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Marketing

Branchentreffs im Internet:
virtuelle Messen

Immer mehr Fachmessen setzen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie auf virtuelle oder hybride Alternativen. Auch Hausmessen lassen sich im Netz veranstalten. Mit diesem Format kann der Kontakt zu neuen und alten Kunden ohne Ansteckungsrisiken und zu überschaubaren Kosten intensiviert werden – und das nicht nur in Krisenzeiten.

Die Hannover Messe 2020 hat es vorgemacht: Eigentlich für den April geplant, wurde die internationale Industriemesse coronabedingt erst in den Juli und dann doch vollständig in den virtuellen Raum verlegt. In wenigen Wochen stampften die Messemacher die „Hannover Messe Digital Days“ aus dem Boden. An zwei Tagen kamen mehr als 200 Experten online bei Vorträgen, Livechats und Präsentationen zu Wort. Selbst das Netzwerken kam nicht zu kurz – Chaträume boten dafür ausreichend digitalen Raum. Aus Sicht der Veranstalter war der Versuch ein Erfolg: Mehr als 10.000 Teilnehmer hatten sich laut Informationen der Messegesellschaft für die virtuelle Ausstellungsalternative registriert.

 

Mittlerweile ziehen andere Unternehmen der durch das Coronavirus stark gebeutelten Ausstellungsbranche nach. Die internationale Fachmesse für Immobilien und Investitionen „Expo Real“ etwa geht in diesem Jahr als „Expo Real Hybrid Summit“ an den Start. Der Branchentreff präsentiert sich als Mischung aus realer Ausstellung und Vorträgen im Internationalen Congress Center in München sowie Online-Events, die zum Beispiel als Livestreams angeboten werden. Auch die Kongressmesse „Structured Finance“ geht in diesem Jahr komplett ins Internet. Sie wird vom 23. bis 26. November erstmals als „Digital Week“ ausschließlich online veranstaltet. Auch die Postbank nimmt daran teil (siehe Kasten unten).

 

Hausmesse digital

Doch nicht nur die Ausstellungsmacher müssen sich neue Formate überlegen: Von der Absage der Messen sind auch die Aussteller betroffen. Viele nutzen regelmäßig Fachmessen und andere Vor-Ort-Branchenevents, um einem größeren Kundenkreis ihre Produktneuheiten vorzustellen, alte Kontakte aufzufrischen und neue zu knüpfen. Zudem sind seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie persönliche Kundenbesuche in der Regel nur noch eingeschränkt möglich; Kundenevents wie Hausmessen oder Schulungsveranstaltungen mussten häufig abgesagt werden.

 

Auch hier gibt es digitale Alternativen. Wie sich ein bereits gebauter Messestand ins Internet verlegen lässt, zeigt das Beispiel des Europäischen Marktführers für Sanitärprodukte Geberit. „Der Ausbruch der Pandemie kam für uns in Deutschland zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da Produktneuheiten in der SHK-Branche (Sanitär Heizung Klima) in der Regel jeweils zum 1. April eines Jahres eingeführt werden. Neben den Frühjahrsmessen, die nahezu komplett abgesagt beziehungsweise verschoben wurden, mussten wir auch einen Großteil unserer Kundenevents absagen“, berichtet Thomas Brückle, Bereichsleiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung bei Geberit. Mithilfe agiler Arbeitsmethoden, wie sie sonst eher in der Softwareentwicklung zum Einsatz kommen, erschuf das Unternehmen innerhalb von zwei Wochen einen digitalen Zwilling seines Messestandes. Dafür wurde dieser in einer leeren Halle des Messebauers aufgestellt, mit einer 360-Grad-Kamera aufgenommen und über die Plattform des Capture Services Matterport virtuell begehbar gemacht.

So funktioniert der virtuelle Messestand der Firma Geberit

„Unsere WebFair hat innerhalb der ersten vier Wochen rund 12.000 B2B-Kontakte generiert“, freut sich Thomas Brückle. Auch darüber hinaus seien die Zugriffe auf einem nahezu konstant hohen Niveau. Die digitale Investition wird sich also voraussichtlich auch über Corona hinaus bezahlt machen. Zwischenzeitlich wurden auch die eigenen Bäderausstellungen in den Kundenschulungszentren für virtuelle Rundgänge digitalisiert. „Insgesamt konnten wir auf diese Weise eine Vielzahl neuer Touchpoints für unsere Kundenzielgruppen schaffen und einen guten Teil der fehlenden Leads aus physischen Kundenbesuchen des Außendienstes kompensieren“, sagt Brückle.

 

Mit dem eigenen Stand auf der virtuellen Messe

Zum Erfolg der Geberit WebFair habe maßgeblich die werbliche Begleitung in eigenen Medien wie dem E-Mail-Newsletter und dem Kundenmagazin, aber auch die Beteiligung an digitalen Branchenmessen beigetragen. Im SHK-Bereich veranstaltet solche Messen zum Beispiel das Münsteraner Unternehmen ieQ-systems. Die Aussteller präsentieren hier ihre Neuheiten in über den Tag verteilten halbstündigen Webinaren. Die Inhalte können sie, so wie Geberit, entweder selbst mitbringen oder bei der ieQ-systems-Tochter StudioQ produzieren lassen. Die reine Teilnahme an der virtuellen Messe kostet den Aussteller ab ca. 500 Euro. Voraussetzung ist die Nutzung der Online-Event-Software GoToWebinar. Für die Messebesucher ist der Besuch der digitalen „Messestände“ kostenlos.

 

Einen Schritt weiter gehen virtuelle Eventplattformen wie ubivent. Hier werden ganze Messehallen oder Auditorien rein virtuell erstellt, um eine möglichst authentische Veranstaltungsumgebung zu schaffen, in der dann zum Beispiel beim Einsatz entsprechender Software Livestreams stattfinden oder On-Demand-Videos abgerufen werden können. Dafür können entweder vom Plattformanbieter vorgefertigte Templates genutzt und auf Wunsch an die Corporate Identity des Unternehmens angepasst werden – es lassen sich aber auch komplett eigene Designs einbinden. Für Interaktion sorgen u.a. Livechats mittels entsprechender Social-Networking-Tools. Die Gesamtkosten richten sich wie bei einer realen Messe nach dem Aufwand, den der Aussteller betreiben möchte, etwa beim Design des Messestands oder der Einbindung von Kontaktmöglichkeiten. Hinzu kommt die Lizenz für die Nutzung der Messeplattform.

 

Virtuelle Messen – die Vorteile auf einen Blick

  • Kostenreduktion bei Stand-, Personal- und Reisekosten
  • Hohe Reichweite (Messebesucher müssen nicht anreisen)
  • Geringe Streuverluste durch genau steuerbare Zielgruppenansprache
  • Orts- und zeitunabhängige Einbindung von beliebig vielen Mitarbeitern möglich, zum Beispiel in Form von Chats
  • Erfolgskontrolle durch Klickzahlen und gegebenenfalls direkte Leads
  • Automatische Generierung von Kontaktadressen durch persönliche Anmeldung der Messeteilnehmer
  • Flexible Veranstaltungsdauer, kurzfristige Anpassung von Produktthemen möglich
  • Planbares Event in Corona-Zeiten

 

Hybride Zukunft

Ob virtuelle Messen das haptische Erlebnis einer echten Produktpräsentation oder den persönlichen Umtrunk am Messestand ersetzen können, sei dahingestellt. In Zeiten der Corona-Pandemie können sie zumindest eine Alternative und darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung im Marketingmix sein. Für Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender des Hannover-Messe-Ausrichters Deutsche Messe AG, sind hybride Veranstaltungen die Zukunft. Man müsse die Vorteile beider Welten verbinden, betonte Köckler jüngst im Interview mit dem Handelsblatt. Ein Mittelständler solle sich im Rahmen der Hannover Messe künftig nicht mehr nur auf seinem Stand präsentieren, sondern auch das Messe-Studio stundenweise mieten können, um seine Innovationen auch jenseits des Messegeländes online zu präsentieren.

 

Der Termin für die nächste Hannover Messe steht bereits. Ob man sich vom 12. bis 16. April 2021 vor Ort, hybrid oder doch ausschließlich im Netz zum Branchenaustausch treffen wird, bleibt abzuwarten.

Postbank

Digitale Messe

Structured FINANCE Digital Week

Unter dem Motto „Wege aus der Krise“ findet die Kongressmesse zur Unternehmensfinanzierung Structured FINANCE in diesem Jahr erstmals rein digital statt. Vom 23. bis 26. November gibt es im Rahmen der Structured FINANCE Digital Week wie gewohnt unter anderem Podiumsdiskussionen, Roundtables und On-Stage-Interviews. Auch die große Fachausstellung wird über ein modernes Eventtool vollständig digital abgebildet.

 

Der Deutsche-Bank-Konzern ist mit folgenden Roundtables vertreten:

  • „Finanz-Factoring: Einfach und flexibel bei Umsetzung und Abwicklung, optimale Ergebnisse beim Working Capital“ mit Roman Haschke, Head of Treasury, Alliance Healthcare Deutschland AG; Gastgeber: Dinko Mehmedagic, PB Factoring GmbH
  • „Internationale Finanzierungslösungen“ mit Silke Denecke, CFO, Refratechnik Holding GmbH
  • „Einführung eines Supply Chain Management Programms“ mit Bernd Becker, Head of Treasury & Corporate Finance, GEA Group
  • „Einsatz von elektronischen Signaturen bei Siemens AG, Cash Management and Payments“ mit Elke Eser, Abteilung Cash Management and Payments, Siemens AG

 

Jochen Siegert, Global Head of Asset Platforms Deutsche Bank, erläutert zudem in den „Expertendialogen“ Unternehmern das Thema „Innovative Finanzierung auf Basis von Pay-per-use-Modellen“. Stefan Bender, Leiter der Unternehmensbank im Deutsche-Bank-Konzern, diskutiert im FINANCE Think Tank über aktuelle Veränderungen im Firmenkundengeschäft. Sprechen Sie uns (oder Ihren Berater?) gerne an, falls Sie Interesse haben teilzunehmen. www.finance-magazin.de

  • Linkliste

    MesseQ: virtuelle Messen in Webinarform

     

    Expo-IP: Veranstalter virtueller Events inklusive visualisierter Messeumgebung/-stände, Webinar-Produktion und Livestreams

     

    Meetyoo: Spezialist für Online-Messen, virtuelle Events und Livestreaming für Firmen und Organisationen (Plattform ubivent)

     

    Völkel ITK: virtuelle Online-Plattform für jede Art von Messen/Events mit der Integration von Livestream Übertragung, 360°-Panorama-Rundgängen etc.

     

    6Connex: US-Anbieter für virtuelle Events

  • Bildnachweise

    Screenshots: HMC

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