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Lesedauer: 6 Minuten

Interview

„Suchen Sie jetzt den Kontakt zu Ihrer Bank“

Nachdem die coronabedingten Beschränkungen des wirtschaftlichen Lebens zumindest teilweise aufgehoben wurden, schöpfen viele Unternehmer wieder Hoffnung auf stabile Umsätze. Wichtig bleibt aber weiterhin die Versorgung mit externer Liquidität, um Verluste aus dem ersten Halbjahr 2020 zu überbrücken und das wieder aufblühende Geschäft am Laufen zu halten. Wir haben Franziska Durán Luis, Bereichsleiterin Geschäftskunden Postbank, gefragt, was kleine und mittlere Unternehmen dafür jetzt tun können.

Perspektiven: Wie hat sich bei Ihnen die Nachfrage nach den Krediten aus dem KfW-Sonderprogramm 2020 seit dem Start im März entwickelt?

 

Franziska Durán Luis: Gleich nach Bekanntgabe des Programms durch die KfW wurden wir als Hausbank für viele unserer Kunden auf allen Kanälen förmlich überrannt. Bei den Anfragen ging es sowohl direkt um Kredite als auch um den Wunsch nach fachlicher Beratung. Wir haben da sehr schnell reagiert und intern entsprechende Kapazitäten aufgebaut – gerade für unsere kleineren Geschäftskunden, bei denen das Thema KfW-Förderung bis dahin nicht so sehr im Fokus stand. Mittlerweile vergeht bei den KfW-Krediten vom Antrag bis zur Auszahlung in der Regel gerade mal eine Woche. Kunden mit akutem Liquiditätsengpass unterstützen wir mit Zwischenfinanzierungen oder einer zeitlich begrenzten Ausweitung der Kontokorrentlinie. Das ist aber inzwischen kaum noch nötig.

 

Perspektiven: Was empfehlen Sie Ihren Geschäftskunden, um schnell an einen der KfW-Kredite zu kommen?

 

Franziska Durán Luis: Reichen Sie möglichst schon bei der ersten Anfrage alle Unterlagen vollständig ein. Was genau wir von Ihnen benötigen, können Sie im Geschäftskundenbereich auf der Postbank Homepage nachlesen. Dort finden Sie auch ein Online-Tool, mit dem Sie rund um die Uhr und kostenlos schnell und unbürokratisch Ihren Antrag für die Förderkredite aus dem KfW-Sonderprogramm 2020 vorbereiten können. Bestandskunden, aber auch Neukunden werden damit anhand weniger Angaben zu dem für ihr Vorhaben passenden Förderprogramm navigiert. Zudem hilft ihnen die Online-Antragsstrecke dabei, ihre individuelle maximale Förderhöhe zu ermitteln. Nach Durchsicht und Prüfung ihrer Angaben können Sie von einer beschleunigten Bewilligung der Kreditmittel profitieren.

 

Perspektiven: Welche der drei Kredite aus dem Sonderprogramm werden derzeit am häufigsten bei Ihnen nachgefragt?

 

Franziska Durán Luis: Bezogen auf die Menge der Anfragen stehen der KfW-Unternehmerkredit und der KfW-Gründerkredit ganz oben. Das liegt daran, dass viele unserer Geschäftskunden Freiberufler, Soloselbstständige und Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern sind. Die Zahl der größeren Geschäftskunden, für die auch der KfW-Schnellkredit infrage kommt, ist im Vergleich geringer. Dafür ist bei diesen die durchschnittliche angefragte Kreditsumme höher.

 

Perspektiven: In welcher Höhe bewegen sich die beantragten Kredite?

 

Franziska Durán Luis: Kleinere Unternehmen fragen im Schnitt etwa 60.000 Euro an, etwas größere 150.000 Euro. Natürlich gibt es auch Anfragen, die deutlich darüber liegen. Beim Schnellkredit sind ja unter bestimmten Bedingungen Summen bis 800.000 Euro möglich, beim Unternehmerkredit sogar bis zu 1 Milliarde Euro.

 

Perspektiven: Wie groß ist die Chance, dass ein Unternehmer die von ihm angefragte Kreditsumme erhält?

 

Franziska Durán Luis: In der Regel passen die angefragten Summen zu den Antragstellern. Manchmal werden aber auch zu hohe Beträge beantragt. Einigen Unternehmen fällt es derzeit verständlicherweise schwer, eine konkrete Planung für die nächsten Monate vorzulegen. Genau das ist aber für die Vergabe der KfW-Kredite wichtig, denn sie sollen den Unternehmen vor allem dabei helfen, ihre Liquidität gegen coronabedingte Engpässe abzusichern – etwa um die Miete oder ihre Mitarbeiter zu bezahlen. Gegebenenfalls sollte man sich für die Planung externe Unterstützung holen, etwa durch seinen Steuerberater. Manch ein Unternehmer möchte sich auch mit einer höheren Kreditsumme ein Sicherheitspolster zulegen. Allerdings muss ich auch nach Ablauf der tilgungsfreien Phase in der Lage sein, mit den zu erwartenden Umsätzen die Kreditraten zu zahlen. Wir versuchen, die Antragsteller diesbezüglich so gut wie möglich zu beraten. Das geht natürlich am besten bei Kunden, die wir schon kennen. Meine Empfehlung lautet deshalb: Wenden Sie sich für die KfW-Corona-Hilfen immer zuerst an Ihre Hausbank.

 

Perspektiven: Im Gegensatz zum Schnellkredit gibt es beim Unternehmer- und beim Gründerkredit keine 100-prozentige Haftungsfreistellung für die durchleitende Bank. Ist das ein Hindernis für die Kreditvergabe?

 

Franziska Durán Luis: Nein. Wir müssen ja in jedem Fall prüfen, ob die Bonität vor Corona in Ordnung war. Wenn das so ist, gibt es in der Regel auch eine Kreditzusage. Da gibt es keinen Unterschied bei den Produkten mit und ohne Haftungsfreistellung.

 

Perspektiven: Welche Finanzierungsmöglichkeiten bieten Sie Geschäftskunden, die das KfW-Sonderprogramm nicht nutzen können – etwa weil sie nicht durch die Corona-Pandemie in Not geraten sind?

 

Franziska Durán Luis: Wir unterstützen unsere Kunden natürlich auch weiterhin wie gewohnt mit Finanzierungen, zum Beispiel unseren Postbank Business Krediten.

 

Perspektiven: Müssen Kreditnehmer hier aufgrund der Corona-Krise mit schlechteren Konditionen rechnen?

 

Franziska Durán Luis: Nein, unsere Konditionen haben sich gegenüber der Vor-Corona-Zeit nicht verändert. Es geht ja um das Wohl unserer Kunden. Die Konditionen für bestimmte Produkte jetzt in der Krise zu verschärfen, ist sicher nicht sinnvoll – es sei denn, es ist regulatorisch vorgegeben.

 

Perspektiven: Was erwarten Sie in Bezug auf die Kreditnachfrage im zweiten Halbjahr 2020?

 

Franziska Durán Luis: Die erste große Antragswelle ist nach dem Ende des allgemeinen Shutdowns erst mal vorbei. Viele Unternehmen können allerdings noch nicht an „alte“ Umsätze anknüpfen und haben weiterhin Liquiditätsbedarf. Insofern erwarte ich auch im zweiten Halbjahr eine Nachfrage nach Krediten und Kreditlinien. Hier und da sind auch noch neue Förderprodukte auf regionaler Ebene hinzugekommen. Ein Beispiel ist der Schnellkredit der LfA Förderbank Bayern. Meine Empfehlung an unsere Geschäftskunden lautet deshalb: Suchen Sie frühzeitig den Kontakt zu Ihrer Bank und lassen Sie sich beraten! Es kann auf keinen Fall schaden, schon jetzt verschiedene Szenarien für die Liquiditätsversorgung auch über das Jahr 2020 hinaus zu planen. Denn eines ist sicher: Neben den gesundheitlichen werden uns auch die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus noch längere Zeit begleiten.

 

Perspektiven: Noch kurz zu einem ganz anderen Thema. Das Privat- und Firmenkundengeschäft von Postbank und Deutsche Bank wurde im Mai in der Deutsche Bank AG zusammengeführt. Was ändert sich dadurch für die Postbank Geschäftskunden?

 

Franziska Durán Luis: Das eine betrifft was Formelles: Sofern Geschäftskunden in ihrer Korrespondenz oder ihren Rechnungen die Firmierung „Postbank – eine Niederlassung der DB Privat- und Firmenkundenbank AG“ aufführen oder besondere Weisungen erteilt haben, sollten sie eine Anpassung auf „Postbank – eine Niederlassung der Deutsche Bank AG“ vornehmen. Wichtiger ist aber, dass wir im Rahmen der Integration das Geschäft mit den Unternehmenskunden der Postbank und der Deutschen Bank in einer Einheit gebündelt haben – der Unternehmensbank. Ein Vorteil für die Postbank Geschäftskunden: Sie können jetzt bei Bedarf auch vom Know-how der Deutschen Bank profitieren, etwa bei Finanzierungen im Bereich der beratenden Berufe und der Heilberufe. Zudem werden wir gemeinsam wichtige Themen wie die Digitalisierung vorantreiben. In der Corona-Krise hat sich unsere neue schlagkräftige Einheit übrigens schon bewährt, indem wir uns gegenseitig bei der Beratung unserer Kunden zu den Förderkrediten und Soforthilfen unterstützt haben. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten. Das heißt, unsere Geschäftskunden können auch weiterhin auf die Expertise ihres persönlichen Postbank Betreuers oder des Beratungscenters vertrauen.

„Gegebenenfalls sollte man sich für die Planung externe Unterstützung holen, etwa durch seinen Steuerberater.”

„Ich erwarte auch im zweiten Halbjahr eine hohe Nachfrage nach Kreditprodukten.”

Postbank

Finanzierungs-Kompass: KfW-Kredite digital beantragen

Seit Mitte Mai bietet die Postbank Geschäftskunden, die einen Förderkredit aus dem KfW-Sonderprogramm 2020 in Anspruch nehmen wollen, auf der Postbank Homepage rund um die Uhr die Möglichkeit, unverbindlich den ihnen durch die Corona-Krise entstandenen Liquiditäts- beziehungsweise Kapitalbedarf zu ermitteln. Dafür steht als reines Serviceangebot ein praktischer Finanzierungsbedarfsrechner zum Download bereit.

 

Des Weiteren können Interessenten mit dem Postbank Finanzierungs-Kompass anhand weniger Angaben den zu ihrem Finanzierungsbedarf passenden Förderkredit aus dem Corona-induzierten KfW-Sonderprogramm 2020 identifizieren und online ihre Kreditanfrage stellen. Die zur Kreditbeantragung erforderlichen individuell abgestimmten KfW-Antragsdokumente sowie eine Liste der einzureichenden Unterlagen für die Kredit- bzw. Bonitätsprüfung erhalten die Antragsteller per E-Mail. Über das Uploadcenter der Postbank können die Dokumente digital sicher an die Bank übermittelt werden. Der Finanzierungs-Kompass wendet sich sowohl an Bestands- als auch an Neukunden. Sie können damit von einer beschleunigten Bewilligung der Kreditmittel profitieren. www.postbank.de

  • Bildnachweise

    Fotos: Heiko Laschitzki

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