Fachkräfte Marke Eigenbau

Die Digitalisierung erfordert digital fitte Mitarbeiter. Doch die sind rar. Immer mehr Mittelständler setzen deshalb auf betriebliche Weiterbildung – auch dabei hilft die Digitalisierung.

Weiterbildung

ür vier von fünf mittelständische Geschäftsführer in Deutschland steht fest: Die Digitalisierung ist für ihr Unternehmen relevant und wird es auch in Zukunft sein. So lautet ein zentrales Ergebnis der aktuellen Postbank Studie „Mittelstand und Digitalisierung“ (mehr dazu im Slider unten). Eine der größten Herausforderungen dabei: Nach wie vor fehlen die passenden Fachkräfte, um die digitale Transformation zu bewältigen. Diese müssen in der Lage sein, innovative digitale Tools zu nutzen, und zugleich die Anforderungen und Prozesse im Unternehmen aus dem Effeff beherrschen. Vor allem Mittelständler abseits der Ballungsräume tun sich mit der Rekrutierung entsprechender Mitarbeiter zunehmend schwer. Vor diesem Hintergrund bekommt die berufliche Weiterbildung einen ganz neuen Stellenwert.

 

90 Prozent setzen auf Weiterbildung

„Weiterbildung ist die zentrale Antwort der Wirtschaft auf die fortschreitende Digitalisierung“, betont der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Wie ernst es die Unternehmen mittlerweile damit nehmen, zeigt die aktuelle Weiterbildungserhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach bilden knapp 85 Prozent aller Unternehmen ihre Mitarbeiter weiter. Sie investierten dafür zuletzt rund 33,5 Milliarden Euro im Jahr. Von den sogenannten digitalisierten Unternehmen sind sogar 87 Prozent in Sachen Mitarbeiterqualifizierung aktiv.

F

Betriebliche Weiterbildung: Die meisten Firmen machen schon mit

84,7

17,3

87,2

1.067

33,5

… Prozent der Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern Weiterbildungs-möglichkeiten an.

… Stunden verbringt ein Mitarbeiter im Durchschnitt jährlich mit betrieblicher Weiterbildung.

… Prozent der Zeit, die Mitarbeiter für die betriebliche Weiterbildung nutzen, ist Arbeitszeit.

… Euro geben Unternehmen im Schnitt jährlich je Mitarbeiter für Weiterbildungs-aktivitäten aus.

… Milliarden Euro gaben deutsche Unternehmen 2016 insgesamt für Weiterbildung aus.

Befragung von 1.706 Unternehmen von März bis Juli 2017

Quelle: IW-Weiterbildungserhebung

Die Weiterbildungsrenner: Fachwissen, Kommunikation und IT

Unternehmen stellen sich insbesondere zwei Fragen: Welche digitalen Kompetenzen braucht die Belegschaft? Und wie lassen sich die am besten vermitteln? Weiterbildungsfavoriten sind die Vermittlung von beruflichem Fachwissen, gefolgt vom Ausbau der Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit (Stichwort Teamwork). An dritter Stelle rangieren IT-Kenntnisse; 10 Prozent aller Weiterbildungskurse in Deutschland entfallen laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) auf diesen Bereich. Das Gros davon sind Schulungen für kaufmännische Softwareanwendungen. Hierzu zählen zum Beispiel Weiterbildungen im Umgang mit Office-Programmen wie Word und Excel. 18 Prozent der Kurse entfallen auf EDV-Dienstleistungen wie Datenschutz oder IT-Sicherheit. 15 Prozent haben Softwareentwicklung und einfache Programmierung zum Gegenstand. 11 Prozent der Weiterbildungskurse beschäftigen sich mit Software in technischen Anwendungsgebieten wie CAD (computer-aided design). 9 Prozent thematisieren fortgeschrittene IT-Anwendungen. Darunter fallen beispielsweise Kurse in Netzwerktechnik oder in komplexen Programmiersprachen.

Postbank Studie Mittelstand und Digitalisierung – ausgewählte Ergebnisse

Die Digitalisierung mit digitalen Lernangeboten meistern

Grundsätzlich muss bei der Weiterbildung zwischen Präsenzveranstaltungen und Angeboten zum Selbsttraining unterschieden werden. Während Seminare und Workshops eher zeit- und kostenintensiv sind, lassen sich Weiterbildungen mit Selbstlernmaterialien zeitlich flexibel und oft auch zu deutlich geringeren Kosten realisieren. Auch hier hilft die Digitalisierung. Unternehmensspezifische Lerninhalte lassen sich zum Beispiel über Podcasts (Audiodateien) oder Webinare bzw. Webcasts (Lernvideos) transportieren. Wie Webcasts eingesetzt werden können, zeigt ein aktuelles Beispiel, das die DEKRA Media GmbH im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für die Anforderungen beruflicher Aus- und Weiterbildung entwickelt hat. Eine weitere digitale Schulungsmöglichkeit sind Web Based Trainings (WBT). Es handelt sich dabei um Lerneinheiten, auf die im Internet oder Intranet mittels eines Webbrowsers interaktiv zugegriffen werden kann.

 

Gut die Hälfte der Betriebe macht laut IW-Weiterbildungserhebung bereits von digitalen Lernangeboten Gebrauch. Für die Lernenden bietet die digitale Weiterbildung zahlreiche Vorteile. Videos, Animationen, Audioformate oder Spiele etwa können die Motivation der Mitarbeiter zur Teilnahme an einer Weiterbildungsmaßnahme deutlich erhöhen. Einer der größten Pluspunkte des E-Learnings ist, dass es räumlich und zeitlich unabhängig ist und so die Vereinbarkeit von Arbeit, Lernen und Familie erleichtert. Denn es ist gerade der Mangel an Zeit, der eine Weiterbildung oft genug verhindert – das sagen sowohl die Unternehmen als auch die Mitarbeiter. Zudem bieten E-Learning-Angebote oft die Möglichkeit, die Inhalte an die Bedürfnisse der Firma und der Mitarbeiter anzupassen. Werden zum Beispiel Assistenzsysteme personalisiert, steigert dies die Effektivität des Online-Unterrichts: Die Teilnehmer können dann ihr Lerntempo selbst bestimmen und ihren Lernerfolg selbst kontrollieren. Damit steigt auch der Spaß an einer Weiterbildung. Mittels E-Learning können zudem auch jene Menschen erreicht werden, die aus Angst vor dem Lernen und vor möglichen Misserfolgen an Präsenzveranstaltungen nicht teilnehmen wollen. Allerdings erfordert die Nutzung in der Regel ein gewisses Maß an Erfahrung und Selbstdisziplin – und natürlich grundlegende Computerkenntnisse.

  • Wann digitale Lernangebote besonders sinnvoll sind

    Ein Leitfaden der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Initiative Mittelstand-Digital empfiehlt digitale Lernangebote insbesondere dann, wenn:

     

    • eine große Anzahl von Mitarbeitern weitergebildet werden soll, ohne dass diese ein Präsenztraining besuchen sollen oder können. Zielgruppe können hier beispielsweise Mitarbeiter im Vertrieb oder im Service sein, die regelmäßig über neue Angebote und Produkte informiert werden müssen.
    • individuelle, speziell auf das eigene Unternehmen zugeschnittene Lernmaterialien benötigt werden.
    • Präsenzseminare individuell vor- oder nachbereitet werden sollen.
    • Lerninhalte aus Präsenzseminaren individuell vertieft werden sollen.
    • ein flexibles Schulungsangebot für Kunden benötigt wird, zum Beispiel zur Nutzung neuer Produkte.
  • Wie Sie Lernmedien für Ihre Belegschaft konzipieren

    Digitale Lernmedien können sowohl vom Unternehmen selbst oder von Drittanbietern im Auftrag von Unternehmen produziert werden. Die inhaltliche Konzeption der Materialien sollte in jedem Fall vom Unternehmen eng begleitet werden. In Vorbereitung auf die Produktion müssen vor allem folgende Aspekte durchdacht werden:

     

    • Welche Lernziele sollen erreicht werden?
    • Welche Zielgruppe(n) wird (werden) angesprochen?
    • Welche Inhalte sind relevant?
    • Wo und mit welchen Geräten soll gelernt werden (zu Hause, am Arbeitsplatz, technische Anforderungen)?
    • Welche Formate kommen infrage (Videos, Podcast etc.)?
    • Welches Budget steht zur Verfügung?

Eine besonders hohe Weiterbildungsrendite für die Beschäftigten und Betriebe ergibt sich laut einer Analyse der Hans-Böckler-Stiftung gegenwärtig dort, wo Unternehmen ein strategisch ausgerichtetes Konzept verfolgen, die Weiterbildung praxisorientiert und betrieblich eingebunden ist und ein regelmäßiger Dialog zwischen Personalabteilungen und Betriebs- bzw. Personalräten etabliert ist.

 

Weiterbildung finanzieren

Apropos Rendite: Qualifizierte Weiterbildung kostet bei allem Nutzen für Mitarbeiter und Unternehmen natürlich nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Das klassische Modell für externe Schulungen und Seminare sieht so aus, dass der Arbeitnehmer diese in seiner Freizeit absolviert und der Arbeitgeber dafür die Kosten trägt.

 

Zudem gibt es eine Reihe staatlicher Fördermöglichkeiten, die sich vor allem an Arbeitnehmer wenden, aber in Form qualifizierter Fachkräfte auch dem Arbeitgeber zugute kommen. Über diese Möglichkeit sollten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter regelmäßig informieren.

  • Hier gibt’s staatliche Förderung

    • Mit der Bildungsprämie engagiert sich die Bundesregierung gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) seit 2008 für die berufsbezogene Weiterbildung – unabhängig vom Arbeitgeber. Das Programm unterstützt insbesondere Menschen mit geringem Einkommen bei der Finanzierung ihrer Weiterbildungsvorhaben. Weitere Förderprogramme im Rahmen des ESF finden Sie hier.
    • Das Aufstiegs-BAföG fördert die Vorbereitung auf mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse. Dazu gehören Meisterin und Meister genauso wie Erzieher, Betriebswirtin, Technikerin und Fachwirt.
    • Mit dem Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ (WeGebAU) wird noch bis Ende 2010 insbesondere die Weiterbildung von Arbeitnehmern ab 45 in KMU gefördert, deren Berufsabschluss oder geförderte Weiterbildung mindestens vier Jahre zurückliegt. Die Arbeitsagentur trägt bis zu 100 Prozent der Seminargebühren sowie gegebenenfalls Fahrtkosten und zahlt dem Arbeitgeber Lohnkostenzuschüsse. Während der Kursdauer ist der Arbeitnehmer freigestellt, das Gehalt läuft normal weiter. Mehr Informationen finden Sie hier.
    • Darüber hinaus gibt es Förderprogramme der Länder, etwa den Bildungsscheck NRW oder den QualiScheck Rheinland-Pfalz. Einen Überblick über alle Fördermaßnahmen der Bundesländer finden Sie hier.

Für unternehmensspezifische Selbstlernmaterialien fallen in der Regel nur bei der Erstellung nennenswerte Kosten an. Einmal durchkonzipiert und produziert lassen sich digitale Schulungsinhalte zumeist mit geringem Aufwand vervielfältigen und aktualisieren. Die Postbank unterstützt ihre Kunden bei der Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen zum Beispiel mit dem zinsgünstigen Postbank Business Kredit.

  • Bildnachweise

    Aufmacher: iStockphoto / fizkes; Icons: Postbank

Weitere Artikel

65

72

33

51

46

Für 65 Prozent der Mittelständler ist das eigene Unternehmen der wichtigste Akteur für das Gelingen von Digitalisierungsmaßnahmen.

Für 72 Prozent der Mittelständler ist bei der Digitalisierung das Thema Informationssicherheit eher oder sogar sehr wichtig.

 

 

33 Prozent der Mittelständler würden für die Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen Bankkredite in Betracht ziehen.

 

 

Für 51 Prozent der Mittelständler ist das Thema Digitalisierung vor allem relevant, um Arbeitsabläufe im Unternehmen zu verbessern.

46 Prozent der Mittelständler schätzen den Investitionsbedarf für Digitalisierungsmaßnahmen in ihrem Unternehmen hoch oder sogar sehr hoch ein.

 

 

Perspektiven