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Social-Media-Marketing

Wie Unternehmen Freunde finden

Soziale Netzwerke wie Pinterest, Instagram oder Facebook erreichen Millionen Nutzer. Unternehmen aller Größenordnungen können davon profitieren – wenn sie bestimmte Regeln befolgen.

Das Auge isst mit. Diese alte Gastronomieweisheit gilt in Zeiten des Internets mehr denn je. Das merkte Jutta Zeisset, als sie vor ein paar Jahren versuchte, Menschen über die Facebook-Seite ihres MuseumsCafés mit kurzen Textnachrichten für das neue Frühstücksangebot an Sonn- und Feiertagen zu begeistern. Das Café mit Hofladen auf dem elterlichen Hühnerhof hatte zwar bereits eine ansehnliche Zahl von Abonnenten bzw. Follower, der große Frühstücksansturm blieb dennoch aus. Bis ihr ein Freund empfahl, einfach mal ein paar Fotos vom Buffet ins Netz zu stellen. „Als ich das machte, war mein Café plötzlich auch am Sonntagmorgen voll. Das war Wahnsinn!“, erinnert sich Jutta Zeisset. Mittlerweile wird das Frühstück jeden Sonntag angeboten und ist trotz der etwas abgelegenen Lage des Hofs in der südbadischen 2.000-Einwohner-Gemeinde Weisweil regelmäßig vier Wochen im Voraus ausgebucht.

 

Heute ist Facebook nur einer von vielen Bausteinen in Jutta Zeissets Social-Media-Strategie – die gelernte Gärtnerin tummelt sich mittlerweile auf 16 verschiedenen Facebook-Kanälen. Kontakt zu Stamm- und Neukunden knüpft sie schon längst auch über Instagram, Twitter und Youtube. Rund 20.000 Fans und Follower hält die 39-Jährige mittlerweile mit täglichen Posts über aktuelle Angebote auf dem Laufenden. Aus dem Zwei-Mann-Betrieb mit einer Aushilfskraft ist ein florierendes Geschäft mit 30 Mitarbeitern geworden. Kuchen, Kekse und andere Spezialitäten aus der hofeigenen Gebäckmanufaktur werden über  den Online-Shop bundesweit vertrieben. Ihre Social-Media-Kenntnisse hat Zeisset 2015 mit einem Studium zur Social-Media- und Online-Marketing-Managerin an der TU im österreichischen Graz vertieft und als zweites Standbein eine Agentur für Social Media und Webdesign gegründet. In Vorträgen gibt sie ihr Wissen insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen aus dem ländlichen Raum weiter, aber auch an Vereine, Verbände und sogar Mitarbeiter von Ministerien.

So präsentiert sich das MuseumsCafé Zeisset auf Social Media

Cafébetreiberin Jutta Zeisset nutzt eine Vielzahl von kostenlosen Social-Media-Kanälen, um ihr Café und ihren Hofladen mit Online-Shop einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Youtube

Pinterest

Screenshot Youtube-Kanal Museumscafé und Hoflafen Zeisset
Screenshot Pinterest-Präsenz Museumscafé und Hofladen Zeisset

Facebook

Twitter

Instagram

Screenshot Facebook-Präsenz Museumscafé und Hofladen Zeisset
Screenshot Twitter-Präsenz Museumscafé und Hofladen Zeisset
Screenshot Instagram-Präsenz Museumscafé und Hofladen Zeisset

Die Kunden abholen, wo sie surfen
Neun von zehn Internetnutzern in Deutschland sind laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom wenigstens einmal am Tag in sozialen Medien unterwegs, in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen so gut wie jeder. 38 Prozent nutzen demnach soziale Netzwerke, um Angebote für Produkte und Dienstleistungen zu finden, jeder Dritte, um über Unternehmen und Marken auf dem Laufenden zu bleiben. Unternehmer tun also gut daran, sich dort zu präsentieren. Denn: Wer nicht präsent ist, ist auch nicht existent. Das gilt für Start-ups, die T-Shirts, Craft Beer oder andere handwerklich hergestellte Produkte über eigene Online-Shops direkt vermarkten, genauso wie für große Markenartikler, bei denen es in den sozialen Medien oft mehr ums Image geht.

 

Facebook und die anderen
Mit rund 32 Millionen Usern allein in Deutschland ist Facebook noch immer das mit Abstand größte soziale Netzwerk. Da die Plattform breit aufgestellt ist, lohnt sich hier nach Expertenmeinung ein Auftritt auf jeden Fall. Lässt sich das eigene Produkt optisch gut präsentieren, sind optikgetriebene Kanäle wie Pinterest, Instagram oder Snapchat eine gute Ergänzung. Das Gleiche gilt für die Videoplattform Youtube; wer hier einen Kanal betreibt, sollte allerdings berücksichtigen, dass die Produktion eines fesselnden Videos deutlich aufwendiger ist als die eines gelungenen Fotos. Bekommt das vermeintlich interessante Interview mit dem Firmenchef nur zwölf Klicks (der eigenen Mitarbeiter), so ist die Enttäuschung am Ende groß. Andererseits gehen besonders lustige oder überraschende Videos nicht selten „viral“ und verbreiten sich im Netz wie ein Lauffeuer. Wer interessierten Kunden regelmäßig Nachrichten schicken möchte, etwa über den Launch neuer Produkte oder Veranstaltungen, kann dafür auch den Kurznachrichtendienst Twitter einsetzen. Interessant für B2B-Anbieter, aber auch für die Suche nach Fachkräften sind die Business-Netzwerke Xing und LinkedIn. Dort knüpfen und pflegen Privatpersonen, Arbeitgeber und Experten berufliche Kontakte. Hier können Mitarbeiter akquiriert und Stellen ausgeschrieben und so nebenbei auch für das Unternehmen Werbung gemacht werden.

Social-Media-Nutzung in Deutschland

Social Media ist schon lange kein Jugend- oder Nischenphänomen mehr, sondern hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem festen Teil des alltäglichen Lebens entwickelt. Das belegen Umfragen des Digitalverbands Bitkom.

Auch Ältere immer aktiver

Altersstruktur der Social-Media-Nutzer

Facebook liegt weiter vorn

Von den Social-Media-Nutzern sind in Deutschland die meisten auf Facebook und Youtube aktiv.

Beliebt für die Produktsuche

Neben privaten Aktivitäten informieren sich auf Social-Media-Plattformen auch immer mehr Menschen über Unternehmen und Produkte.

38%

… der Social-Media-Nutzer können sich ein Leben ohne soziale Netzwerke nicht mehr vorstellen.

Basis: Internetnutzer ab 14 Jahren

38%

31%

10%

suchen Angebote für Produkte und Dienstleistungen.

halten sich über Unternehmen und Marken auf dem Laufenden.

beschweren sich bei Unternehmen.

Basis: Social-Media-Nutzer

14–29 Jahre

30–49 Jahre

50–64 Jahre

ab 65 Jahre

Durchschnittlich in 5 Netzwerken angemeldet.

Durchschnittlich in 3 Netzwerken angemeldet.

Durchschnittlich in 2 Netzwerken angemeldet.

Durchschnittlich in 2 Netzwerken angemeldet.

66%

51%

28%

20%

19%

15%

15%

10%

Basis: Internetnutzer ab 14 Jahren; Mehrfachnennungen waren möglich

Basis: Social-Media-Nutzer; Mehrfachnennungen waren möglich

So präsentieren sich Unternehmen bei Instagram & Co.
Besteht bereits ein größeres Interesse bei den eigenen Kunden, sich regelmäßig über neue Angebote zu informieren, kann ein kostenloser Business-Account bei einem oder mehreren Social-Media-Anbietern ausreichen. Damit können dann genau wie mit einem privaten Konto Inhalte gepostet, Hashtags genutzt oder andere Konten abonniert werden. Gut bedient ist damit zum Beispiel eine Diskothek, die ihre Stammkunden via Facebook, Instagram oder Twitter regelmäßig über Partys und andere Specials auf dem Laufenden halten möchte. Sollen auch neue Kunden angesprochen werden, empfiehlt sich die klassische Anzeigenschaltung. Ähnlich dem Prinzip der Google Ads, werden die Anzeigeneinblendungen möglichst genau auf die Interessenten zugeschnitten.

 

Wer nur gelegentlich über Facebook mit seinen Stammkunden kommunizieren möchte, braucht dafür nicht unbedingt eine Social-Media-Strategie. Hier reicht ein Mitarbeiter, der fehlerfreie Texte schreiben und mit ein paar selbst geschossenen Fotos aufpeppen kann. Sollen hingegen potenzielle Neukunden für das eigene Produkt oder die Dienstleistung begeistert werden, ist ein professionell gestalteter Auftritt, der durch entsprechende Werbemaßnahmen unterstützt wird, Pflicht. Hier empfiehlt es sich, einen Profi wie Jutta Zeisset ins Boot zu holen, um gemeinsam eine sinnvolle Social-Media-Strategie auszuarbeiten. Denn Werbung zu schalten, kostet Geld. Und ein nachhaltiges Engagement im Netz ist nicht ohne personellen Einsatz zu haben. Nicht zuletzt sollte man sich mit den geltenden Datenschutzrichtlinien sowie Urheber- und Bildrechten auskennen.

 

So finden Unternehmer die passende Social-Media-Strategie
„Einfach loslegen und so viele Kanäle wie möglich bespielen, macht keinen Sinn“, betont Jutta Zeisset. Man müsse sich zunächst ein paar Fragen stellen. Was möchte ich erreichen? Welches ist meine Zielgruppe und auf welchem Portal erreiche ich sie am besten? „Von der Zielgruppe hängt ab, welche Plattform für mich am sinnvollsten ist“, sagt Zeisset. Ein Beispiel: Wer auf Social-Media-Kanälen neue Kunden für seinen Wollladen gewinnen möchte, dürfte damit eher beim Do-it-yourself-lastigen Pinterest erfolgreich sein als bei Snapchat, das vor allem bei Teenagern beliebt ist.

 

Aus eigener Erfahrung rät Jutta Zeisset Unternehmern, im Zweifel „mit dem zu beginnen, worauf sie am meisten Lust haben“. Wichtig sei, dass man „überhaupt einmal anfängt“, betont die Social-Media-Expertin. „Wer sagt, er könne damit noch warten, dem sage ich: Sie haben doch schon zehn Jahre gewartet. Fangen Sie jetzt an!“ Gerade kleine Unternehmen hätten in Sachen Social Media oft Nachholbedarf: „Da wird ein gewaltiges Kundenpotenzial verschenkt“, so Zeisset. Sie empfiehlt, die Social-Media-Strategie unbedingt zur Chefsache zu machen. „Der Chef oder die Chefin muss wissen, worum es hier geht“, sagt sie. Das nötige Grundwissen könne man sich bequem in Seminaren aneignen, wie sie zum Beispiel von den IHKs oder den Handwerkskammern angeboten werden.

 

Den Kunden mitreißen
Inhaltlich sei es vor allem wichtig, den Nutzer, also den potenziellen Kunden, mitzunehmen, sagt Zeisset. „Es muss ein cooles, spannendes, interessantes Posting sein, das am besten irgendeinen Mehrwert bietet“, rät die Social-Media-Expertin. Was cool ist, hängt wiederum von der Zielgruppe ab. Zeisset hatte 2015 die Idee, in einem Video zu zeigen, wie ihr beliebter Zwetschgenkuchen entsteht. Der Film entwickelte sich zum Renner auf ihrer Facebook-Seite. Der Kuchen wird jetzt nicht nur fleißig nachgebacken, die Leute kommen auch zuhauf in ihr Café, um das Original ganz analog vor Ort zu genießen. Ein soziales Event ist das allemal.

  • Bildnachweise

    Aufmacher: iStockphoto (Cecilie_Arcurs, filadendron, gilaxia, GrapeImages, g-stockstudio, izadoodle, jacoblund, PeopleImages, pixelfit, VAKSMANV), Montage: HMC; Grafik: iStockphoto (Color_life, Mykyta Dolmatov), Montage: HMC

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