Das Finanzamt schenkt mit

Wer zu Weihnachten Geschäftspartner und Mitarbeiter beschenken möchte, sollte die steuerlichen Regeln dafür kennen. Manches Präsent ist sogar als Betriebsausgabe absetzbar.

Weihnachtspräsente

penden statt Geschenke“ – unter diesem Motto führen in der Vorweihnachtszeit wieder viele gemeinnützige Organisationen Spendenaktionen speziell für Unternehmen durch. Das Prinzip: Statt Geschäftspartnern oder Mitarbeitern Präsente zukommen zu lassen, geht das dafür vorgesehene Budget an einen guten Zweck. Als „Nachweis“ erhält der Spender auf Wunsch Kommunikationsmaterial, zum Beispiel eine Spendenurkunde, vorgetextete Weihnachtskarten oder E-Mail-Abbinder, die er an seine Geschäftspartner verschicken oder auf seiner Homepage und im Intranet veröffentlichen kann. Und natürlich gibt es auch eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt. Allein die Kinderhilfsorganisation Save the Children Deutschland hat nach eigenen Angaben auf diese Weise im vergangenen Jahr Weihnachtsspenden von rund 3.000 Unternehmen erhalten.

 

Doch nicht immer möchte man als Unternehmer darauf verzichten, wichtigen Geschäftspartnern und verdienten Mitarbeitern mit klassischen Geschenken seine Wertschätzung auszudrücken. In diesem Fall sollte man darauf achten, dass alle steuerlichen Regeln eingehalten werden. Wird das versäumt, kann ein gut gemeintes Präsent schnell einen bitteren Nachgeschmack bekommen. Denn übersteigt es einen bestimmten Wert, muss das Geschenk vom Beschenkten versteuert werden. Die wichtigsten Regelungen im Überblick.

 

Geschenke pauschal versteuern

Die einfachste Möglichkeit, bei der Versteuerung von Geschenken alles richtig zu machen, ist die Pauschalversteuerung. Laut § 37b EStG kann das schenkende Unternehmen den edlen Wein oder die Einladung zum Bundesligaspiel anstelle des Beschenkten selbst versteuern – und zwar pauschal mit einem Steuersatz von 30 Prozent zzgl. Kirchensteuer und Soli. Möglich ist diese Art der Besteuerung für alle Geschenke, die in einem sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit einem Geschäfts- oder Vertragsverhältnis stehen und zusätzlich zu ohnehin vereinbarten Leistungen oder dem Arbeitslohn vergeben werden. Sie kann sowohl für Geschenke an Geschäftsfreunde als auch eigene Mitarbeiter genutzt werden. Entscheidet sich ein Unternehmen für die pauschale Versteuerung, so ist diese allerdings für alle steuerpflichtigen Zuwendungen des Jahres Pflicht.

 

Freibeträge nutzen

Geschenke, für die der Empfänger keine Steuern zahlen müsste, müssen natürlich auch nicht pauschal versteuert werden. Dazu zählen alle Geschenke an Geschäftspartner, deren Anschaffungswert inklusive Mehrwertsteuer nicht höher als 10 Euro ist. Geschenke an Geschäftsfreunde aus dem Ausland brauchen unabhängig von ihrem Wert hierzulande nicht versteuert werden, weil auch die Empfänger dafür in Deutschland keine Steuern zahlen müssten. Hier gilt es, gegebenenfalls das Steuerrecht des Empfängerlandes zu berücksichtigen.

 

Sachzuwendungen statt Geldgeschenke

Geschenke an Mitarbeiter sind ebenfalls innerhalb bestimmter Freibeträge steuerfrei – vorausgesetzt es handelt sich um Sachzuwendungen und nicht um Geldgeschenke. Letztere sind für den Beschenkten immer in vollem Umfang steuerpflichtig. Gutscheine mit Geldbetrag gelten als Sachzuwendung, dasselbe gilt für Prepaidkarten, wenn eine Barauszahlung des Guthabens nicht möglich ist.

 

Sofern die Sachbezugsfreigrenze in Höhe von 44 Euro pro Monat im Dezember für einen Mitarbeiter noch nicht ausgeschöpft wurde, kann dieser zu Weihnachten problemlos bis zu dieser Höhe steuer- und sozialabgabenfrei beschenkt werden. Alternativ können Weihnachtsgeschenke, zum Beispiel im Rahmen einer Weihnachtsfeier, in den 110-Euro-Freibetrag je Mitarbeiter für Betriebsveranstaltungen einbezogen werden. Wird dieser Betrag überschritten, zählt das als steuerpflichtiger Arbeitslohn aus Anlass von Betriebsveranstaltungen. Dieser kann mit 25 Prozent pauschal versteuert werden und ist sozialversicherungsfrei. Gut zu wissen: Geschenke können seit Kurzem in beliebiger Höhe in den Freibetrag einbezogen werden und bei einem darüber hinausgehenden Wert ebenfalls mit 25 Prozent pauschal versteuert werden. Wichtig: Eine Veranstaltung, die ausschließlich der Übergabe von Geschenken dient, zählt beim Fiskus nicht als Feier. Um als solche zu gelten, muss eine Betriebsveranstaltung einen „geselligen Charakter“ aufweisen, beispielsweise durch die Bewirtung der Gäste.

 

Die Steuerbefreiung für sogenannte Aufmerksamkeiten in Höhe von bis zu 60 Euro ist für Weihnachtsgeschenke nicht anwendbar. Sie gilt nur für persönliche Ereignisse wie zum Beispiel den Geburtstag oder die Hochzeit.

 

Geschenke von der Steuer absetzen

Geschenke an Geschäftspartner können pro Kunde und Jahr bis zu einem Wert von 35 Euro inklusive Umsatzsteuer als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Ist das Unternehmen zum Vorsteuerabzug berechtigt, gilt die 35-Euro-Schwelle netto, wird von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch gemacht, bezieht sie sich auf den Bruttowert des Geschenks. Die entsprechenden Ausgaben müssen dafür buchhalterisch auf einem Extrakonto vermerkt werden. Dabei ist jeweils der Name des Beschenkten anzugeben. Die gegebenenfalls für den Beschenkten pauschal übernommene Steuer zählt nicht zum Wert des Geschenks, kann aber ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden.

 

Compliance-Probleme vermeiden

Grundsätzlich sind Geschenke an Geschäftspartner mit Vorsicht zu genießen: Schnell kann aus einer allzu üppigen Weihnachtszuwendung ein Bestechungsvorwurf entstehen. Im Zweifelsfall kann es helfen, beim Adressaten nachzufragen, ob dieser überhaupt ein Sachgeschenk oder die Einladung zu einem größeren Event als einem normalen Geschäftsessen annehmen darf.

 

Ein Gespräch mit dem Steuerberater kann vor dem Besuch des Weihnachtsmannes also nicht schaden. Im Zweifelsfall stellt sich dann vielleicht die Spende an eine wohltätige Organisation doch als die bessere Lösung heraus.

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Weihnachtsgeld – wer muss zahlen

Mit dem Novemberentgelt bekommen viele Arbeitnehmer in Deutschland das Weihnachtsgeld überwiesen: Laut einer Online-Befragung des Internetportals lohnspiegel.de, das vom WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird, erhielten 2018 etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland (55 Prozent) die sogenannte Jahressonderzahlung vom Arbeitgeber. Beschäftigte in tarifgebundenen Betrieben haben durch den Tarifvertrag in der Regel einen rechtlichen Anspruch auf das Weihnachtsgeld. Dagegen ist die Zahlung des Weihnachtsgelds in Betrieben ohne Tarifvertrag freiwillig.

Alle Angaben ohne Gewähr. Der Artikel ersetzt nicht die steuerliche Beratung.

  • Bildnachweise

    Aufmacherfoto: iStockphoto (golubovy); Grafik: iStockphoto (ilyaliren)

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