutschland die CSR-Richtlinie umgesetzt hat, müssen große Unternehmen über ihre Nachhaltigkeit berichten. Die Pflicht gilt für kapitalmarktorientierte Firmen, Banken und Versicherer mit mehr als 500 Mitarbeitern, die entweder eine Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro oder Umsatzerlöse von mehr als 40 Millionen Euro haben. Sie müssen über Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange, Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie Diversität Auskunft geben. Und hier wird es auch für kleinere Unternehmen interessant. Denn wenn sie als Lieferanten für große Unternehmen tätig sein wollen, müssen auch sie Auskunft über ihre Produktionsprozesse geben können. Ein Beispiel: BMW überprüft seine mehr als 12.000 Lieferanten aus mehr als 70 Ländern in einem mehrstufigen System, um Risiken zu minimieren. Fallen Lieferanten negativ auf, kann es sogar zum Abbruch der Geschäftsbeziehung kommen.

3

Treuere Kunden – weil Verbraucher beim Einkauf immer mehr aufs Image achten

Mehr als 70 Prozent der deutschen Konsumenten kaufen Produkte vor allem dann, wenn die Marke ein nachhaltiges Image hat. Das haben die Meinungsforscher von Facit und Serviceplan herausgefunden. Einmal pro Jahr überprüfen die Studienpartner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, welches Image einzelne Unternehmen oder ganze Branchen aus Sicht der Verbraucher haben. Die Experten sind sich einig: Für Unternehmen hat es enorme Bedeutung, eine langfristige und vor allem glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen. So macht es die Postbank bereits seit Jahren. Mehr dazu erfahren Sie im Interview mit dem Nachhaltigkeitsbeauftragten der Bank, Hartmut Schlegel.

Interview

Hartmut Schlegel,  Nachhaltigkeitsbeauftragter der Postbank

„Da anfangen, wo sich mit dem geringsten Aufwand die beste Wirkung erzielen lässt.“

 

Hartmut Schlegel,

Nachhaltigkeitsbeauftragter der Postbank

  • Interview lesen

    Perspektiven: Herr Schlegel, gibt es einen Top-Aspekt, warum Unternehmen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen sollten?

     

    Hartmut Schlegel: Das Spektrum der Vorteile, die Unternehmen aus dem Nachhaltigkeitsmanagement ziehen können, ist sehr breit. Deshalb muss jedes Unternehmen eigene Schwerpunkte setzen. Mittelständler, die sich mit der Nachhaltigkeit ihres Geschäfts und ihrer Strategie beschäftigen, müssen zum Beispiel überlegen, ob sie ihre Strategie auf die Bindung von Mitarbeitern ausrichten, ob sie in erster Linie Kundenbindung betreiben oder ob sie Reputationsrisiken verringern wollen. Je nach Geschäftsmodell sollten die Schwerpunkte unterschiedlich gewichtet werden und auch die interne und die externe Kommunikation muss darauf abgestimmt sein – so nutzt man die eigenen Chancen am besten und erzielt die größte Wirkung.

     

    Perspektiven: Welche Chancen meinen Sie konkret?

     

    Hartmut Schlegel: Bei der ökologischen Nachhaltigkeit liegen Chancen zum Beispiel im effizienten Umgang mit Ressourcen. Die Kostenvorteile daraus hatten Unternehmer schon immer im Blick. Zunehmend rücken aber auch die positiven Nebeneffekte ins Rampenlicht, z.B. die Eindämmung von Reputationsrisiken. Wer sich darum nicht kümmert, muss damit rechnen, dass umweltbewusste Kunden abwandern oder dass die Akzeptanz in der Region leidet. Firmen, die als fairer und verantwortungsbewusster Arbeitgeber nachhaltig agieren, können damit ebenfalls Potenziale heben: motiviertere Mitarbeiter mit höherer Leistungsbereitschaft und größerer Treue zum Unternehmen. Unternehmen, die in diesem Bereich nachlässig sind, leiden erfahrungsgemäß unter einem höheren Krankenstand und größerer Fluktuation unter den Mitarbeitern; in der Regel wird es dann auch schwieriger, neue Mitarbeiter zu rekrutieren.

     

    Perspektiven: Wo sehen Sie das größte Hindernis für nachhaltiges Wirtschaften und Handeln im Unternehmen?

     

    Hartmut Schlegel: Schwierig wird es, wenn die Unternehmensleitung beim Implementieren einer entsprechenden Strategie nicht voll dahintersteht. Deshalb fängt man am besten da an, wo man mit dem geringsten Aufwand die beste Wirkung erzielt, und arbeitet sich von dort weiter vor. Wenn die Führungsebene Nachhaltigkeit als nützliches Instrument begreift, das zu einer langfristig stabilen Unternehmensentwicklung beiträgt, trägt sie das Konzept auch mit. In diesem Fall gehen die Führungskräfte selbst mit gutem Beispiel voran und unterstützen auch die Umsetzung von Maßnahmen, die mit Mühen verbunden sind.

     

    Perspektiven: War das bei der Postbank von Anfang an der Fall?

     

    Hartmut Schlegel: Ja, die Initiative ging vom Vorstand aus. Die Postbank ist 2008 zunächst mit einem reinen Umweltmanagement gestartet. Hintergrund war der Börsengang und der Wunsch, mit der Aktie auch in Nachhaltigkeitsindizes gelistet zu werden. Sehr schnell wurde dann ein umfassendes Corporate-Social-Responsibility-Paket in der Konzernstrategie verankert. Seit 2013 verfügen wir über ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement und haben schon lange vor der Berichtspflicht damit begonnen, jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen.

4

Höhere Motivation, verbesserte Produktivität – weil Mitarbeiter sich in nachhaltigen
Unternehmen wohler fühlen

Der Lehrstuhl für Internationale Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung der TU Dortmund hat in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Baker Tilly 229 mittelständische Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit durchleuchtet. Die Studie zeigt, dass nachhaltige Unternehmen auch intern gegenüber ihren Mitarbeitern punkten können. Motivation, Zufriedenheit, Loyalität würden gesteigert – und dadurch auch die Produktivität. Um hier alle Potenziale zu erschließen, sei aber eine umfassende Nachhaltigkeitsberichterstattung nötig. Getreu dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“.

5

Bessere Finanzierungsbedingungen – weil nachhaltige Unternehmen ihre Risiken im Blick haben

Die Untersuchung der TU Dortmund (siehe Vorteil 4) zeigt, dass nachhaltiges Handeln auch positive Effekte auf die Finanzierung eines Unternehmens haben kann. Nachhaltigkeitsmaßnahmen könnten als Signal an Kapitalgeber dienen, dass sich das Unternehmen in einem gesunden Zustand befindet, ertragskräftig ist und sich aktiv mit seinen Risiken auseinandersetzt. Zudem könne sich der Mittelstand Investoren und Kapitalgebern öffnen, die ihren Fokus ausschließlich auf nachhaltige Investments legen. Die Experten von oekom research, einer auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagentur, gehen davon aus, dass die Kommunikation mit nachhaltig agierenden Finanzmarktakteuren für Unternehmen in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Auf der Basis dieser Annahme integrieren bereits fast zwei Drittel der Unternehmen Informationen über das Nachhaltigkeitsmanagement in ihre allgemeine Finanzmarktkommunikation. In Nachhaltigkeitsfonds gelistet zu sein, sei für etwa 80 Prozent der Unternehmen ein wichtiges Ziel.

  • Bildnachweise

    Aufmacher-Slider: iStockphoto (NicoElNino, Portra, snvv); Fotos: Postbank

Weitere Artikel