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Interview

„Wir wollen unsere Kunden als verlässlicher Partner durch die Krise begleiten“

Unter der Unternehmensbank hat der Deutsche Bank Konzern die rund 900.000 Unternehmenskunden der Marken Postbank, FYRST und Deutsche Bank in einer Einheit zusammengefasst. Geleitet wird diese seit gut einem Jahr von Stefan Bender. Wir haben ihn zu aktuellen Finanzierungsthemen und den Vorteilen der Unternehmensbank für Postbank Kunden befragt.

Perspektiven: Sie haben im Oktober 2019 die Leitung der Unternehmensbank übernommen. Knapp ein halbes Jahr danach ging Deutschland in den ersten Lockdown und kürzlich in einen weiteren, wenn auch diesmal nur partiell …

 

Stefan Bender: Was wir 2020 erlebt haben, war für uns alle eine völlig neue Situation. Wir stehen mit der Corona-Pandemie auch weiterhin vor einer gewaltigen Herausforderung, für die Gesellschaft, die Wirtschaft und für jeden Einzelnen. Was mir persönlich mit Sicherheit immer in Erinnerung bleiben wird, ist, wie wir als Gesellschaft auf diese Pandemie reagiert haben: Trotz mancher Kritik werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionszahlen bislang von der weit überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung und auch der Wirtschaft mitgetragen. Ich bin zuversichtlich, dass dies auch im nächsten Jahr so bleibt. Es ist natürlich zu hoffen, dass uns bezüglich der Pandemie bald der Turnaround gelingt.

 

Perspektiven: Welchen Pandemie-Herausforderungen stellt sich die Unternehmensbank?

 

Stefan Bender: In der Unternehmensbank war es uns von Anfang an sehr wichtig, unsere Kunden über alle Marken hinweg durch diese schwierige Situation partnerschaftlich zu begleiten. Wir haben zum Beispiel sehr schnell einen Corona-Helpdesk eingerichtet. Hier haben über 20 spezialisierte Kolleginnen und Kollegen mitgewirkt, um die Informationen zu Hilfsprogrammen auszuwerten und intern an die richtigen Stellen weiterzugeben. Die Mitarbeiter der Postbank und der Deutschen Bank haben hier Hand in Hand gearbeitet, um unseren Kunden die bestmögliche Unterstützung zu geben. Das war, wenn man so will, die erste große Bewährungsprobe unserer neuen Einheit für die Unternehmenskunden. Von langjährigen Kunden, aber auch Neukunden habe ich die Rückmeldung erhalten, dass wir uns in der Krise als verlässlicher Partner erweisen. Zudem ist unsere Expertise als größte Bank Deutschlands auch in der Politik gefragt. Es freut mich natürlich sehr, dass wir in solchen Zeiten als wertvoller Bestandteil der Wirtschaft wahrgenommen werden.

 

Perspektiven: Die Bundesregierung hat frühzeitig umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie einzudämmen. Dazu gehören die Überbrückungshilfen in Form direkter Zuschüsse und das Sonderkreditprogramm der KfW …

 

Stefan Bender: Diese Maßnahmen waren und sind auf jeden Fall sehr sinnvoll. Selbstverständlich sind die Herausforderungen und damit auch die Unterstützungsbedürfnisse je nach Branche oder auch Unternehmen sehr verschieden. Das liegt unter anderem daran, dass die verschiedenen Firmen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in die Krise gegangen sind. Wenn ein Kunde bereits vor der Corona-Pandemie massive Probleme hatte, wird ein Förderkredit vielleicht nicht genehmigt. Es ist unsere Aufgabe, die Bonität eines antragstellenden Unternehmens zu prüfen und die Risiken im Blick zu behalten. Hier beweisen Banken, Förderbanken und die Politik meines Erachtens viel Augenmaß. Interessant ist natürlich, wie wir aus der eher kurzfristigen Liquiditätssicherung der Hilfsprogramme in langfristig stabile Finanzierungen übergehen.

 

Perspektiven: Was muss ein Unternehmen diesbezüglich tun, um bei seinen Kreditverhandlungen mit der Postbank erfolgreich zu sein?

 

Stefan Bender: Unsere Kreditrisikostrategie hat sich aufgrund der Pandemie grundsätzlich nicht verändert. Das heißt, wir schauen uns jedes Unternehmen, das eine Finanzierung benötigt, genau an und treffen dann eine Finanzierungsentscheidung. Natürlich berücksichtigen wir, wie es einem Unternehmen vor der Krise ging und wie die Zukunftsaussichten sind. Das heißt, die langfristige Gesundheit des Geschäftsmodells tritt noch mehr in den Vordergrund. Unternehmen hier richtig zu beraten, sehe ich als Pflicht gegenüber unseren Kunden und – wenn es um Hilfskredite geht – auch gegenüber dem Steuerzahler an. Nicht zuletzt sind wir als Bank natürlich auch der Regulierung verpflichtet. Wichtig ist für mich aber, dass wir in der Krise ein verlässlicher Partner für unsere Kunden sind. Unsere Strategie: Wenn man auch in sonnigen Zeiten auf die eine oder andere Sicherheit pocht, ist man in regnerischen Zeiten in der Lage, den Regenschirm aufzuspannen.

„Wenn man auch in sonnigen Zeiten auf die eine oder andere Sicherheit pocht, ist man in regnerischen Zeiten in der Lage, den Regenschirm aufzuspannen.“

Stefan Bender arbeitet seit 1997 in verschiedenen Positionen bei der Deutschen Bank und verfügt über langjährige Erfahrung im Firmenkundengeschäft. Zuletzt verantwortete er den Bereich Firmenkunden Deutschland in der Privat- und Firmenkundenbank des Deutsche Bank Konzerns. Seit Oktober 2019 leitet Stefan Bender die Unternehmensbank Deutschland.

Perspektiven: Einige Branchen sind aktuell eher weniger, andere hingegen massiv von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, etwa die Gastronomie. Hat die Branchenzugehörigkeit Auswirkungen auf Ihre Kreditvergabe?

 

Stefan Bender: Es geht immer darum, gemeinsam eine Lösung zu finden. Dafür müssen wir den Kunden zuerst verstehen und dann beraten. Das ist auch ein Grund dafür, warum die persönliche Beratung bei allen Vorteilen der Digitalisierung in einigen Bankbereichen weiterhin sehr relevant bleiben wird. Bei einem Kunden aus der stark gebeutelten stationären Gastronomie wäre zum Beispiel zu klären, inwieweit dieser bis zum Ende der Krise Umsätze generieren kann, etwa durch einen Lieferservice. Das haben einige Gastronomen ja durchaus geschafft. Es muss auch nicht immer eine klassische Kreditfinanzierung sein. Bei einem jungen Unternehmen, das vor der Krise viel investiert hat, um stark zu expandieren, könnte man zum Beispiel auch versuchen, andere Eigenkapitalgeber für das Geschäftsmodell zu begeistern, um es über die Runden zu bringen. Wir müssen unsere Kunden hier ganz nah begleiten. Der Kunde muss aber in diesem Prozess natürlich auch für die entsprechende Transparenz sorgen.

 

Perspektiven: Was empfehlen Sie Kunden, die absehen können, dass sie Kreditauflagen brechen werden oder ihre Kredite nicht planmäßig bedienen können?

 

Stefan Bender: Hier gilt im Grunde genommen das Gleiche wie bei einer Neufinanzierung oder Finanzierungsverlängerung: frühzeitig zusammensetzen, für Transparenz sorgen und einen Plan entwickeln. Dabei müssen alle Optionen geprüft werden, ob Eigenkapital, Fremdkapital, Mezzanine, Hilfsprogramme … Trivial ist das nicht, aber es ist unsere Aufgabe.

 

Perspektiven: Wie können sich Unternehmen in Sachen Finanzierung jetzt auf die Zeit nach Corona vorbereiten, etwa im Hinblick auf wichtige Zukunftsinvestitionen?

 

Stefan Bender: Wir haben zum Glück auch viele Kunden, die mit ihrem Geschäftsmodell gut durch die Krise kommen und diese vielleicht sogar als Chance für Wachstum sehen. Diese Unternehmen begleiten wir natürlich gern, etwa wenn es um Investitionen in die Digitalisierung oder auch um die Übernahme von Mitbewerbern geht. Da gibt es aktuell tatsächlich einiges an Aktivität. Es wäre für Deutschland als Wirtschaftsstandort natürlich fatal, wenn wir uns nur noch in Restrukturierungsgesprächen befinden würden. Das ist glücklicherweise nicht so. Es ist für einige Unternehmen also sicher nicht verkehrt, sich mit einer stabilen Finanzierung rechtzeitig darauf vorzubereiten und dann die Chancen für Wachstum zu nutzen. Wir unterstützen diese Unternehmen dabei, sich schon mal in den Startblöcken zu positionieren. Auch hier gibt es neben dem klassischen Bankkredit weitere Möglichkeiten, etwa Factoring.

 

Perspektiven: Zur Unternehmensbank. Unter diesem Namen und Ihrer Leitung hat der Deutsche Bank Konzern kürzlich in Deutschland die rund 900.000 Unternehmenskunden der Marken Postbank, Deutsche Bank und FYRST in einer Einheit zusammengefasst. Trotz dieser Bündelung halten Sie an der Zwei- beziehungsweise Drei-Marken-Strategie fest. Inwiefern unterscheidet sich das Angebot für die Unternehmenskunden der Postbank von dem für die Kunden der Deutschen Bank?

 

Stefan Bender: Durch die Zusammenführung in der Unternehmensbank sind unsere Marken natürlich durchlässiger geworden. Davon profitieren die Kunden aller drei Marken. Ein Beispiel: Postbank Kunden können zukünftig auf Wunsch das besondere Know-how der Deutschen Bank im Bereich Außenhandelsfinanzierungen nutzen. Mit der ursprünglichen Postbank Tochter PB Factoring GmbH hat die Deutsche Bank an Factoring-Kompetenz hinzugewonnen. Trotzdem entscheiden sich Kunden bewusst für eine der Marken. Das möchten wir beibehalten. Jeder Kunde soll die Marke wählen können, welche seine Bedürfnisse erfüllt. Wir sehen hier eine klare Differenzierung, die von unseren Kunden ausgeht.

 

Perspektiven: Sie haben kürzlich angekündigt, den Service für Ihre Kunden noch stärker ausdifferenzieren zu wollen. Wie muss man sich das vorstellen?

 

Stefan Bender: Hier wird in Zukunft stärker als bisher gelten: Der Kunde entscheidet, welches Servicelevel er sich wünscht. Das kann vom Selfservice bis zu einem umfangreichen Paket an Dienstleistungen reichen. Manche Kunden wünschen sich einen persönlichen Ansprechpartner und andere wiederum die längere telefonische Erreichbarkeit sowie die Auftragserteilung mit elektronischer Unterschrift. Welches Servicelevel für ein Unternehmen interessant ist, hat übrigens nicht unbedingt etwas mit der Unternehmensgröße oder dem Preis zu tun: Ein kleinerer Betrieb freut sich möglicherweise darüber, im Rahmen seines Girokontomodells auch eine sichere Finanzbuchhaltungssoftware nutzen zu können, und ist bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen. Größere Unternehmen mit eigener Finanzbuchhaltungsabteilung haben andere Bedürfnisse. Wir müssen noch viel mehr auf die individuellen Anforderungen unserer Kunden eingehen – und das werden wir auch tun.

 

Perspektiven: Stichwort Digitalisierung. Was können Geschäfts- und Firmenkunden hier in nächster Zeit von der Unternehmensbank erwarten?

 

Stefan Bender: Wir werden das Thema Digitalisierung im Sinne von Automatisierung weiter vorantreiben und das nicht nur im Backoffice. Gute Beispiele dafür, wie die Digitalisierung unseren Kunden das Leben erleichtert, gibt es bereits: Ich denke hier etwa an die digitalen Antragsstrecken für die KfW-Corona-Hilfen und den Postbank Business Kredit direkt im Geschäftskundenbereich der Postbank Homepage. Wir werden unser digitales Angebot 2021 weiter ausbauen, dabei aber immer die Bedürfnisse unserer Kunden genau im Blick behalten.

 

Podcast

Stefan Bender im Podcast

Die Coronavirus-Krise trifft selbst solide aufgestellte Unternehmen. Wie geht es weiter? Was können Unternehmen und Selbstständige von Bund, KfW und Hausbank erwarten, wenn es um sofortige Corona-Hilfen und perspektivische Lösungen geht? Antworten liefern Stefan Bender, Deutsche Bank, und Eva Witt, KfW, auch im Podcast bei „digital kompakt“.

  • Bildnachweise

    Aufmacherfoto: Thorsten Jansen; weiteres Foto: Thorsten Jansen

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